Heute Köln, morgen Dortmund. Mittlerweile wechseln Trainer wie Peter Stöger während der Saison den Verein. Anders als viele Fans, hat Frank Wormuth, Leiter der DFB-Fußballlehrerausbildung, kein moralisches Problem mit dieser Entwicklung. Er versucht, angehende Übungsleiter schon während der Ausbildung auf das schnelllebige Geschäft vorzubereiten.

Es ist ein besonderes Duell: Am Freitagabend (02.02.2018) empfängt der 1. FC Köln in der Fußballbundesliga Borussia Dortmund. Es treffen zwei Vereine aufeinander, die zu den beliebtesten in Deutschland gehören, zwei Vereine, deren Hinrunde alles andere als optimal verlief - und zwei Vereine, die noch etwas verbindet: der Trainer.

Fliegender Wechsel ist Standard

Bis zum 3. Dezember 2017 war Peter Stöger Trainer des 1. FC Köln und verantwortete eine katastrophale Hinrunde: Ganze drei Punkte holten die Geißböcke nach 14 Spieltagen, dann zogen die Verantwortlichen die Reißleine: Stöger musste gehen und heuerte - knapp eine Woche später - bei Borussia Dortmund an, die sich gerade von ihrem Trainer Peter Bosz getrennt hatte. 

Nicht alle waren vom Seitenwechsel begeistert - vor allem, weil alles so schnell ging. Geht das? Einfach die rote Kappe des 1. FC Köln gegen die gelbe von Borussia Dortmund tauschen? 

Frank Wormuth ist Leiter der DFB-Fußballlehrerausbildung und ist bei dem Thema nicht sehr emotional. Es sei schon immer so gewesen, dass ein Trainer während einer Saison mehrere Vereine trainiert. 

"Ich sehe an einem Trainerwechsel in der Saison nichts Schlimmes, weil es einfach zu diesem Geschäft gehört."
Frank Wormuth, Leiter der DFB-Fußballlehrerausbildung

Schon während der Trainerausbildung sei den Kandidaten für die Seitenlinie bewusst, dass Fußball ein schnelllebiges Geschäft ist. Wer Trainer werden will, müsse also damit rechnen, dass er seinen Job sehr schnell wieder los sein kann - und sich dann sehr schnell auf ein neues Umfeld bei einem neuen Arbeitgeber einstellen können muss.

Frank Wormuth versucht, Trainer bei der Ausbildung Indikatoren an die Hand zu geben, so dass sie rechtzeitig erkennen: Die Stimmung im Verein kippt - ich muss gegensteuern. Dabei lernen angehende Trainer auch, wie sie mit Stress umgehen können. 

Ein Patentrezept hat Frank Wormuth für solche Fälle nicht zur Hand. Viel lieber diskutiert er im Kreis seiner Kandidaten: Was würdet ihr in so einer Situation machen? Er zieht auch einen Psychologen hinzu, der angehenden Trainern ein paar Gedankengänge aus der Wissenschaft für solche Fälle präsentiert. 

Neue Trainer haben es einfacher

Kürzlich hat Frank Wormuth mit einem Trainer, der um seinen Job fürchtete, folgendes Gedankenexperiment gemacht: Was würdest du tun, wenn du der neue Trainer in deinem Verein - also dein eigener Nachfolger - wärst? Die Folge: Der kriselnde Trainer sprühte auf einmal vor neuen Ideen. 

Frank Wormuth
© Imago | Jan Huebner
Muss den Nachwuchs auf ein schnelllebiges Geschäft vorbereiten: Frank Wormuth

Ein großes Problem für Trainer, die gerade in der Krise stecken: Sie haben Scheuklappen auf, schauen nicht mehr links und rechts, weil sie sich ständig mit den aktuellen Konflikten beschäftigen müssen. Aus diesem Grund haben es neue Trainer, die von außen kommen, immer einfacher. Sie kennen die Vorgeschichte im Verein nicht - eine Erklärung, warum ein neuer Trainer zu Beginn oft Erfolg hat. 

Dass sich das Trainerkarussell in absehbarer Zeit langsamer drehen wird, kann sich Frank Wormuth nicht vorstellen. Und der Trainerausbilder gibt zu, dass da zwei Herzen in seiner Brust schlagen: Er bildet jedes Jahr neue Fußballlehrer aus, die Arbeit suchen. Auf der anderen Seite sei ihm als ehemaliger Trainer auch klar: Wer einen Job ergattert hat, möchte ihn gerne behalten - und über einen längeren Zeitraum kontinuierlich arbeiten.