Über 80 Städte in Polen haben sich zur sogenannten LGBT-freien Zone erklärt. Das hat vor allem symbolischen Charakter. Das heißt: Veranstaltungen von Schwulen, Lesbischen, Bi- und Transsexuellen sollen nicht gefördert werden.

Die Stadträte der Gemeinden haben den Beschluss gefasst: "Wir sind LGTB-freie Zone". Das hat zunächst symbolische Bedeutung, sagt Florian Kellermann, Dlf-Korrespondent in Warschau. Die Kommunen wollen damit zum Ausdruck bringen, dass sie mit der "Propaganda für Homosexualismus" - wie rechtsextreme Kreise es nennen - nichts zu tun haben wollen.

Nur die "natürliche und traditionelle Familie" solle in diesen Städten eine Heimat haben, beschreibt Florian Kellermann die Beschlüsse dieser Kommunen. Die Beschlüsse könnten aber auch eine praktische Bedeutung bekommen: Dann, wenn Veranstaltungen aufgrund solcher Beschlüsse verboten werden.

Nur Polens Großstädte sind liberaler geworden

Die entsprechenden Politiker behaupten, das Ganze richte sich gar nicht gegen die betroffenen Angehörigen der LGBT-Community, sondern gegen eine Ideologie, die sie vertreten. Aber schon der Begriff Ideologie, ist das falsche Wort, sagt Florian Kellermann. Die Politiker verweigern sich von vornherein einer sexuellen Aufklärung und Offenheit.

"Aber Ideologie ist das falsche Wort. Was sie damit meinen: Wenn jemand darüber aufklären möchte, dass es noch andere Formen von Sexualität gibt, dann ist es für diese Politiker schon Ideologie."
Florian Kellermann, Dlf-Korrespondent in Warschau

Diese Beschlüsse von Stadt- und Gemeinderäten verändern die Debatte in Polen enorm und könnten sie um viele Jahre zurückwerfen, sagt beispielsweise der Soziologe Marek Troszynski. "Mehrerer Juristen glauben, dass diese LGBT-freien Zonen der polnischen Verfassung widersprechen."

"Das ändert den Diskurs erheblich. Darauf können sich andere berufen und sagen: Ich darf gegen Schwule sein, schließlich hat unser Gemeinderat das beschlossen."

Diese Angst vor der Homosexualität kommt vor allem aus der katholischen Kirche und dessen erzkonservativem Flügel, der in Polen immer mehr die Oberhand gewinnt, sagt Florian Kellermann. Vorreiter ist der Erzbischof von Krakau, Marek Jedraszewski, der die LGBT-Community in einer Predigt sogar als "Regenbogen-Seuche" bezeichnet hat.

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Außerdem will die rechtskonservative Regierungspartei PiS, die in Polen seit über vier Jahren regiert, das Land konservativer machen. Die PiS hat die LGBT-Community vor ungefähr einem Jahr als ihren Hauptfeind auserkoren. Sie wollen sich damit von westlichen EU-Ländern abgrenzen, wo Kinder angeblich viel zu früh mit Fragen der Sexualität konfrontiert werden.

Ein Abgeordneter der PiS im Stadtrat in Lesno in Nordpolen, Adam Kosmider, hat das so formuliert: "Die Kinder sollen ihre unbeschwerte Kindheit behalten. Ich will ihnen nicht ihre Spielsachen wegnehmen und ihre Märchen, um das mit dem Thema zu ersetzen, auf das sie heute überall treffen."

Konservativer Süden Polens

Diese LGBT-freien Gemeinden haben sich vor allem im Osten und Süden von Polen verbreitet, wo die Menschen am konservativsten sind und auch die PiS am meisten Stimmen bekommt. Allerdings breitet sich das von dort so langsam aus.

Der Künstler Przemek Branas, der selbst aus einer kleinen Stadt in Ostpolen stammt, hat zu den LGBT-freien Zonen gesagt: "Das ist schon empörend, wenn du hörst, dass die Vertreter der Stadt, wo du gewohnt hast, so etwas beschließen, so etwas Unmenschliches."

"Letztlich geht es darum, die Probleme der LGBTQ-Community ins Private zu verdrängen, öffentlich soll darüber nicht mehr gesprochen werden. Wir sollen so tun, als gäbe es diese Probleme einfach nicht."

Für Angehörige der LGBT-Community sind diese LGBT-freien Zonen eine Katastrophe, sagt Florian Kellermann. Sie hatten gehofft, dass die polnische Gesellschaft mit den Jahren immer liberaler wird. Aber das ist nur in den Großstädten passiert. In der Provinz gibt es diese Gegenbewegung, die es Homosexuellen noch schwerer macht.