Fanny Bräuning hat einen Film über ein älteres Ehepaar auf Urlaubsreise gedreht. Die Frau ist schwer krank, er managt alles. Die beiden sind Fannys Eltern.

Es gibt diese Szene, in der Fanny Bräuning ihren Vater sinngemäß fragt: „Du hättest ja auch gehen können?!“ Was sie meint: Du hättest Deine Frau, meine Mutter, ja auch verlassen können. Die Antwort ihres Vaters ist eindeutig: "Das hätte ich nicht ertragen."

"Niemand außerhalb der Familie hätte so einen Film machen können."
Filmemacherin Fanny Bräuning

Fannys Mutter hat schon lange Multiple Sklerose. Als sie vor 20 Jahren ins Koma fällt, weiß die Familie nicht, ob sie wieder erwacht. Doch das tut sie nach mehr als einer Woche, ist aber komplett gelähmt. „Sie konnte nicht schlucken, nicht sprechen, nichts bewegen, nur ihre Augenlider.“ Ein Jahr lang muss Fannys Mutter danach in die Reha. Mühselig erkämpft sie sich ein paar Dinge zurück. Ein bisschen sprechen, ein bisschen die Hände bewegen, ein bisschen schlucken. Diese Zeit begleitet Fanny schon damals mit der Kamera und dreht einen Kurzfilm über ihre Mutter.

"Mein Vater mag das Wort Schicksal nicht."
Filmemacherin Fanny Bräuning

Fannys Vater gibt in dieser Zeit seinen Job als Fotograf auf und kümmert sich full-time um seine Frau. „Er orchestriert zu Hause ein kleines Krankenhaus“, sagt Fanny. Ihr Vater baut auch einen Bulli komplett um, sodass die beiden auch weiter in den Urlaub fahren und Fanny in Berlin besuchen können. Fannys Freunde und Nachbarn verdeutlichen ihr dabei immer wieder, wie außergewöhnlich ihre Eltern doch sind. Das lässt in Fanny einen Plan reifen: Sie will noch einmal einen Film drehen, diesmal aber mit beiden. 

"Es kommt darauf an, die lebenswerte Momente zu erkennen und zu zelebrieren. Meine Eltern machen das."
Filmemacherin Fanny Bräuning

Der ist nun fertig: "Immer und ewig":. Auf dem DOK-Festival in Leipzig hat der Film im November Weltpremiere gehabt. Diese Woche startet er in den Schweizer Kinos. 

In Eine Stunde Talk erzählt Fanny Bräuning, warum ihre Eltern mitgemacht haben, wie der Film die Beziehung zu ihren Eltern verändert hat und welche Szenen es nicht in den Film geschafft haben.