Donald Trump hat nicht nur den Atomkoffer von seinem Vorgänger übernommen, sondern auch den schönen Twitter-Account @potus - "President of the United States". Trumps PR-Chefin hat derweil für Unwahrheiten die schöne Formulierung "alternative facts" geprägt. Das Netz lacht sich kaputt.

Praktischerweise durfte Trump mit dem Account @potus auch gleich die rund 14 Millionen Follower übernehmen. Denn @potus ist wie @pontifex ein offizieller Amts-Account, kein persönlicher. Das Transition Team, das den Wechsel vom 44. zum 45. US-Präsidenten organisiert hat, hatte das mit Twitter so abgesprochen: Die bisherigen @potus-Follower bleiben dem Account erhalten und wurden gleichzeitig zu @potus44 migriert, zusammen übrigens mit der Timeline, mit den Tweets.

Dabei gab es aber doch noch eine Panne, für die sich Twitter-Chef Jack Dorsey dann auch höchstpersönlich entschuldigt hat: Wer nämlich schon nach der Umstellung am Freitag neu dem @potus44, also Obama "folgen" wollte, wurde versehentlich auch zusätzlich bei @potus, also Trump eingetragen.

Donald Trump wird seinen eigenen Account @realdonaldtrump definitiv behalten und dort weiter twittern. Für @potus gibt es den Social Media-Beauftragten Dan Scavino. Mit 16 Jahren begegnete er zum ersten Mal Donald Trump. Damals war Dan Scavino Caddy in einem Golfclub. Später hat Trump ihn zuerst zum Manager dieses Golfclubs gemacht und danach zu seinem Berater.

"Scavino hat sich auf seinem eigenen Account bislang vor allem durch verschwörungstheoretische Retweets profiliert, zum Beispiel: "9/11 war eine Inszenierung" oder "Michelle Obama ist ein Mann"."
Michael Gessat, DRadio-Wissen-Netzreporter

Der Start von @potus war auch gleich etwas durchwachsen - Trump fühle sich geehrt, dem amerikanischen Volk zu dienen, liest man da - allerdings "honered" statt "honored" geschrieben. Und dann die Super-Panne: Das Headlinebild zeigte fahnenschwenkende Menschen vor dem Weißen Haus. Das Foto stammte allerdings von Obamas Amtseinführung 2009.

Statt Lügen: Alternative Fakten

Auch sonst läuft die Kommunikation mit den Medien alles andere als glatt: Trumps Sprecher Sean Spicer hatte in seiner ersten Pressekonferenz behauptet, die Jubelmenge in Washington sei die größte jemals gewesen und die Medien würden das leugnen. Als die Medien das per Foto-Vergleich widerlegten, fand Trumps PR-Chefin Kellyanne Conway die schöne Formulierung, Spicer hätte nicht die Unwahrheit, sondern "alternative facts" präsentiert.

Beides ist ein epischer Meme in den Social Media – unzählige Verballhornungen der Statements von Spicer mit dem "Basta!" am Schluss ("Period"), und der Hashtag #alternativefacts boostet geradezu. Das Wörterbuch MerriamWebster hat dazu direkt noch mal eine Definition ins Netz gestellt, was "Fakten" sind.

"Es ist sehr lustig: Einerseits will Trump ja offenbar Twitter als Alternative-Channel an den Medien vorbei benutzen, andererseits wird auf Twitter massiv zurückgeschlagen, werden Lügen viral enttarnt und lächerlich gemacht."
Michael Gessat, DRadio-Wissen-Netzreporter