Endlich wieder Ferien, endlich wieder verreisen – dahin wo die Sonne scheint und es warm ist. Einziger Nachteil: Da sind auch so viele andere Touristen. Obwohl sie genauso Urlaub machen wie wir, wollen wir genau das nicht. Warum nervt uns das so?

Die Deutschen verreisen gern, das ist bekannt. Auch 2016 wollen wieder fast 90 Prozent der Deutschen in den Urlaub fahren: gerne nach Spanien, Italien oder auch der Türkei. Idealerweise wären wir am liebsten allein da - ganz ohne die anderen Touris.

"Na, die Touristen habe ich doch auch hier. Die Leute von zu Hause muss ich im Urlaub nicht sehen. Wenn ich im Urlaub bin, dann will ich doch was anderes sehen.“
Passant in einer DRadio-Wissen-Umfrage

Im Urlaub wollen wir Neues kennenlernen, andere Kulturen und Lebensweisen. Nur wollen die restlichen Deutschen das leider auch alle. Laut dem Schweizer Soziologen Robert Schäfer ist der Tourismus deshalb "mit sich selber im Widerspruch".

"Wenn wir im Urlaub das Außeralltägliche und ganz Spezielle suchen, dann werden wir durch die anderen Touristen vom Alltag, vom gewöhnlichen Leben wieder eingeholt."
Robert Schäfer, Soziologe

Das Natürliche, das Exotische, das Aufregende und Wilde, oder auf der anderen Seite das Entspannende, das Beruhigende etc.: Bei unserer Reisevorstellung werden wir zu einem großen Teil von den klassischen Motiven aus der Romantik – also aus dem 19. Jahrhundert –inspiriert. Wir wollen an den Geheimtipp aus dem Lonley Planet glauben. Und um diesem Ort nahezukommen, hat so jeder so seine eigene Taktik:

"Ich gehe gerne viel zu Fuß und dann auch einfach mal irgendwie in eine Seitenstraße abbiegen, da findet man nimmer was Nettes, wo es auch nicht so voll ist."
Robert Schäfer, Soziologe

Auch AirBnB passt perfekt in diese Vorstellung vom authentischen Erlebnis. Wir bekommen einen Einblick in die Privatsphäre eines echten Einheimischen und dürfen uns so fühlen, als würden wir den Alltag leben in Madrid, Genua oder Istanbul. Schön, dass wir dabei nicht arbeiten müssen.

Geh mir aus dem Bild

Bei seinen Forschungen zum Thema Tourismus hat Schäfer vor ein großes Problem von uns Touris ausgemacht: Angkor Wat hätten wir gerne ohne die anderen Rucksackreisenden drauf, und das knutschende Pärchen vorm Eiffelturm soll auch nicht im Bild sein: "Das ist gerade deshalb nicht möglich, weil sehr viele andere Menschen das natürlich auch haben wollen. Das ist so eine Problematik, in der der Tourismus mit sich selber in Konflikt gerät."