Carsharing, Fernbusse, Spartickets bei der Bahn oder Billigflieger: Wir haben heute viele Möglichkeiten, kostengünstig zu reisen. Unser Autor Lucas Rudolf wollte aber das Trampen ausprobieren und hat für uns den Daumen ausgestreckt.

Trampen – auf die Idee ist Lucas durch Freunde gekommen. Manche seiner Freunde trampen regelmäßig. Sein Freund Sebastian ist sogar die Hälfte seiner Reisezeit per Anhalter unterwegs. Daher will Lucas es auch mal mit dem Trampen probieren: einmal von Karsruhe nach Ulm. Im Ausland ist er schon öfter per Anhalter gereist – in Deutschland noch nie.

"Du stellst dich hin – manchmal dauert’s ne Minute, manchmal zehn. Ich würde sagen, im Schnitt stehe ich 15 Minuten, dann bin ich weg. Trampen ist ein ganz normales Fortbewegungsmittel und jeder sollte es mal ausprobieren."
Sebastian, 22, Freund von Autor Lucas

Ein paar Tipps, die Lucas vorab gesammelt hat: 

  • Freundlich wirken und lächeln – denn der Fahrer hat nur kurz Zeit, um zu entscheiden, ob er anhält. 
  • Auf die eigene Kleidung achten. Der Lieblingspulli mit Löchern und Flecken sollte eher im Rucksack bleiben. Dafür könnte der neue saubere Pulli eine Fahrt sichern.
  • Keine Sonnenbrille tragen - die Augen sollten zu sehen sein.

Daumen hoch als universelles Zeichen für Tramper

Der Reisetag beginnt am Morgen: Lucas stellt sich gegen neun Uhr mit einem Pappschild in der Hand an eine Straße nahe der Autobahn. Auf dem Schild steht: A8 STU / ULM. Dann macht er eine Geste, die sehr bekannt ist: Er hält den Daumen raus – das universelle Zeichen der Tramper. 

Das Schild zeigt er den vorbeifahrenden Autofahrern, damit diese gut sehen können, wo er hin will. Und Lucas hat Glück: Nach circa 15 Minuten hält ein Auto für ihn an. Der Autofahrer heißt Janosch, ist Mitte 30 und kann Lucas bist Stuttgart mitnehmen. 

"Ist schon auch interessant, interessehalber einfach mal über eine halbe Stunde oder Stunde zu merken: Was macht der Mensch eigentlich im Leben, was bewegt ihn dazu?"
Janosch, hat Lucas in seinem Auto mitgenommen

Janosch nimmt gerne Anhalter mit, wenn er Zeit dafür hat – für ihn ist es ein Blick über den Tellerrand. In kurzer Zeit lernt er so neue Menschen kennen – das kann eine intensive Erfahrung sein, denn zwei sich fremde Menschen sitzen zusammen auf kleinem Raum und müssen für einen bestimmten Zeitraum miteinander klarkommen.

Trampen ist nicht die schnellste Reise-Art – aber abenteuerlich

Janosch nimmt Lucas bis zu einer Raststätte bei Stuttgart mit – dort beginnt Lucas Suche von neuem, denn er will ja nach Ulm. Auf der Raststätte spricht er direkt Fahrerinnen und Fahrer an. Aber hier trifft er auch auf welche, die Vorbehalte dagegen haben, jemand Fremdes mitzunehmen. Eineinhalb Stunden steht er auf dem Parkplatz der Raststätte, bis ihn jemand anspricht: Gregor, er ist Anfang vierzig und kann Lucas bis nach Ulm mitnehmen.

"Es geht dann gar nicht so sehr ums Geld, sondern viele haben einfach Spaß am Trampen. Ist ja auch nicht jedermanns Sache, A: Sich hinzustellen um etwas zu bitten, nämlich, nimm mich bitte mit! Und das Zweite, dass man sich zu jemand Fremdem ins Auto setzt."
Gregor, hat Lucas in seinem Auto mitgenommen

Im erstem Moment hätte Lucas nicht erwartet, dass Gregor ihn mit seinem teuren Wagen mitnimmt. Aber Gregor glaubt, dass es ein bestimmter Schlag von Mensch ist, der trampt und Anhalter mitnimmt – für ihn sind das Abenteurer. Denen gehe es gar nicht so sehr ums Geld, sondern Tramper haben einfach Spaß am Trampen, sagt Gregor.

Trampen und Frauen

Per Anhalter zu reisen kann eine Herausforderung sein: Anhalter setzen sich zu einer fremden Person ins Auto – das Gleiche gilt für den Fahrer. Trotzdem: Gerade Frauen könnten beim Gedanken ans Trampen ein mulmiges Gefühl haben. 

Lucas hat sich daher beim Polizeipräsidium in Karlsruhe informiert: Dort wurde ihm gesagt, dass zumindest in dem Einzugsbereich des Polizeipräsidiums keinem Tramper oder Fahrer in den letzten Jahren etwas passiert sei.

"Ich weiß immer, ich kann 'Nein' sagen, wenn jemand anhält und mich einlädt, mitzufahren. Deswegen fühl ich mich eigentlich sehr sicher."
Lilja Liebert, 22, trampt regelmäßig

Lucas hat mit Lilja gesprochen: Sie ist 22 Jahre alt und reist regelmäßig per Anhalter. Lilja sagt, dass sie immer weiß, dass sie "Nein" sagen kann. Wenn ein Auto anhält, spricht sie kurz ein paar Worte mit der Person im Auto und fragt nach dem Namen und dem Ziel. Erst dann überlegt sie sich, ob sie einsteigt oder weiter wartet.

Per Anhalter zu reisen oder zu trampen ist vielleicht nicht für jeden etwas. Lucas sieht sein Experiment jedenfalls positiv: Für ihn ist es eine schöne Gelegenheit, andere Menschen kennen zu lernen und deren Geschichten zu hören. Wer trampen will, sollte allerdings keinen fixen Termin am Zielort haben: Lucas hat lange an der Raststätte gewartet und am Ende vier Stunden gebraucht, mit der Bahn wäre er die Strecke Karlsruhe - Ulm in zwei Stunden gereist.

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