Im Winter 1994 marschierten russische Truppen in Tschetschenien ein – der Beginn eines fast zweijährigen Krieges und Auftakt zu einer ganzen Reihe brutaler Konflikte.

Als Ende 1991 die UdSSR zusammenbricht, gehört Tschetschenien zu den ersten Gebieten, das sich für unabhängig erklärt. Die Regierung in Moskau akzeptiert diese Abspaltung nicht. Drei Jahre später ist der Konflikt soweit eskaliert, dass der Sicherheitsrat der Russischen Föderation Ende 1994 beschließt, in Tschetschenien militärisch einzugreifen.

Trotz Verhandlungsbereitschaft des tschetschenischen Präsidenten befiehlt Boris Jelzin Mitte Dezember 1994 den Einmarsch in Tschetschenien. Am 26.12.1994 erreichen russische Truppen die Vororte der tschetschenischen Hauptstadt Grosny.

Russischer Soldat am 25.02.1995 vor dem zerstörten Präsidentenpalast in Grosny
© dpa Bildarchiv
Russischer Soldat am 25.02.1995 vor dem zerstörten Präsidentenpalast in Grosny

Nach zwei Monaten ist der Kampf um Grosny beendet, die Stadt liegt in Schutt und Asche. Im Januar 1995 fordert ein über mehrere Tage andauernder Artilleriebeschuss mehr als 25.000 Tote. Im April 1995 waren mehr als Zweidrittel Tschetscheniens unter russischer Kontrolle, aber die Kämpfe dauerten an, weil die russische Armee einerseits schlecht ausgerüstet und auf einen Guerillakrieg nicht vorbereitet war. Andererseits bekamen die Tschetschenen Unterstützung von islamistischen Mudschahidin und von nationalistischen, ukrainischen Kämpfern.

Frieden hält drei Jahre

Endgültig beendet ist der erste Tschetschenienkrieg am 31.08.1996. Schätzungsweise bis zu 100.000 Zivilisten und etwa 10.000 Soldaten sind diesem Krieg zum Opfer gefallen. Das Abkommen, das 1996 den zeitweiligen Frieden für den Kaukasus bringt, hält nur drei Jahre. Dann folgt der zweite Tschetschenienkrieg, der in den folgenden zehn Jahren noch einmal etwa 80.000 Tote fordert.

Ihr hört in Eine Stunde History:

  • Der Historiker und Buchautor Hans Krech schildert die Hintergründe und Ursachen des Konfliktes zwischen Russen und Tschetschenen.
  • Der Schweizer Historiker Jeronim Perović erläutert das Verhältnis Russlands zu den ehemaligen sowjetischen Teilerepubliken.
  • Thielko Grieß ist Korrespondent des Deutschlandfunks in Moskau. Er berichtet von der Bedeutung des Tschetschenienkriegs für Familien.
  • Deutschlandfunk Nova - Geschichtsexperte Matthias von Hellfeld beschäftigt sich mit dem Verhältnis Tschetscheniens zu Russland seit dem Zarenreich bis zum Ende der Sowjetunion 1991.
  • Deutschlandfunk Nova-Reporterin Kristin Mockenhaupt erinnert an den Angriff auf Grosny im Winter 1994/1995.