Seit er in einer südkoreanischen Talkshow erklärt, wie Altersvorsorge oder das Heiraten in Deutschland funktionieren, ist Daniel Lindemann für die Koreaner Deutschland und kann sich vor kreischenden Mädchen auf der Straße nicht mehr retten.

Daniel Lindemann ist ein Star im koreanischen Kabelfernsehen JTBC. Jeden Montagabend gegen 23 Uhr diskutiert er mit elf anderen jungen Männern über die Vorzüge seiner und ihrer Heimat. Die Sendung heißt auf Deutsch in etwa "Anomales Gipfeltreffen", bei dem es beispielsweise ums Heiraten oder um Diskriminierung geht. Die teilweise sehr ernsten Themen wie Altersvorsorge werden ausführlich diskutiert und mit Statistiken und Studien untermauert.

"Ich repräsentiere Deutschland, daher versuche ich so objektiv wie möglich zu bleiben."
Daniel Lindemann, TV-Star in Südkorea

Bei diesem "Gipfeltreffen" vertritt Daniel Deutschland quasi wie ein Botschafter. Manchmal empfinde er das inzwischen als Last. Gerade bei den ernsten Themen versuche er, seine Aussagen immer mit Fakten zu belegen. "Aber wir diskutieren auch über Themen, bei denen wir unsere eigene Meinung äußern", sagt Daniel. Und da müsse er aufpassen, dass er nicht zu locker werde, auch wenn er in einer Entertainment-Sendung sitze.

"Man merkt schon, dass man in einem gewissen Sinne mit Deutschland gleichgestellt wird."
Daniel Lindemann, TV-Star in Südkorea

Keine seichte Labersendung

Daniel scheut sich nicht, schwierige Themen anzusprechen. Zum Beispiel hat er sich kritisch über die geringe Aufklärung in Südkorea über Nazi-Deutschland und Adolf Hitler geäußert. Seine Äußerung während der Sendung zum Thema Diskriminierung sei positiv von der Presse aufgenommen worden und er fand sich in den Schlagzeilen wieder: "Die Deutschen können die Fehler ihres Landes zugeben".

"Wir haben als Deutsche in Korea immer einen Stein im Brett."
Daniel Lindemann, TV-Star in Südkorea

Die Sendung hat inzwischen eine große Reichweite erlangt. Millionen
Zuschauer verfolgen die Talkshow. Daniel ist so populär in Südkorea, dass er keine öffentlichen Verkehrsmittel mehr benutzen kann. Der Hype um die Sendung ist derart groß, dass Daniel sein Studium derzeit ruhen lässt und hauptberuflich Fernsehstar ist.

Fließend Koreanisch

Daniel kommt aus Langefeld und ist 29 Jahre alt. Seit seinem 16. Geburtstag interessiert er sich für Korea. Damals begann er mit Taekwondo. Seit 2006 studiert er Koreanisch an der Universität in Bonn. 2008 ging er als Austauschstudent nach Seoul und kehrte 2010 für ein Masterstudium zurück in die südkoreanische Hauptstadt. Im Frühjahr 2014 wurde er zu einem Casting für die Talkshow eingeladen.

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