Wenn es um sexuellen Missbrauch geht, denken wir meist an männliche Täter: Priester, Sporttrainer, Onkel oder Väter. Fakt ist: Männer dominieren klar die Kriminalitätsstatistik, wenn es um den Missbrauch von Kindern und Jugendlichen geht. Doch auch Frauen missbrauchen.

Das Institut für Sexualforschung des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) hat untersucht, wie hoch der Anteil von Frauen ist, die sexualisierte Gewalt ausüben. Die unabhängige Kommission zur Aufklärung des sexuellen Kindesmissbrauchs hat erstmals umfassende Forschung dazu finanziert.

In dieser Folge erzählt Tim (Name geändert), was ihm im Grundschulalter passiert ist. Eine Kinderbetreuerin hat ihn und andere Jungs über viele Monate missbraucht.

"Ich musste sie im Nebenraum befriedigen."
Tim (Name geändert) wurde im Grundschulalter Opfer einer Betreuerin

Die junge Frau hatte als Mitglied einer christlichen Gemeinde auf die Kinder aufpassen sollen – und diese Situation ausgenutzt.

Pädophilie bisher Männerbesetzt

Safiye Tozdan forscht zu Missbrauch durch Frauen. Sie und das Forschungsteam haben online 212 Opfer von Täterinnen befragt. In dieser Folge berichtet sie von den Ergebnissen. Gezeigt hat sich, dass Täterinnen – ähnlich wie männliche Täter – meist aus dem nahen Umfeld der Opfer kamen.

"Mütter und Frauen gelten als unsere Beschützerinnen. Diesen Mythos müssen wir hinterfragen – so schwer das fällt."
Safiye Tozdan, Psychologin, UKE Hamburg

Die Forschenden gehen bisher davon aus, dass die Hemmschwelle, Frauen anzuzeigen, deutlich höher ist. Männer beschönigen zudem Übergriffe eher als sexuelle Erfahrung, etwa mit einer älteren Frau. Betroffenen wird oft erst im Erwachsenenalter klar, dass es einen Missbrauch gegeben hat.

"Wir brauchen Präventionsangebote, die sich explizit an Frauen richten."
Safiye Tozdan, Psychologin, UKE Hamburg

Hilfeseite

Wenn ihr von sexualisierter Gewalt betroffen seid, könnt ihr euch Hilfe über das Portal Sexueller Missbrauch holen oder unter der Telefonnummer 0800 – 22 555 30 kostenfrei anrufen.