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Früher haben Frauen mithilfe von Krallenfröschen erfahren, ob sie schwanger waren oder nicht. Nach der Einführung des immunologischen Schwangerschaftstests hat man die Frösche nicht mehr gebraucht und in die Natur freigelassen – mit Folgen für die Umwelt.

Wenn eine Frau wissen wollte, ob sie schwanger war, wurde noch bis in die 60er Jahre hinein ihr Urin einem Krallenfrosch unter die Haut gespritzt. Wenn die im Urin enthaltenen Hormone beim weiblichen Frosch einen Eisprung auslösten, sie also Laich ablegten, oder die Männchen eine bestimmte Reaktion zeigten, war klar: Schwangerschaftstest positiv. Deshalb wurde der Krallenfrosch auch Apothekerfrosch genannt.

"Wenn eine Frau früher nicht wusste ob sie schwanger war, ob sie „guter Hoffnung“ war, wie das damals hieß, dann hat sie tatsächlich zum Krallenfrosch gegriffen."
Mario Ludwig, Biologe

Das Problem: Die Froschart kommt nur südlich von der Sahara vor. So wurden in den 1930er und 1940er Jahren Millionen von Krallenfröschen als lebendes Test-Kit aus Afrika nach Europa, Australien, Asien und Nordamerika exportiert, berichtet der Biologe Mario Ludwig. In Afrika führte das dazu, dass der Krallenfrosch fast ausstarb und man begann den Frosch im Labor nachzuzüchten.

Mit der Erfindung des immunologischen Schwangerschaftstests wurden die Krallenfrösche in Europa plötzlich nicht mehr gebraucht und einfach in die freie Natur entlassen. Das führt bis heute zu Bedrohungen von vielen Amphibienarten – und es könnte noch schlimmer kommen, wie Studien prognostizieren.

Überträger gefährlicher Krankheiten

Krallenfrösche fressen beispielsweise den heimischen Fröschen die Nahrung weg. Sie sind zudem größer und robuster als heimische Froscharten und haben – anders als auf dem afrikanischen Kontinent – bei uns keine Fressfeinde.

"Anders als in ihrer alten Heimat Afrika, wo sie von Schlangen, Vögeln und Fischen gejagt werden, haben die Krallenfrösche in Europa kaum natürliche Feinde."
Mario Ludwig, Biologe

Ein viel größeres Problem stellt allerdings die Übertragung des Chytridpilzes durch die Krallenfrösche dar. Dieser ist eine der Hauptursachen für das weltweite Amphibiensterben. Der Chytridpilz ist laut einer internationalen Studie von 2019 für den Bestandsrückgang von mehr als 500 Amphibienarten und das Aussterben von 90 Arten verantwortlich. Dem Krallenfrosch selbst schadet der Pilz nicht.

Europa als geeignetes Ausbreitungsgebiet

Verbreitet haben sich die Tiere mittlerweile in Nord- und Südamerika, Japan, Sizilien, England, Portugal und Frankreich. Das könnte laut der aktuellen Forschung aber erst der Anfang einer großen Invasion sein, sagt Mario Ludwig. Die Frösche verbreiten sich beispielsweise leicht über Flusssysteme.

"Mittlerweile gibt es Krallenfrosch-Populationen in Nord- und Südamerika, Japan, Sizilien, England, Portugal und Frankreich."
Mario Ludwig, Biologe

Forschende des Leibnitz-Instituts für Biodiversität haben mit einer neuen Methodik berechnet, wie hoch das "invasive Potential" der Frösche ist. Dazu haben sie das Programm "Species Distribution Modelling" verwendet, das nach Eingabe ausgewählter Daten bestimmen kann, welche geographischen Gebiete sich aufgrund der Umweltbedingungen für die Ausbreitung der Tiere eignen könnten.

Heraus kam, dass sich in Europa fast zwei Millionen Quadratkilometer für den Krallenfrosch eignen würden. Das entspricht etwa sechs Mal der Fläche von Deutschland. Vor allem in natürlich warmen Gebieten wie West- und Südeuropa kann sich der Krallenfrosch gut ansiedeln. Aber auch das Oberrheingebiet in Deutschland ist eine potentielle Heimat.