Der eingeschleppte Hautpilz "Bsal" bedroht Amphibienarten in ganz Europa. Vor allem der Feuersalamander ist ihm fast hilflos ausgeliefert – ganze Populationen sind bereits ausgestorben. Und wir Menschen helfen der sogenannten Salamanderpest, sich zu verbreiten.

Der Pilz Batrachochytrium salamandrivorans, kurz Bsal, frisst regelrecht Löcher in die Haut der befallenen Tiere, erklärt der Herpetologe Stefan Lötters in seinem Vortrag. Er lehrt und forscht im Bereich Biogeographie an der Uni Trier und arbeitet schon seit Jahren zu dem vermutlich durch Tierhandel aus Asien eingeschleppten Hautpilz.

"Bsal ist hoch infektiös von Tier zu Tier und bei sehr vielen Schwanzlurchen tödlich."
Stefan Lötters, Herpetologe

Manche Amphibienarten haben eine Immunantwort dagegen, sagt er, andere leider nicht – der Feuersalamander beispielsweise: Vermutlich über 95 Prozent der befallenen Tiere verenden qualvoll innerhalb weniger Tage.

Ein Feuersalamander, der sich mit Bsal infiziert hat. Die Haut wirkt wie angefressen und auf den gelben Hautflecken sind dunkle Kringel erkennbar.
© picture alliance/dpa | Tobias Rautenberg
So sieht ein Feuersalamander aus, der sich mit Bsal infiziert hat: Die Haut wirkt wie angefressen, auf den gelben Hautflecken sind dunkle Kringel erkennbar.
Ein gesunder Feuersalamander
© Katrin Ohlendorf
Und so sieht ein gesunder Feuersalamander aus. Diesen hier hat Hörsaal-Moderatorin Katrin Ohlendorf mal beim Morgenlauf im Wald getroffen.

In den Niederlanden und in Belgien sind die Bestände bereits eingebrochen, auch in Deutschland gab es regional schon Massensterben. Bislang ist der "Salamanderfresser" hierzulande vor allem in der Eifel und im Ruhrgebiet aufgetaucht, aber er hat es längst auch in andere Regionen geschafft.

Neben Feuersalamandern oder Kammmolchen könnten auch andere Amphibienarten betroffen werden. Die Forschenden befürchten eine Ausbreitung in ganz Europa bis hin nach Nordafrika – und so das Aussterben vieler Schwanzlurcharten.

Ausbreitung der Salamanderpest durch den Menschen befördert

Wir Menschen sind daran wohl mitschuldig: Bsal kann beispielsweise an unseren Schuhen, Fahrrad- oder Autoreifen von einem Amphibienlebensraum zum nächsten mitreisen. Deshalb solltet ihr folgendes beachten – vor allem, wenn ihr in verschiedenen Waldregionen unterwegs seid:

  • Bleibt in den Wäldern möglichst auf den Wegen.
  • Reinigt nach dem Wandern oder Spazieren eure Schuhe gründlich. Besser ist noch, sie mit Desinfektionsmittel zu behandeln, etwa Spiritus oder Ethanol.
  • Reinigt auch Autoreifen, Fahrradreifen oder Stöcke bitte gut.
  • Macht die Pfoten eurer Hunde gründlich sauber und lasst sie im Wald möglichst nicht durch Wasser oder an Uferbereichen laufen.
  • Solltet ihr ein totes, krankes oder tagaktives Tier sehen, fasst es nicht an und nehmt es nicht mit! Macht stattdessen ein Foto, notiert euch die Koordinaten und meldet den Fund zeitnah. In manchen Regionen gibt es dafür extra Stellen – der Förster oder die Gemeinde wissen aber im Zweifel sicher Bescheid. Ansonsten geht das auch bei unserem Vortragenden.
"Die Salamenderpest scheint die gesamte west-paläarktische Amphibien-Diversität zu bedrohen."
Stefan Lötters, Herpetologe

Stefan Lötters ist Professor für Biogeographie an der Universität Trier, außerdem Mitglied der Species Survival Commission der Weltnaturschutzorganisation IUCN und Akademischer Editor von PLoS ONE – unter anderem.

Seinen Vortrag "Das Problem der sich ausbreitenden Infektionskrankheiten am Beispiel der Salamanderpest" hat er online am 6. Dezember 2021 im Biologischen Kolloquium des Master-Studiengangs Umweltbiowissenschaften am Fachbereich VI der Universität Trier gehalten.

Viele weitere spannende Hörsaal-Vorträge findet ihr hier.

Und hier noch die versprochenen Links aus dem Vortrag:

  • Hörsaal
  • Moderation:  Katrin Ohlendorf
  • Vortragender:  Stefan Lötters, Professor für Biogeographie an der Universität Trier