Alle Fans mussten sich gedulden: Wegen der Corona-Pandemie ging die Tour de France zwei Monate später los – unter strengen Hygieneregeln. Viele fragen sich, ob so eine Rundfahrt überhaupt sein muss, in einem Land, in dem die Zahl der Neuinfektionen seit Wochen steigt. Was die Sportler davon halten, weiß Ex-Radrennprofi Marcel Kittel.

Insgesamt neun Mal war er als Sportler bei der Tour de France dabei. 14 Etappen hat er gewonnen, und auch das gelbe Trikot des Führenden getragen. Mit 31 Jahren beendete Marcel Kittel dann im vergangenen Dezember seine Karriere. Bei der Tour der France in Corona-Zeiten ist er nur noch als Experte dabei.

Ex-Radrennprofi Marcel Kittel im Trikot und mit Helm und Brille.
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Ein fader Beigeschmack

Ob es die richtige Entscheidung war, die Tour de France trotz Coronavirus durchzuführen, darauf hat der ehemalige Radprofi keine klare Antwort. Aus Rennfahrersicht verstehe er natürlich, dass sich die Sportler freuen: Es sei immer ein besonderer Moment bei der Tour der France dabei zu sein. Die Fahrer bereiten sich monatelang vor; hartes Training, um am Ende die Chance zu haben eine Etappe zu gewinnen.

"Die Jungs freuen sich natürlich. Die sind happy, dass die Tour stattfindet – auch wenn es einen faden Beigeschmack gibt."
Marcel Kittel, Ex-Radsportprofi

Die Unsicherheit ist groß

Trotzdem wäre es für Marcel Kittel wegen der Corona-Pandemie keine sorgenfreie Tour gewesen. Er hätte ein mulmiges Gefühl gehabt, gibt er zu, denn er könne das Ansteckungsrisiko nicht einschätzen. So gehe es auch den Sportlern, die in diesem Jahr an den Start gehen. Bislang sei – zum Glück – alles gut gegangen, aber Paris ist noch sehr weit weg, sagt Marcel Kittel.

"Ich wäre unsicher gewesen, weil ich das Ansteckungsrisiko nicht einschätzen kann."
Marcel Kittel, Ex-Radsportprofi

Vor den Fahrern liegen noch viele Berge – und viel Zeit. Zeit, in der ein Ansteckungsrisiko besteht. Das Konzept und die Planung müssten sich jetzt bewähren, so Marcel Kittel, damit alle am Ende gesund und munter in Paris ankommen. Wenn es bei einer Mannschaft, die aus acht Fahrern und 22 Betreuern besteht, zwei Positivtests auf Corona gibt, muss die ganze Gruppe die Rundfahrt beenden, so das Regelwerk.

"Paris ist noch ganz weit weg. Das Konzept und die Planung müssen sich jetzt bewähren."
Marcel Kittel, Ex-Radsportprofi