Russland ist in die Ukraine einmarschiert und führt Krieg gegen das Land. Berichte von Korrespondenten, Reaktionen, Analysen: eine Übersicht aktueller Themen und Beiträge zur Lage in der Ukraine.

Mehr zu den aktuellen Entwicklungen des russischen Angriffs auf die Ukraine findet ihr beim Deutschlandfunk.

Ukraine: Parallelen zu Tschetschenien-Kriegen

Militäranalysen ziehen im kriegerischen Vorgehen Russlands gegen die Ukraine Parallelen zu den Tschetschenien-Kriegen von 1994 bis 1996 und 1999 bis 2008. Auch die ehemalige Russland-Korrespondentin Gesine Dornblüth sieht das so. Die Grausamkeiten gegenüber der Zivilbevölkerung erinnern an beide Kriege. Auch damals fielen unter anderem Bomben auf Zivilisten und die Zerstörungen war verheerend. Und auch damals wie heute sei die russische Armee erstaunlich unkoordiniert gewesen und mit jungen Wehrpflichtigen an der Front.

Gesine Dornblüth ehemalige Russland-Korrespondentin
"Die Grausamkeit, mit der gegen die Zivilbevölkerung vorgegangen wird, das kennt man aus Grosny aus beiden Kriegen."

Der Tschetschenien-Krieg endetet schließlich mit der Installation des moskautreuen Republik-Chefs Ahmad Kadyrow. Dieser wurde ermordet. Nach seinem Tod übernahm sein Sohn Ramsan Kadyrow, ebenfalls absolut loyal gegenüber Russland und ein brutaler Gewaltherrscher nach innen. Ihm unterstellt ist eine hochgerüstete Terrorgruppe mit gut ausgebildeten Elitekämpfern. Einige von ihnen sollen in der Ukraine auf russischer Seite kämpfen.

Aber es soll auch tschetschenische Kämpfer geben, die ein unabhängiges Tschetschenien wollen und die auf der ukrainischen Seite kämpfen. Das spreche dafür, dass der Tschetschenien-Konflikt nicht zu Ende gegangen sei und sich nur ins Ausland verlagert habe. Ähnliches habe man auch schon in Syrien und im Irak beobachten können, wo tschetschenische Kämpfer auf verschiedenen Seiten operiert hätten.

Dlf-Korrespondentin: "Friedensmission der Nato kann man abhaken"

Nach dem Besuch am Dienstag (15.03. 2022) von Polens Vize-Regierungschef Jaroslaw Kaczynski zusammen mit den Regierungschefs von Slowenien und Tschechien in Kiew, hat Kaczynski eine Friedensmission der Nato ins Spiel gebracht. Der Vorschlag sei allerdings stark innenpolitisch motiviert, sagt unsere Korrespondentin Sabine Adler. Kaczynski befinde sich derzeit in einem Umfragetief. Vor allem aber habe die Nato immer wieder deutlich gemacht, sich nicht in den Krieg hineinziehen zu lassen und daran werde auch der Vorschlag nichts ändern. Unterstützung und Waffenlieferung ja, aber mit Personen ins Kriegsgeschehen eingreifen, diese Grenze werde nicht überschritten.

Sabine Adler, Dlf-Korrespondentin für Osteuropa (16.03.22, 13:45Uhr)
"Eine Friedensmission der Nato kann man abhaken. Das wird so nicht stattfinden."

Derweil verhandeln Russland und die Ukraine weiter. Aus dem Kreml hieß es, dass man einen Kompromiss zur Neutralität der Ukraine nach dem Vorbild Schwedens oder Österreichs für möglich halte. Die Ukraine habe das umgehend zurückgewiesen. Dennoch: Dass nicht nur miteinander, sondern auch übereinander geredet wird, sei ein gutes Signal. Das bedeute, man mache sich Gedanken, sagt Sabine – auch, weil Russland gerate Russland immer weiter unter Druck gerate. Dem Land sei klar, dass es international immer weiter in die Isolation abdriftet und was Sympathien und Parteinahme angeht, längst schon verloren habe. Dazu laufe es militärisch nicht gut. Es sei jetzt die große Kunst, ob und wie ein Ausweg aus dem Konflikt möglich sei, bei der Putin irgendwie das Gesicht wahren kann. Auch darum gehe es natürlich bei den Verhandlungen.

Mutige Aktion: Kriegsgegnerin unterbricht Live-Nachrichtensendung

Mitten in einer der wichtigsten Nachrichtensendung im russischen Staatssenders Kanal 1 ist es am Dienstagabend (15.03. 2022) zu einer ungewöhnlichen Protestaktion gekommen. Eine Frau hat sich mit einem Plakat hinter die Nachrichtensprecherin gestellt und gerufen: "Stoppt den Krieg". Auch auf dem Plakat stand in großen Buchstaben: "Stoppt den Krieg, glaubt der Propaganda nicht. Hier werdet ihr belogen." Die Sendung wurde Sekunden nach der Aktion unterbrochen.

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Marina Owsjannikowa, so der Name der Frau, soll seit Jahren als Redakteurin bei Kanal 1 arbeiten. Nach der Aktion soll sie festgenommen worden sein, Bürgerrechtsanwälte wissen derzeit allerdings nichts über ihren genauen Aufenthaltsort. Öffentlich darf in Russland niemand von Krieg sprechen. Der Frau droht für ihre Aktion eine hohe Geldstrafe, aber auch Haft.

Gespräch mit Palina Milling, Korrespondentin für Russland (15.03.22, 11:15Uhr)
"Bürgerrechtsanwälte haben versucht, sie zu erreichen, aber noch nicht auf den verschiedenen Polizeidienststellen gefunden."

Im Netz gingen Videos der Aktion viral. Russische Oppositionelle loben ihren mutigen und publikumswirksamen Protest. Zuvor soll Marina Owsjannikowa noch ein weiteres Video aufgenommen haben, das von der russischen Menschenrechtsorganisation OVD-Info nach dem Protest geteilt wurde. Darin erzählt sie, dass ihre Mutter Russin sei und ihr Vater, Ukrainer und dass sie sich dafür schäme, jahrelang Kreml-Propaganda verbreitet zu haben. Auch nannte sie unter anderem den Krieg ein Verbrechen, das russische Regime menschenfeindlich und ermutigte die russische Bevölkerung, zu demonstrieren.

+++ Update (16.03.22): Am Dienstagnachmittag veröffentlichte ein prominenter russischer Journalist ein Foto von Marina Owsjannikowa mit ihrem Anwalt in einem Gerichtsgebäude. Laut der russischen Menschenrechtsorganisation OWD-Info wurde sie später von einem Moskauer Gericht in einem Schnellverfahren zu einer Geldstrafe von 30.000 Rubel (rund 250 Euro) verurteilt. Ob weitere Starfen drohen, ist unklar. +++

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Politologe über Selenskyj: "Bemerkenswerte Leistung strategischer Kommunikation"

Russlands Präsident Wladimir Putin und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj präsentieren sich im Krieg sehr unterschiedlich. Putin sieht man in sicherer Entfernung zum Geschehen alleine an manchmal sehr langen Tischen sitzen, daneben ziemlich alte Telefone, die aus einer anderen Generation stammen.

Ganz anderes Wolodymyr Selenskyj. Seit Beginn des russischen Angriffskrieges schickt er immer wieder Videobotschaften, auch Selfie-Videos von unterwegs. Der ukrainische Präsident zeigt sich volksnah, er trägt dabei oft auch ein Armee-T-Shirt. Seine Worte richtet er nicht nur an die ukrainische Bevölkerung, auf Russisch oder Englisch wendet er sich auch an eine größere Öffentlichkeit. Dabei nutzt er die sozialen Medien sehr aktiv: Facebook, Instagram, Twitter, Telegramm.

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Der Kommunikationsberater und Politologe Johannes Hillje sieht hinter der Social-Media-Kommunikation eine klare Strategie. Selenskyj gelinge es mit seinen emotionalen Ansprachen, die Bevölkerung zu motivieren, zu mobilisieren, Zusammengehörigkeit zu schaffen. Dadurch, dass er aber immer wieder auch in anderen Sprachen spricht, übe er vor allem auch auf globaler Ebene Druck aus – vor allem auf westliche Staaten. Die Anzahl seiner Twitter-Follower beispielsweise hat sich in kurzer Zeit verzehnfacht. Selenskyj höre jetzt eine globale Öffentlichkeit zu, sagt Hillje. Damit habe er auch an Deutungshoheit über das Kriegsgeschehen gewonnen.

Johannes Hillje, Kommunikationsberater und Politologe (14.03.22, 17:05Uhr)
"Selenskyj hört jetzt eine globale Öffentlichkeit zu. Das ist kriegsstrategische von immens hoher Bedeutung, weil er damit an globaler Deutungshoheit über das Kriegsgeschehen gewonnen hat."

In der Gesamtschau auf den Krieg, bei dem die Ukraine Russland militärisch eigentlich heillos unterlegen sei, sei das eine bemerkenswerte strategische Leistung. In der kommunikativen Dimension, die als emotionale Personalisierung auf der einen Seite gegen staatliche Propaganda auf der anderen Seite beschrieben werden könne, kann Selenskyj den militärischen Nachteil ein Stück weit ausgleichen, so Johannes Hillje. Dabei sei die Ukraine natürlich keine unabhängige Quelle in diesem Krieg, sondern berichtet selektiv und unvollständig aus der eigenen Perspektive. Aber es sei auch nicht unbedingt gleichzusetzen mit dem Begriff Propaganda, wie sie Russland gerade betreibe, sagt Johannes Hillje.

Ukraine: Verhandlungen und Kämpfe gehen weiter

Im Ukraine-Krieg verhandeln die Vertreter beider Länder heute weiter. Der ukrainische Präsident Selenskyj würde die Gespräche am liebsten auf oberster Ebene führen und persönlich mit Russlands Präsidenten Putin sprechen. Doch das ist unwahrscheinlich, noch vor Kurzem habe Putin Selenskyj schließlich einen drogenabhängigen Nazi genannt, sagt unser ehemaliger Russland-Korrespondent Thielko Grieß.

Die Verhandlungsziele bleiben gleich: Die Ukraine möchte unter anderem einen Waffenstillstand und Sicherheitsgarantien erreichen, Russland nach wie vor die Entwaffnung und die Neutralität der Ukraine, sagt Thielko Grieß. Die russische Delegation sei aber immer noch mit Leuten niederen Ranges besetzt, Abgesandte aus dem Kreml würden weiterhin fehlen. Das verstärke den Eindruck, dass die Verhandlungen von russischer Seite aus weiterhin nicht sehr ernst genommen werden.

Thielko Grieß, ehemaliger Russland-Korrespondent (14.03.2022, 13:20 Uhr)
"Viele Flüchtende, die aus heftig umkämpften Städten und Orten herausgekommen sind, berichten, dass die Gewalt, die von russischen Soldaten ausgeht, exorbitant sei."

Derweil geht die Gewalt in der Ukraine unvermittelt weiter. Die Angriffe auf die Städte dehnen sich immer weiter aus. Auch Zivilisten geraten immer wieder unter Beschuss und berichten von hoher Gewaltbereitschaft russischer Soldaten im Süden des Landes. Auch von umgekehrter Seite wird gemeldet, dass die Ukraine die von Separatisten gehaltene Stadt Donezk beschossen habe. Dabei sollen 20 Zivilisten getötet worden sein. Überprüfen lassen sich die Angaben nicht.

Medienlage in Russland katastrophal

In der Ukraine ist Krieg. In Russland darf das aber keiner so nennen. Durch Medienzensur und Internetsperren wird es den Menschen dort immer schwieriger gemacht, sich unabhängig und frei zu informieren. Die Medienlage in Russland sei derzeit katastrophal, sagt Lisa Dittmer, Referentin für Internetfreiheit bei der NGO "Reporter ohne Grenzen". Zentrale Webseiten sind einfach blockiert worden, unabhängige Zeitungen und News-Sites haben die Kriegsberichterstattung eingestellt, manche haben das Land verlassen. Viele Journalistinnen und Journalisten fliehen.

Es gebe gerade sehr viele Unterstützungsangebote für Journalisten in der Ukraine. Doch vor allem in Russland hätten Journalistinnen und Journalisten gerade ein besonders hohes Risiko, wenn sie ihrer Arbeit uneingeschränkt nachgehen würden.

Lisa Dittmer, Referentin für Internetfreiheit bei Reporter ohne Grenzen (12.03.2022, 14.47 Uhr)
"Das freie Netz, so wie wir es kennen, ist in Russland nicht verfügbar."

Reporter ohne Grenzen beobachte derzeit einen massiven Zulauf zu VPN-Diensten. Damit lässt sich das Geoblocking umgehen, um dann über internationale Server Zugriff auf das freie Netz zu haben. Das Problem dabei: Die Nutzenden müssen dem Versprechen der VPN-Dienstanbieter vertrauen, die eigene Anonymität und den Schutz der Daten auch wirklich zu gewähren, sagt Lisa Dittmer.

Die zweite Möglichkeit sei der Tor-Browser, den die meisten Menschen nur als Eingang ins Darknet kennen. Dieser Browser sei eine der wichtigsten Methoden für Verfolgte weltweit, auch für Journalistinnen und Journalisten, um anonym zu recherchieren, anonym Kontakt aufzunehmen und Daten zu teilen und verschlüsselt nach unabhängigen Informationen zu suchen. Und genau das werde momentan auch für ganz normale Russinnen und Russen immer wichtiger.

Als Deutscher für die Ukraine kämpfen

Seit über zwei Wochen greifen russische Truppe die Ukraine an. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte deshalb Ende Februar freiwillige Kämpfer aus Europa dazu aufgerufen, in die Ukraine zu kommen und sein Land zu unterstützen. Nicht wenige sind diesem Aufruf gefolgt – auch Paul (20) aus Hamburg.

Eine familiäre Verbindung in die Ukraine hat Paul nicht, hat er dem Journalisten Tobias Dammers erzählt. Allerdings hab er Freunde dort. Nach Kriegsbeginn sei er "recht spontan" in die Ukraine gefahren – zunächst, um einem Freund aus Kiew herauszuhelfen und Flüchtlinge über die polnische Grenze zu bringen. Doch jetzt will er dort bleiben – und wenn nötig auch kämpfen. Er sei sogar bereit, im Kampf gegen Russland zu sterben.

Paul (20) aus Hamburg (11.03.2022, 17:06 Uhr)
"Hundertprozentig. Da habe ich kein Problem mit. Ich habe meine Mutter gesagt, dass ich da einfach nur helfen will – damit sie sich nicht zu viele Sorgen macht."

Tobias Dammers hat natürlich versucht, die Geschichte von Paul zu verifizieren. Eine hundertprozentige Sicherheit, was Informationen aus dem Kriegsgebiet angeht, gebe es nicht, sagt er. Die Angaben von Paul seien aber schlüssig. Bestimmte Details, die er ihm gesagt habe, stimmten mit anderen seiner Recherchen überein, so der Journalist.

Die russischen Angriffe gehen weiter

Die russischen Streitkräfte versuchen am Freitag (11.03.2022) offenbar weiter, von Norden aus nach Kiew vorzustoßen. Die Stadt Charkiw leidet nach ukrainischen Angaben unter Dauerbeschuss. In Dnipro soll es drei Bombenangriffe gegeben haben – auf einen Kindergarten, auf ein Wohnviertel und auf eine Schuhfabrik.

Sabine Adler, Deutschlandfunk Nova (11.03.2022, 13:20 Uhr)
"Die Menschen haben sich darauf vorbereitet, insofern, dass sie beispielsweise wichtige Gebäude mit Sandsäcken geschützt haben."

Der Bahnhof der Stadt sei am Freitag (11.03.2022) voller Menschen, so Sabine Adler. "Das ist insofern besonders besorgniserregend, weil Dnipro ganz zentral in der Ukraine liegt und das heißt, dass die russischen Truppen immer weiter westwärts kommen", erklärt sie.

Cherson ist von der Außenwelt abgeschnitten – so ist der Alltag in der Stadt

Die Großstadt Cherson, die rund 300.000 Einwohner hat, ist inzwischen seit etwa einer Woche unter russischer Kontrolle. Auch wenn der Alltag langsam wieder zurückkehre, beherrscht der Widerstand gegen die Besetzung das Leben, wie unser Reporter Frederik Rother berichtet. Ein Leben ohne medizinische Versorgung und mit wenig Nahrung und kaum einer Möglichkeit der Kommunikation.

Frederik Rother, Deutschlandfunk Nova (11.03.2020, 12:15 Uhr)
"Es können von außen keine Lebensmittel angeliefert werden, weil die Stadt abgeriegelt ist. Die Leute fangen langsam an zu hungern. "

Mariúpol ist von russischen Truppen eingekesselt

Auch in der von russischen Truppen eingekesselten Stadt Mariúpol wird die Lage Berichten zufolge immer unerträglicher. Hilfsorganisationen berichten von ersten Kämpfen um Lebensmittel.

Mitte dieser Woche war die Stadt in die Schlagzeilen geraten, weil dort Presseberichten zufolge ein Krankenhaus mit einer Entbindungsklinik angegriffen wurde.

Frederik Rother, Deutschlandfunk Nova (10.03.2022, 06:35 Uhr)
"Es ist ein russischer Angriff auf eine Entbindungsklinik in der belagerten Stadt Mariúpol. Das Gebäude wurde mehrmals getroffen, berichten Reporter."

Die Fassade sei teilweise weggerissen und 17 Menschen seien verletzt worden, so die ukrainische Seite. Von russischer Seite hieß es, dass die Ukrainer Schießstellungen in der Klinik eingerichtet hätten und somit den Angriff provoziert hätten. Letzteres sei durch nichts belegt, sagt unser Reporter Frederik Rother.

Deutschland von russischem Gas abhängig

Russland hat inzwischen gedroht den Betrieb der Gaspipeline Nord Stream 1 zu stoppen. Noch sei jedoch keine Entscheidung gefallen. Deutschland ist abhängig von dem Gas aus der Pipeline. "Wir bekommen über 50 Prozent des benötigten Gases aus Russland", sagt Andreas Schmitt aus den Deutschlandfunk-Nova-Nachrichten.

Der russische Vize-Regierungschef drohte auch mit einem Stopp von Öl-Importen. Deutschland bekommt derzeit 35 Prozent des benötigten Rohöls aus Russland. Das würde nicht bedeuten, dass bei uns sofort die Heizungen ausgehen oder die Tankstellen leer sind. Die Bundesregierung hat Gas und Öl gespeichert, und könnte damit bis zu drei Monate überbrücken.

Andreas Schmitt, Deutschlandfunk-Nova-Nachrichten (08.03.2022, 7:20 Uhr)
"Deutschland ist abhängig von dem Gas. Wir bekommen aktuell 50 Prozent des benötigten Gases aus Russland. Und der russische Vizeregierungschef droht gleichzeitig auch mit Öl-Importen."

Artem lebt in der Nähe eines Atomkraftwerks

Artem ist bei seinen Eltern in der Ukraine. Sie leben in einem kleinen Dorf in der Nähe des Atomkraftwerks bei Saporischschja, das unter Beschuss geraten ist. In der Nacht des Angriffs auf das AKW hätten sie nicht schlafen können, es sei furchtbar gewesen. Gegen 2 Uhr nachts hätten sie aus den Medien erfahren, dass die russischen Truppen das Atomkraftwerk bei Saporischschja besetzt haben.

Artem ist bei seinen Eltern in der Ukraine, die in der Nähe des AKW Saporischschja leben (05.03.2022, 17.10 Uhr)
"Wir wollen auf keinen Fall ein zweites Tschernobyl haben."

Der Brand wurde gelöscht. Wenn niemand wieder auf das AKW schieße, sei es in Ordnung, sagt Artem. Er ist im Haus seiner Eltern, und weil die schon über 70 sind und ein bisschen krank, haben Artem und seine Schwester beschlossen, zu bleiben. Sein älterer Bruder ist zusammen mit seiner Familie – aus Angst vor Schäden am AKW – in die Westukraine weitergezogen.

Repressionen in Russland

Die Duma, das Unterhaus des russischen Parlaments, hat ein neues Mediengesetz gegen Falschinformationen erlassen. Bei angeblicher falscher Berichterstattung über den Krieg drohen bis zu 15 Jahren Haft. Neben dem unabhänigigen TV-Sender Doshd haben auch ausländische Medien wie die BBC ihre Berichterstattung in Russland eingestellt. Übrig geblieben ist bislang nur die unabhängige Tageszeitung Nowaja Gaseta, die nur im Internet publiziert, sagt Dlf-Korrespondentin Sabine Adler.

Sabine Adler, Dlf-Korrespondentin (05.03.2022, 11.08 Uhr)
"Es gibt keine freie Berichterstattung mehr in Russland. Facebook und Twitter sind gleich mit abgeschaltet worden. Der Informationsraum wird gesäubert und gleichgeschaltet."

Gestiegener Weizenpreis besonders kritisch für Ostafrika

In Ostafrika importiert zum Beispiel das Land Kenia 80 Prozent des Weizenbedarfs aus dem Ausland, unter anderem aus Russland und der Ukraine. Dass der Preis für Weizen jetzt steigt, ist für Kenia ein Problem - denn drei ausgefallene Regenzeiten hintereinander ließ die eigene Ernte mager ausfallen.

Antje Diekhans, Korrespondentin für Ostafrika (04.03.2022, 13:49 Uhr)
"13 Millionen Menschen in Kenia und den Nachbarländer könnten auf Nahrungsmittelhilfen angewiesen sein."

So denkt die russische Community in Deutschland über den Krieg

Der Krieg in der Ukraine erschüttert auch die russischstämmige Community in Deutschland. Es gibt im Moment kein anderes Thema. Unsere Reporterin Katja Garmasch hat selbst russische und ukrainische Wurzeln und ist in der russischen Community zu Hause. Sie hat sich umgehört. Die Meinung zum Krieg ist geteilt.

Reporterin Katja Garmasch über die russische Community in Deutschland (03.03.2021, 6:50 Uhr)
"Die meisten Menschen aus der russischen Community in Deutschland wissen vom Krieg und sind sehr betroffen – unabhängig von ihrer politischen Einstellung."

Hoffen auf die russische Bevölkerung

Susanne Schattenberg, Professorin für Zeitgeschichte und Kultur Osteuropas an der Universität Bremen, sieht für Wladimir Putin keinen Weg, aus dem Krieg herauszukommen, ohne weiter militärisch zu eskalieren und ohne das Gesicht zu verlieren. Mit dem Krieg habe er gezeigt, dass er nicht mehr zu Verhandlungen bereit sei. Sie setzt Hoffnungen in den russischen Sicherheitsrat und in die russische Bevölkerung: Wenn bekannt würde, wie viele russische Soldaten schon gestorben sind, würden sich ganz schnell sehr viele Russen erheben.

Susanne Schattenberg, Professorin für Zeitgeschichte und Kultur Osteuropas an der Universität Bremen (02.03.2021, 6:45 Uhr)
"Die Angehörigen der russischen Soldaten haben keine Ahnung, wo ihre Söhne und Männer sind."

Das Problem mit den Falschnachrichten

Ein Krieg ist ein idealer Nährboden für Falschnachrichten. Sie werden geteilt, widerlegt, geglaubt - bilden die Grundlage für weitere Falschnachrichten. Unser Reporter Stephan Beuting erklärt, welche Falschmeldungen es gibt und was jede von uns tun kann, um sie nicht weiterzuverbreiten.

Stephan Beuting, Deutschlandfunk-Nova-Reporter ( 01.03.2022, 18.15 Uhr)
"Was ist der Kontext, was ist die Quelle? Der Großteil der Falschnachrichten ließe sich mit ein bis zwei dieser Fragen enttarnen."

Der Krieg findet auch im Netz statt

Das "Hackerkollektiv" Anonymous hat begonnen, Netzziele in Russland anzugreifen. Was bringt dieses Guerilla-Hacking? Es gibt Stimmen, die das sehr kritisch sehen.

Michael Gessat, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter (01.03.2022, 8:06 Uhr)
"Die Hacker fachen eine Eskalationsspirale an, bei der am Ende eben gar nicht klar ist, welcher Seite das Ganze eigentlich mehr schadet."

Deutsche IT-Experten, darunter Manuel Atug, Sprecher der unabhängigen AG KRITIS, warnen davor, dass "gutgemeinte" Hackerangriffe möglicherweise auch mal ein Krankenhaus lahmlegen könnte. Dann würde man unschuldige Menschenleben in Russland gefährden und zudem der russischen Regierung ein Super-Argument für ihr "Terroristen"-Narrativ und für Vergeltungsschläge liefern. Im schlimmsten Fall könnten solche Guerilla-Angriffe im Netz dann auch zur Eskalation des Konflikts beitragen.

Deutschland will sich besser gegen Cyberangriffe schützen

Cyberattacken sind häufig sogenannte DDoS-Attacken, bei denen ein Server oder eine Website mit so vielen Anfragen überflutet wird, dass sie in sich zusammenbrechen, erklärt Deutschlandfunk Nova-Reporter Michael Gessat.

Bei der Sondersitzung des Bundestags am 27. Februar hat Bundeskanzler Olaf Scholz auch verstärkte Maßnahmen gegen Cyberangriffe auf "kritische Infrastruktur und Kommunikationswege" angekündigt. Demnach werden auch für diesen Bereich die Budgets deutlich ausgeweitet, sagt Michael Gessat. Zwar gab es in der Vergangenheit immer wieder Cyberattacken und die Bundesregierung hat dagegen auch "aufgerüstet", doch jetzt gehe es darum, die stark digitalisierten Bereiche effektiv zu schützen.

Michael Gessat, Deutschlandfunk Nova-Reporter (28.02.2022, 8:35 Uhr)
"Unsere viel stärker digitalisierte und komplexere Wirtschaft, Industrie und Infrastruktur sind deshalb auch viel angreifbarer."

Elon Musks Starlink: Internet für die Ukraine

Der ukrainische Minister für digitale Transformation, Mychajlo Fedorow, hatte auf Twitter auf das Problem aufmerksam gemacht, wenn in dem Land durch die Kriegsfolgen das Internet zusammenbrechen sollte und schreibt: "Während Sie versuchen den Mars zu kolonisieren, versucht Russland die Ukraine zu besetzen." Elon Musk hat darauf geantwortet: "Der Starlink-Dienst ist jetzt für die Ukraine aktiv". Damit ist ein funktionierendes Internet zunächst wohl sichergestellt.

Michael Gessat, Deutschlandfunk Nova-Reporter (28.02.2022, 10:50 Uhr)
"Der Zugang über Starlink eignet sich als Notfallersatz, wenn die normalen Kabel gekappt sind.

Zum Krieg gehört auch der Cyberwar

Zum Angriff des russischen Präsidenten auf die Ukraine zählen offenbar auch Cyberattacken. Der ukrainische Minister für digitale Transformation, Mychajlo Fedorow, gab auf Telegram bekannt, dass die Cyberangriffe alle grundlegenden Informationsquellen zum Ziel gehabt hätten und dort weiterhin ununterbrochen stattfinden würden.

Auch vorher seien Webseiten der ukrainischen Regierung und mehrerer Banken betroffen gewesen, so Mychajlo Fedorow, unter anderem ließen sich die Homepages des ukrainischen Kabinetts und des Außenministeriums zeitweise nicht öffnen.

Gespräch mit Michael Gessat, Deutschlandfunk Nova-Reporter (25.02.2022, 7:35 Uhr)
"Wenn Regierungsseiten oder Banken nicht mehr erreichbar sind, dann befördert das Panik."

Aus Bürgern werden Soldaten

Nachdem die Stadt Kiew wegen des Angriffs der russischen Einheiten Luftalarm ausgelöst hat, suchen die Bewohner und Bewohnerinnen Schutz in U-Bahn-Stationen Schutz. Auch Viktor war da. Der 24-jährige Anwalt lebt und arbeitet in der ukrainischen Hauptstadt.

Inzwischen hat er die Metrostation verlassen. Er möchte mithelfen, sammelt Medikamente, Kleidung und Lebensmittel – und will sich jetzt den ukrainischen Truppen anschließen. Auch wenn er Angst davor hat.

Gespräch mit Viktor, der in Kiew lebt und sich der ukrainischen Armee anschließen möchte (25.02.2022, 17:36 Uhr)
"Ich werde mich den Truppen anschließen. Ich habe Angst. Aber mein Gewissen lässt nicht zu, dass ich nichts mache."