Ein Berliner hat seine Wohnung für Geflüchtete geöffnet: Inzwischen wohnen 14 Ukrainerinnen und Ukrainer bei ihm. Andere vermittelt er an Freunde und Kollegen weiter.

Arik ist Multimedia-Künstler und arbeitet gleichzeitig als Elektroingenieur. Er hat am ersten Tag, an dem der Krieg in der Ukraine begonnen hat, Urlaub genommen, um den täglich ankommenden Menschen zu helfen. Seit diesem Tag hilft er jeden Abend am Berliner Busbahnhof dabei, die Geflüchteten in Empfang zu nehmen.

"Ja, wir leben hier so eng zusammen, aber wir machen es uns so komfortabel wie es halt geht. Wir organisieren uns, kochen zusammen, abends pumpen wir die Luftmatratzen auf – damit sich jeder so gut fühlt, wie es eben so geht."
Arik Weisman hat 14 Geflüchtete aus der Ukraine bei sich aufgenommen

Arik wohnt in einer 103-Quadratmeter-Wohnung in Charlottenburg. Schon vor ein paar Monaten hatte er überlegt, dass es schöner wäre, noch ein paar Mitbewohner zu haben. Als der Krieg in der Ukraine ausgebrochen ist, ist ihm die Entscheidung leicht gefallen. Inzwischen wohnen 14 Geflüchtete und ein kleiner Mischlingshund bei ihm.

Menschen, die er bei sich nicht unterbringen kann, vermittelt er Schlafplätze und Zimmer in den Wohnungen seiner Freunde oder Kollegen.

Verwandte, Freunde und ein paar Menschen, die Arik zuvor nicht kannte

Die meisten der Menschen, die Arik hier aufgenommen hat, sind seine Verwandten und Freunde: Sein Bruder, dessen Frau, sein bester Freund und dessen Söhne. Alle kommen aus Ariks Heimatstadt Ternopil im Westen der Ukraine, aus der er selbst 2008 ausgewandert ist.

Ein paar Flüchtlinge kennt der 40-Jährige erst, seitdem sie bei ihm wohnen. Er hat sie als Helfer am Berliner Busbahnhof in Empfang genommen. Eine der Geflüchteten ist die 21-jährige BWL-Studentin Maria. Sie wohnt seit zwei Wochen hier und schläft wie die meisten anderen auf einer Luftmatratze.

Flucht hat geklappt, weil Maria in einen früheren Zug gestiegen ist

Maria hatte nur 15 Minuten Zeit, um ihre Sachen in Kiew zu packen, ihre Eltern hatten Angst um sie und haben ihr ein Zugticket nach Polen gekauft, erzählt sie. Nimm das Ticket und fahr bitte, hatten ihre Eltern zu ihr gesagt.

Marias Zug, den sie nehmen wollte, um aus ihrer Heimat zu fliehen, wäre eigentlich um 11 Uhr losgefahren. Sie hatte großes Glück, dass sie einen früheren Zug genommen hat, weil der Bahnhof kurz nach ihrer Abfahrt von einer Bombe getroffen wurde. Sie ist erst nach nach Lwiw gereist, dann nach Krakau und von dort aus weiter nach Berlin.

"Ich organisiere die Unterbringung für all die Leute – wenn die Regierung schon nicht hilft, sollte sie uns wenigstens machen lassen. Es ist ja nicht legal, so viele Leute in der Wohnung zu haben – also hoffentlich machen uns die Behörden keinen Ärger, das wäre auch schon eine Hilfe."
Arik

Manche Geflüchteten wohnen nur wenige Tage oder Wochen bei Arik. Seine Verwandten und Freunde bleiben länger. Bei so vielen Menschen in einer Wohnung gibt es viel zu organisieren.

Täglich besprechen sich alle. Wer mit dem einkaufen, putzen oder kochen dran ist, wird in einem Plan notiert. Kurze Absprachen oder Informationen, die für alle wichtig sind, werden in einem gemeinsamen Telegram-Chat ausgetauscht.

Die behördliche Anmeldung haben alle zusammen gemacht, weil das recht kompliziert ist, erzählt Arik.

Eigentlich ist es rechtlich nicht erlaubt, dass so viele Menschen in einer Wohnung dieser Größe zusammenwohnen. Arik hofft, dass die Behörden kulant sind und die Geflüchteten weiterhin alle bei ihm wohnen können.