In der Ukraine wird gewählt. 38 Kandidaten haben sich auf das Präsidentenamt beworben - obwohl es eines der härtesten Ämter überhaupt sein dürfte.

Der neue Präsident der Ukraine hat direkt vom ersten Amtstag an einen riesigen Berg von Problemen, die ihn die nächsten Jahre begleiten dürften: 2014 hat Russland einen Teil der Ukraine annektiert, im Osten des Landes tobt noch immer ein Krieg und der Wirtschaft geht es überhaupt nicht gut. Gleichzeitig bekommt der Präsident oder die Präsidentin es mit einer Bevölkerung zu tun, die richtig hohe Ansprüche hat.

Die Hoffnung auf bessere Zustände im Land sind groß, die Jahre der Krise haben die Menschen aber auch ernüchtert. "Ich wünsche mir, dass unsere Regierung mehr für die Entwicklung des Landes tut. Sozial, wirtschaftlich, in allen Bereichen", erklärt Kirill Klimovsky. Der 27-Jährige lebt im Nordosten der Ukraine, in der Millionenstadt Charkiw. "Aber ehrlich: Ich glaube nicht, dass die Präsidentschaftswahl viel ändern wird."

"Die Ukraine muss selbstständig und stark werden. Wir dürfen weder von Russland, noch von Europa, noch von den USA abhängig sein."
Kirill Klimovsky aus Charkiw

Nach Meinung der 22-jährigen Politikwissenschaftlerin Ksenia Iliuk aus Tescherniwzi muss der nächste Präsident unbedingt für eine starke Ukraine sorgen. "Ich werde Poroschenko wählen, weil seine Außenpolitik die richtige ist", erklärt sie. "Mit seiner Politik, hat er dem Land zu einer gewissen Stabilität verholfen und viele gute Reformen angestoßen."

Präsidentenwahl in der Ukraine: Enges Rennen für die Kandidaten

Es hat sich eine gewisse Ermüdung  im Land breit gemacht, berichtet Deutschlandfunk-Nova-Reporter Vassili Golod: "Politikverdrossenheit ist auch in der Ukraine kein Fremdwort." Diejenigen, die zum ersten oder zweiten Mal wählen gehen dürfen, glauben, dass sie mit ihrer Stimme sowieso nichts ändern können, sagt er. Dabei laufet es auf ein ziemlich knappes Rennen um die Präsidentschaft hinaus.

Wer der nächste Präsident oder die nächste Präsidentin der mehr als 40 Millionen Ukrainer werden will, muss laut ukrainischer Verfassung mindestens 50 Prozent der Stimmen holen. Davon sind selbst die drei beliebtesten Kandidaten weit entfernt.  Und auch der Favorit von Kirill, der wirtschaftsliberale Ihor Smeshko, hat keine ernsthafte Chance, nächstes Staatsoberhaupt zu werden.

"Für die Ukrainer ist diese Wahl die wichtigste von allen. Und das, obwohl wir eine parlamentarische Demokratie sind."
Ksenia Iliuk, Politkwissenschaftlerin aus Tescherniwzi

Es läuft also auf eine Stichwahl unter diesen drei Favoriten hinaus: Die Spitzenreiter sind der amtierende Präsident Petro Poroshenko, die ehemalige Ministerpräsidentin Julia Timoschenko und der Schauspieler und Moderator Wolodymyr Selenskyj, der immerhin schon in einer TV-Serie den Präsidenten mimen darf. Die Stichwahl findet wahrscheinlich am 21. April statt.

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