Frauen züchten Vieh. Sie bauen Häuser. Sie erziehen ihren Kinder nach ihren Vorstellungen. Sie leben ihr Leben selbstbestimmt. Das Frauendorf Umoja in Kenia ist die reinste Provokation für viele Männer in Kenia. Aber langsam schaffen die Frauen Veränderung.

Frauen haben in Kenia praktisch kaum Rechte, berichtet Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Dorothee Werkmann. Häusliche Gewalt gehört zum Alltag und wird meist nicht bestraft, viele Frauen sterben bei der Geburt, weil der Mann die Behandlung im Krankenhaus verbietet. Und das sind nur zwei Beispiele für die Unterdrückung der Frau in Kenia.

Dorothee hat sich Umoja angesehen: In Umoja läuft vieles anders. Anfang der 90er Jahre ist das kleine Dorf in der Nähe des Samburu-Nationalparks entstanden. Hier leben Frauen, die vor der Willkür und Gewalt ihrer Männer geflohen sind. Frauen, die die Schnauze voll haben von patriarchalischen Familienstrukturen.

In Umoja haben die Frauen das Sagen, mitten in einer der frauenfeindlichsten Gegenden der Welt. 230.000 Menschen gehören der Volksgruppe der Samburu an, die Frauen sind nichts mehr als eine verkäufliche Ware. "Wenn ein Mädchen verheiratet wird, bekommt die Familie Vieh vom zukünftigen Mann", erklärt Rebecca Lolosoli, die Matriarchin von Umoja. "Sie verkaufen ihre Töchter also für Ziegen und Kühe."

"Nach der Hochzeit bist du dann Eigentum des Mannes, er hat sogar das Recht, dich zu töten, er darf einfach alles mit dir machen!"
Rebecca Lolosoli, Matriarchin von Umoja

Schuld ist die Tradition. Bei den Samburu steht sie über dem Gesetz. So sind in Kenia Kinderehen und weibliche Genitalverstümmelungen verboten - aber trotzdem sind sie Alltag für die Samburu-Frauen.

Für die Polizei gilt der Mord an Ehefrauen als Familienangelegenheit. Rebecca Lolosoli hat Umoja vor fast 30 Jahren gegründet. Der einzige Schutz vor Männern für sie und für die 14 anderen Gründungsfrauen war: ohne Männer zu leben.

38 Frauen leben heute in Umoja - und sie haben ihr Dorf zu einer Art Marke gemacht. Die Frauen leben von Spenden, Touristen können im Dorf übernachten, und den Perlenschmuck - einst Symbol der Unterdrückung - als Souvenir kaufen.

Umojas Frauen gegen die Traditionen

Rebecca Lolosoli und ihre Mitkämpferinnen verstecken sich nicht, vor den Männer nicht und vor den überholten Traditionen schon gar nicht. In der Schule Umojas bieten sie Englischunterricht an. Kostenlos, es gibt Gratisbildung für die Töchter. Aber nur, wenn sie nicht beschnitten werden. Fast 60 Mädchen haben so einen Platz auf der Schulbank bekommen.

"35 Dorfälteste hören beim Thema weibliche Genitalverstümmelung zu! Etwas verändert sich!"
Rebecca Lolosoli, Matriarchin von Umoja

Und Umojas Frauen bewirken tatsächlich etwas, auch in den Nachbardörfern. Sie ziehen von Dorf zu Dorf und werben für Frauenrechte. "Auf einmal sah ich da 35 Männer sitzen, von denen mich einige in der Vergangenheit noch bekämpft und weggejagt haben", berichtet Rebecca. Ich war so glücklich: 35 Dorfälteste hören beim Thema weibliche Genitalverstümmelung zu!"

Rebecca ist glücklich: "Etwas verändert sich!"