Seit Frühjahr 2015 twittern Johannes Filous und Alexej Hock über rechte Veranstaltungen in Sachsen. Jetzt wollen sie ein Informationsportal aufbauen.

Auslöser für Johannes Filous und Alexej Hock war ein Ereignis in Dresden, bei dem nach einer Pegida-Veranstaltung eine Gruppe das Flüchtlingscamp vor der Semperoper versuchte zu attackieren. Johannes und Alexej waren davon so erschüttert, dass sie beschlossen, solche Ereignisse möglichst breit in die Öffentlichkeit zu streuen. "Es kann nicht ungesehen passieren. Wir wollten auch anderen Menschen diese Stimmung beschreiben, die nicht in Dresden waren", sagt Johannes.

"So eine Verletzung der Menschenwürde muss gezeigt werden und muss einen öffentlichen Rahmen bekommen."
Johannes Filous, "Straßengezwitscher"

Die Reaktionen auf die Socia-Media-Aktion reichen von gewalttätigen Übergriffen auf Demonstrationen über Drohungen im Netz bis hin zum "Preis für Zivilcourage". Bei der Jahresdemo von Pegida in Dresden am 19. Oktober 2015 wurde Alexej in den Rücken getreten. Bei einer anderen Veranstaltung wurden sie von einer Gruppe Hooligans mit Böllern beworfen, die eine kleine Anti-Demo-Gruppe am Rand ausmachte, in der Johannes und Alexej standen.

Doch die beiden lassen sich von den Drohungen nicht einschüchtern. "Für das, was wir machen, darf man sich nicht verstecken müssen. Wenn wir in einer Gesellschaft leben, in der man sich dafür schon verstecken muss, dann ist schon viel kaputt", sagt Johannes.

"Am besten hilft, grimmig zu gucken und unzufrieden auszusehen. Das ist die beste Methode nicht aufzufallen."
Johannes Filous, "Straßengezwitscher"

Zur eigenen Sicherheit versucht Johannes in der Menge zu verschwinden und twittert beispielsweise nicht sofort vor Ort, sondern versieht die Tweets mit einem Zeitstempel. Bei den Demonstrationen oder Kundgebungen treffen unterschiedliche Gruppierungen aufeinander wie Kameradschaften, Hooligans oder ältere Menschen, die meist eine generelle Unzufriedenheit mit der Politik zum Ausdruck bringen möchten.

"Wir schauen uns an, was auf den Demonstrationen und an den Rändern passiert und geben das 1:1 wieder vor Ort."
Johannes Filous, "Straßengezwitscher"

Wichtig ist den beiden "Neutralität in der Sprache", das "bedeutet für uns vor allem, präzise zu arbeiten, eine Situation so genau wie möglich zu beschreiben, um möglichst keinen Interpretationsspielraum lassen", erklärt Johannes. Ebenso vermeiden sie Wertungen. Dabei helfe Twitter als Medium, weil sie mit nur 140 Zeichen ein Situation schildern müssen.

"Wir bilden einfach ab, was wir sehen."
Johannes Filous, Straßengezwitscher

"Straßengezwitscher" ist inzwischen auch ein Crowdfunding-Projekt, mithilfe dessen ein Informationsportal aufgebaut werden soll. Dafür wollen sie auch mit anderen Twitterern kooperieren, die bei rechten Veranstaltungen dabei sind, um so möglichst viele Veranstaltungen abzubilden.