Wir Menschen können mit unserem Auge nur die Wellenlängen Rot, Blau und Grün wahrnehmen. Vögel haben noch eine Wellenlänge mehr im Programm: Sie können auch ultraviolettes Licht sehen. Das hilft ihnen beim Beutemachen.

Menschen haben drei Zapfen auf der Netzhaut des Auges, Vögel haben vier. Diese Zapfen sind Sinneszellen, die uns helfen unterschiedliche Wellenlängenbereiche wahrzunehmen. So können wir Rot, Grün und Blau sehen. Die vierte Zapfensorte bei Vögeln ist für das kurzwellige und ultraviolette Licht zuständig.

Nur was haben sie davon? Einmal können sie dadurch erkennen, wenn die Früchte und Beeren im Herbst so richtig schön reif sind und besonders viel Zucker enthalten, demnach auch besonders schmackhaft und energiereich sind. In diesem Zustand haben die Beeren nämlich eine dünne schützende Wachsschicht, die UV-Licht reflektiert.

Leuchtende Körperflüssigkeiten

Auch Vögel, die nicht so sehr auf Beeren stehen, haben etwas von dem vierten Zapfen auf der Netzhaut: Die Körperflüssigkeiten und Exkremente mancher Beutetiere reflektieren UV-Licht. Frischer Mäuse-Urin leuchtet besonders stark. So sehen Turmfalken von oben gut, wo sich die Maus aufhält, wenn sie Urinspuren hinterlassen hat. Dadurch kann er Kraft sparen, weil er dann nur noch die Gegend mit den Urinflecken beobachten muss.

"Auch Mäuse nutzen die Eigenschaft der Falken, UV-Licht sehen zu können - nämlich indem sie falsche Fährten legen."
Mario Ludwig, Tierexperte

Manch eine Maus will den Turmfalken aber auch auf eine falsche Fährte locken. Die Wühlmaus weiß, dass ihr Pipi leuchtet und ist so hinterlistig, dass sie anderen Mäusen vor die Tür pinkelt. So lenkt sie die Spur auf unliebsame Nahrungskonkurrenten, die der Turmfalke dann wegfrisst.

"Blaumeisen erkennen im UV-Spektrum sofort, welches Geschlecht ihr Gegenüber hat."
Mario Ludwig, Tierexperte

Aber nicht nur Beute leuchtet, auch potenzielle Partner. Vor 20 Jahren haben schwedische Wissenschaftler herausgefunden, dass Vogelmännchen, deren Federkleid UV-Licht besonders gut reflektiert, bei den Weibchen bessere Chancen haben. In den tropischen Regenwäldern sind Papageien mit ihrem auffälligen Federkleid besonders stark von Parasiten befallen.

Gesunde leuchten

Haben die Papageien ein starkes Immunsystem, macht ihnen der Befall nichts aus und ihr Federkleid entwickelt sich prächtig und leuchtet im UV-Licht. Sind sie krank, das Immunsystem schwach, wird das Federkleid stumpf und die Feder entwickeln sich nicht so prächtig. Das UV-Licht wird schwächer reflektiert und das Weibchen weiß: "Der Typ ist krank."

Mehr über die Fähigkeit der Vögel, UV-Licht erkennen zu können: