Jemand wird in der Bahn ausfallend und das Zugpersonal weiß direkt Bescheid, obwohl es gar nicht vor Ort ist? Könnte bald passieren. Mit einer Software, die das Verhalten von Fahrgästen automatisch einschätzt und wenn nötig meldet.

Eine Horde besoffener Fußballfans stürmt den Zug und wird ausfallend, ein Mitreisender schreit rum, weil ein anderer zu laut Musik hört, zwei Personen streiten sich um einen Sitzplatz - Das alles sind Situationen, bei denen in Zukunft eine Künstliche Intelligenz (KI) helfen soll.

Sensoren in den Waggons

Das Ganze funktioniert mithilfe von im Waggon verbauten Sensoren. Wenn es sehr laut wird oder sich jemand sehr schnell bewegt, kann die KI das über diese Sensoren erkennen und melden. Auch heute sind schon Sensoren in manchen Wagen verbaut. Sie zeigen zum Beispiel an, wo noch Sitzplätze frei sind.

"Wenn es plötzlich sehr laut wird, wenn schnelle Bewegungen zu spüren sind, dann schlägt die KI bei der Leitstelle der Bahn Alarm."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Die neuen Sensoren zum Erkennen von aggressivem Verhalten wurden von Siemens entwickelt. Das Unternehmen hat sie gemeinsam mit anderen Sensoren in neuen Bahnwaggons verbaut. Die ersten 23 Waggons dieser Art sollen in drei Jahren in Berlin und Brandenburg zum Einsatz kommen, im Regionalverkehr der Ostdeutschen Eisenbahngesellschaft (Odeg).

China testet autonome Züge

Wem das zu lange dauert, kann heute schon nach China reisen: Dort gibt es bereits voll automatisierte Bahnwaggons. Die China Railway Corporation (CRC) plant in der Zukunft sogar, Züge vollkommen autonom fahren zu lassen. Der "Fuxing Bullet Train" wird gerade schon auf Eisenbahnstrecken im Südosten des Landes getestet. Die Global Times berichtet, dass der "Bullet Train" zum Beispiel selbständig losfahren, Stationen ansteuern oder den Fahrplan einhalten kann.

"Die China Railway Corporation plant, Züge künftig völlig autonom fahren zu lassen. Da ist der ganze Zug eine rollende KI."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin
Ein Fuxing Bullet Train in Nanjing in China.
Ein Fuxing Bullet Train in Nanjing in China

"Trains with Brains" nennt die Tech-Szene diese autonomen Züge. Auch in Deutschland wird an solchen Projekten getüftelt: Der deutsche Bremssystem-Hersteller Knorr-Bremse soll an einem Projekt arbeiten, dass dem chinesischen Zug ähnelt. Vor Kurzem hat das Unternehmen rund zehn Millionen US-Dollar in ein israelisches Start-up investiert, das ein System entwickelt hat, das mit Video- und Infrarotkameras Hindernisse erkennen kann – eine wichtige Voraussetzung für autonome Züge.

"Vor allem China und Indien sind vorne mit dabei, siehe "Bullet Train". Das heißt: Europa und auch Deutschland müssen aufpassen, dass wir den Anschluss nicht verpassen."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Aktuell haben China und Indien die Nase vorn bei dem Thema, sagt unsere Reporterin Martina. Europäische und deutsche Hersteller könnten sich aber mithilfe von Produkten für die Bahn im Bereich der Digitaltechnik und KI von der Konkurrenz absetzen.

Das Hauptbild dieses Artikels (Hauptbahnhof Berlin) ist ein Symbolbild.