Opfer von Gewaltverbrechen oder Katastrophen erleiden neben körperlichen oft auch seelische Wunden. Diese Traumata zeigen sich oft in ungewöhnlichen Symptomen. Wichtig sind dann vor allem Ruhe und ein stabiles, sicheres Umfeld.

Die Anschläge von Paris haben nicht nur viele Todesopfer gefordert. Zahlreiche Menschen waren Augenzeugen der Attentate. Was sie erlebt haben, versetzt sie seelisch in einen Ausnahmezustand. In dieser Situation ist vor allem Ruhe wichtig, sagt der Traumatherapeut Christian Lüdke, der auch schon nach den Anschlägen vom 11. September 2001 Angehörige betreut hat.

"Ganz wichtig ist, dass die Menschen sehr schnell stabilisiert werden. Dass sehr schnell Ruhe und Abstand hergestellt wird."
Christian Lüdke, Traumatherapeut

Ein Trauma, betont Christian Lüdke, sei aber erst mal keine Krankheit. Es äußert sich in seelischen Reaktionen auf ein extrem außergewöhnliches Erlebnis. Deshalb ist es wichtig, Opfer von Gewaltverbrechen so schnell wie möglich in eine sichere Umgebung zu bringen und ihnen vertraute Menschen zur Seite zu stellen.

Angehörige und Freunde müssen stark sein

Auch ein bester Freund oder eine beste Freundin können Halt geben, wenn sie selbst psychisch stabil sind. Wer neben Mitgefühl auch Stärke vermittelt und nicht gleich weinend vom Stuhl fällt, wenn die Betroffenen die schlimmsten Teile des Erlebten erzählen, kann viel zur Heilung beitragen. Denn diese Stärke vermittelt Hoffnung und die Zuversicht, irgendwann wieder in einen normalen Alltag zurückkehren zu können.

"Auch Fernsehbilder können traumatisierend wirken."
Christian Lüdke, Traumatherapeut

Ruhe und Abstand sollten sich auch Menschen gönnen, die sich in den Medien oder in sozialen Netzwerken über die Geschehnisse informieren. Wer sich permanent den grauenvollen Bildern aussetzt, läuft ebenfalls Gefahr, traumatisiert zu werden. Die Bilder führen dazu, dass das Schmerzzentrum im Gehirn permanent aktiviert wird. Das kann im schlimmsten Fall ebenfalls zu Angst und Schmerzen führen.