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Der Kuckuck macht es schlau: Er versteckt seinen Nachwuchs im Nest anderer Vögel. Damit hat sich das Sorgerecht für ihn erledigt. Es gibt allerdings einen Vogel, der hat den Trick noch perfektioniert: der Witwenvogel. Er versteckt den Nachwuchs nicht nur unter fremden Federn – er passt sich ihnen auch an.

Er sieht aus wie eine harmlose Mischung aus Spatz und Buchfink, hat es aber faustdick hinter den Ohren: Der Witwenvogel gehört zu der Familie der Sperlingsvögel und kommt nur im südlichen Afrika vor. Wie der Kuckuck versteckt auch der Witwenvogel seine Eier in fremden Nestern. Dabei geht er aber sehr viel taktischer vor.

"Im Gegensatz zu unserem Kuckuck haben sich die Witwenvogelarten fast immer nur auf eine einzige Wirtsvogelart spezialisiert – und zwar immer auf eine oder maximal zwei bestimmte Prachtfinkenarten."
Mario Ludwig, Biologe

Während der Kuckuck hierzulande über 40 Arten von Wirtsvögeln hat, denen er seine Eier unterjubeln kann, haben sich die einzelnen Witwenvogelarten jeweils auf ein bis maximal zwei Prachtfinkenarten spezialisiert.

Meister der Imitation

Das hat seinen Grund: Wie der Kuckuck kann der Witwenvogel seine Eier farblich an die seiner Wirtsvögel anpassen – je nachdem, welchen Vogeleltern die Aufzucht des eigenen Nachwuchses übertragen werden soll, erklärt Biologe Mario Ludwig. Damit hört beim Witwenvogel die Imitation aber noch nicht auf. Auch der geschlüpfte Nachwuchs ist an den Nachwuchs der Wirtsvogelart angepasst, auf die er sich spezialisiert hat.

Zwei Zebrafinken sitzen auf dem Boden
© Imago Images | Chromorange
Der Witwenvogel erschleicht sich gern ein Platz im Nest der Zebrafinken.

Die geschlüpften Küken ähneln optisch geradezu verblüffend ihren Stiefgeschwistern, sagt Mario Ludwig. Sie haben das gleiche Federkleid, die gleiche Rachenzeichnung und die gleichen Schnabelrandwülste wie die jungen Prachtfinken.

Aber auch akustisch gibt es kaum einen Unterschied: Die Pflegeküken imitieren auch die Laute ihrer Stiefgeschwister. Selbst, wenn die jungen Witwenvögel ausgewachsen sind, lässt sich am Gesang der Männchen noch erkennen, von welchen Stiefeltern sie aufgezogen wurden.

"Witwenvögel sind beim Eiaustausch weniger brutal als Kuckucke. Sie werfen kein Ei des Wirtsvogels aus dem Nest. Sie hoffen einfach, dass das zusätzliche Ei nicht auffällt."
Mario Ludwig, Biologe

Der Witwenvogel hat seine Imitation perfektioniert, geht aber weniger brutal vor als die Kuckucke. Während das Kuckucksweibchen ein Ei des Wirtsvogels herauswirft und an dessen Stelle ihr eigenes platziert, hofft der Witwenvogel ganz einfach, dass sein zusätzliche Ei nicht auffällt.

Im Gegensatz zum Kuckuck wirft der frisch geschlüpfte Witwenvogel seine Stiefgeschwister auch nicht aus dem Nest, um die Fürsorge seiner Stiefeltern für sich allein zu haben, erklärt Mario Ludwig. Er ist nur etwas größer und bettelt intensiver um Nahrung als der Rest der Küken.

Die Gegenwehr des Prachtfinken

Aber auch die unfreiwilligen Leiheltern haben sich einen Trick überlegt, um keine fremden Eier großziehen zu müssen. Zumindest einige afrikanische Prachtfinken legen ein sogenanntes Hahnennest an. Das ist ein Neben-Nest, das Brutparasiten wie die Witwenvögel in die Irre führen soll, erklärt Mario Ludwig.

Das Hahnennest wird meistens über dem eigentlichen Nest angelegt, so dass die Witwenvögel ihre Eier in das falsche Nest legen. Es gibt allerdings auch Wissenschaftler, die der Meinung sind, dass das Hahnennest ein völlig funktionsloses Gebilde ist, so der Biologe.