Ein türkisches Gericht hat der Internet-Hotelplattform booking.com sämtliche Aktivitäten in der Türkei verboten. Der Vorwurf: Wettbewerbsverzerrung. Wir sprechen mit Luise Sammann in Istanbul darüber, was diese Klage für den bereits angeschlagenen Tourismus in der Türkei bedeutet.

Die Vereinigung türkischer Reisebüros (Türsab) war bereits 2015 vor Gericht gezogen. Die Initiative kommt also aus der türkischen Tourismusbranche. Es geht dabei um den Vorwurf der Wettbewerbsverzerrung. Der Grund: In der Türkei gibt es ein Gesetz, das vorsieht, dass nur Reiseagenturen Hotels vermitteln dürfen. Booking.com aber ist eine Internetplattform und keine Agentur und darum hat ein Gericht die Aktivitäten des Buchungsportals jetzt verboten.

Booking.com ist ein niederländisches Unternehmen. Da die Klage aber von 2015 ist, hat sie erstmal nichts mit den aktuellen Spannungen oder abgesagten Ministerauftritten in den Niederlanden zu tun.

"Das Ganze wird bestimmt nicht helfen, um die angeschlagenen türkisch-niederländischen Beziehungen zu kitten."
Luise Samman,Türkeikorrespondentin

Mit dem Urteil ist für Türsab der wichtigste Konkurrent aus dem Rennen geworfen. Bei vielen Menschen in der Türkei hingegen ist Booking.com beliebt. Hotelbesitzer stehen der Plattform und dem Urteil mit geteilter Meinung gegenüber: Einerseits hatte Booking.com eine ziemliche Marktmacht und kostet die Hotelbesitzer 15 bis 18 Prozent einer Buchung. Gleichzeitig haben viele Hoteliers jetzt Angst, dass durch das Verbot viele Buchungen ganz ausbleiben.

"Im Moment müsste eigentlich schon der Ostertourismus losgehen, aber man sieht keine Europäer hier auf den Straßen."
Luise Samman, Türkeikorrespondentin

Tourismus in der Klemme

Die türkische Tourismusindustrie erlebt derzeit die größte Katastrophe seit langem. Terroranschläge durch den IS, die PKK oder auch der Putschversuch im vergangenen Jahr und die darauffolgende Politik von Präsident Recep Tayyip Erdogan - all das hat dazu beigetragen, dass deutlich weniger Touristen in die Türkei reisen. Unsere Korrespondentin Luise Samman berichtet, dass zum Beispiel in der Istanbuler Altstadt, rund um die Blaue Moschee, gerade reihenweise Hotels und Läden schließen.

"Es sind ja nicht nur die Hotels, die Restaurants, sondern auch die Zulieferer, die Reinigungen - also eine ganz lange Reihe an Menschen, die davon betroffen sind."
Luise Samman, Türkeikorrespondentin