Für das Spiel Deutschland gegen Ungarn wird derzeit diskutiert, ob die Allianzarena während des Spiels in Regenbogenfarben leuchten darf, um ein Zeichen gegen die diskriminierenden Gesetze der ungarischen Regierung zu setzen.

Während sonst vor Deutschlandspielen eher über die mögliche Aufstellung der Nationalmannschaft diskutiert wird, steht dieses Mal ein anderes Thema im Mittelpunkt: Die Stadt München möchte am Mittwoch (23.06.2021) beim Spiel Deutschland gegen Ungarn ein Zeichen gegen Homo- und Transfeindlichkeit setzen, indem die Münchner Allianzarena in Regenbogenfarben erleuchten soll.

In einem offenen Brief an die UEFA bittet Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter deshalb die UEFA "während des Spiels eine Beleuchtung der Arena in Regenbogenfarben zu ermöglichen und so weiterhin ein sichtbares Signal für unser gemeinsames Werteverständnis zu senden."

Zuvor gab es bereits Diskussionen um die Regenbogen-Kapitänsbinde, die Manuel Neuer während der letzten Spiele getragen hatte. Von einer Anzeige hat die UEFA aber abgesehen, da Manuel Neuer damit ein Zeichen für eine gute Sache gesetzt habe, so die UEFA.

Manuel Neuer trägt beim EM-Spiel gegen Portugal eine Kapitänsbinde in Regenbogenfarben (19. Juni 2021)
© picture alliance I ASSOCIATED PRESS | Philipp Guelland
Torwart Manuel Neuer mit Regenbogen-Kapitänsbinde

Während politische Botschaften bei der EM verboten sind, begrüße es die UEFA beispielsweise durchaus, wenn sich Spieler vor einem Spiel knien, um damit auf Diskriminierung und Rassismus aufmerksam zu machen. Wie sie aber im Fall der Regenbogen-Beleuchtung entscheiden wird, ist nur schwer vorherzusagen, sagt Matthias Friebe aus der Dlf-Sportredaktion.

Gegen transfeindliche Gesetze in Ungarn

Dieter Reiter bezieht sich in seinem Brief an die UEFA ganz explizit auf die vom ungarischen Parlament abgeänderten Gesetze vom 15. Juni dieses Jahres. Dabei ging es darum, dass Kinder und Jugendliche in Ungarn von nun an nicht mehr über Homosexualität, Transsexualität oder Geschlechtsumwandlungen aufgeklärt werden dürfen.

Nun laufen im Hintergrund die Gespräche mit der Stadt München, dem DFB und den entscheidenden Köpfen hinter der UEFA wie beispielsweise dem UEFA-Präsidenten Aleksander Ceferin. Matthias Friebe kann sich derzeit noch beide Szenarien vorstellen: Die UEFA könnte wie bei der Regenbogenbinde von Manuel Neuer die Beleuchtung erlauben, sie könnte aber auch mit einem Verbot reagieren, wenn sie die Beleuchtung als ein konkret politisches Zeichen deutet.

Die Chance der UEFA für mehr Glaubwürdigkeit

Für Matthias Friebe sei eine Erlaubnis der Regenbogenfarben längst überfällig. Denn auch für die Viertel- und Achtelfinale seien wieder Werbespots der UEFA gegen Rassismus und für mehr Diversität geplant. Ein Verbot lasse diese Spots als hohle Phrasen im Raum stehen.

"Ich finde, das ist jetzt ein guter Moment, um zu zeigen, dass die ganzen Kampagnen für Diversität und gegen Rassismus, die rauf und runter laufen, mehr als hohle Phrasen sind und auch mit Leben gefüllt werden."
Matthias Friebe, Dlf-Sportredaktion

Denn auch die Frage, wie die UEFA mit Rassismus umgeht, ist bei dieser EM präsenter denn je. Auch hier stehen nämlich derzeit die Fans der ungarischen Nationalmannschaft in der Kritik.

Rassismus in Budapest

Bei Spielen der ungarischen Nationalelf in Budapest gegen Frankreich und zuvor gegen Portugal soll es zu rassistischen Beschimpfungen einzelner Spieler gekommen sein. Affenlaute sollen zu hören gewesen sein, so Matthias Friebe. "Es sollen auch einige beleidigende Worte gefallen sein."

In dem voll besetzten Fußball-Stadion, wie es in Budapest trotz der Coronapandemie der Fall ist, sollen die Beleidigungen teils schwer zu hören gewesen sein. Im Stadion saßen bei beiden Spielen zehntausende Fußball-Fans. Reporter und Reporterinnen hatten aber über die rassistischen Vorfälle berichtet.

Solche rassistischen Vorfälle können zum Abbruch eines Spiels führen, so Matthias Friebe. Doch dafür müsse zum einen der Schiedsrichter oder die Schiedsrichterin die Anfeindungen mitbekommen. In Budapest war das wohl nicht der Fall.

Das ganze Gespräch mit Matthias Friebe, Dlf-Sportredaktion
"Erst einmal geht es darum, dass der Schiedsrichter rassistische Vorfälle mitbekommt. Das hat er offenbar nicht."

Ansonsten hätte der Schiedsrichter eine Stadion-Durchsage veranlassen können, dass die Beleidigungen aufhören sollen. Falls das nichts hilft, kann ein Fußballspiel für zehn Minuten unterbrochen werden. Machen die Fans danach mit ihren rassistischen Anfeindungen weiter, kann das Spiel sogar abgebrochen werden.

Die UEFA prüft – mögliche Strafen sind unklar

Auch hier prüft die UEFA die Vorwürfe derzeit noch. Strafen können durchaus auch im Nachhinein noch ausgesprochen werden. Doch wie diese aussehen könnten, ist offen. Bei anderen Länderspielen werden Fans bei solchen Vorfällen teils ausgeschlossen. Im schlimmsten Fall sogar komplett. Es gibt ein klares Vorgehen. Doch in diesem Fall ist die UEFA selbst Veranstalter und soll über Strafen entscheiden. "Ich bin gespannt, wie die Untersuchung weitergeht", sagt Matthias Friebe.