Korn steht eigentlich für deutsche Spießigkeit und Eckkneipe. Doch Korn ist schwer im Kommen und hat das Zeug, Gin als Szenegetränk unter den Spirituosen den Rang abzulaufen. Aber was macht einen guten Korn aus? Darüber haben wir mit einem echten Mann vom Fach gesprochen.

Eberhard Böcker aus Lüdinghausen brennt schon seit Jahren den klassischen, deutschen Korn. Natürlich freut er sich über den aktuellen Trend zu klaren, hochprozentigen Wässerchen und über neue Kunden.

"Gin hat einen Hype, der meines Erachtens nicht unbedingt berechtigt ist."
​Eberhard Böcker, Kornbrenner

In letzter Zeit kommen mehr und mehr junge Leute auf ihn zu mit vielen Anfragen und Sonderwünschen. Das sei prinzipiell schön, er will aber auch den Respekt vor dem Handwerk gewahrt wissen: "Die haben a) nicht die Kompetenz und wollen b) einen zukünftigen Trend abgreifen und einfach vorne sein." Kornbrennen, so Böcker, ist eine über 500 Jahre alte Kunst - und das Ergebnis im Idealfall so einfach wie gut: Beherrscht der Brenner sein Handwerk, dann kommt am Ende einfach nur guter Korn heraus, sagt er

"Mit was würden Sie denn Korn mixen?" - "Gar nicht."

Ganz klar, Korn mit anderen Getränken zu mixen, das kommt für Eberhard Böcker nicht in Frage:

"Wenn sie Korn mit gelben oder schwarzen, zuckerhaltigen Lösungen mischen, da verdrängt der Zucker den Alkoholgeschmack. Das wirkt milde, hat aber nichts mehr mit dem Korn zu tun."
​Eberhard Böcker, Kornbrenner

Korn gehört wie Whiskey oder Cognac pur getrunken, sagt Böcker, erst dann entfaltet er seine Aromen. Seinen Traum vom Korn beschreibt er so: "Ganz einfach: Der steht vor mir auf der Theke, lächelt mich dann weiß oder gelb an. Und dann ist wichtig für mich, gekühlt wie ein Rotwein bei 12 bis 16 Grad oder zimmerwarm. Und dann lass ich da auch Luft drankommen wie bei einem Cognac."

"Und dann trink ich den, aber kipp den nicht auf einmal runter, sondern beiß den ein- bis zweimal durch, weil ich von diesem Getränk einfach mehr haben will."
​Eberhard Böcker, Kornbrenner

Die Grundvoraussetzung für einen guten Korn ist gutes Ausgangsmaterial, sagt Böcker: "Es gibt nur fünf Getreidearten, die man nehmen darf: Weizen, Roggen, Buchweizen, Hafer und Gerste." Das Getreide muss gereinigt und frei von Unkrautsamen, Getreiderückständen und Staubrückständen sein. Ansonsten, so warnt Böcker, ist der reine Korngeschmack in Gefahr.

"Dann packen sie eine bestimmte Hefe dazu. Man kann Backhefe nehmen oder eigens dafür gezüchtete, die dann ein eigenes Aroma entfaltet."
​Eberhard Böcker, Kornbrenner

Anschließend wird das Ganze zur Gärung gebracht. Dann kommt ein gutes Wasser dazu, das zu der Getreideart passen muss. Weiche Wasser passen gut zu Roggen, härtere Wasser gut zu Weizen, so Böcker. Dann wird alles ins Fass gepackt, wo es natürlich altert und dann freut man sich auf ein natürliches Produkt, so Böcker.