Die Fitnesskette McFit plant in Oberhausen ein neues Studio. Die Halle dafür ist 55.000 Quadratmeter groß, also etwa so groß wie fünf Fußballplätze - das wäre das wohl größte Fitnessstudio der Welt. Und das Trainieren soll dort kein Geld kosten, wir sollen mit unseren Daten bezahlen.

"Bei Facebook, Google und Amazon zahlen wir auch ständig mit unseren Daten. Alle werten unsere Daten aus und nutzen sie."
Jörg Brunsmann, Deutschlandfunk Nova

Das Fitness-Studio wird sich nicht komplett durch den Verkauf dieser Auswertungsergebnisse finanzieren, schätzt der Wirtschaftsjournalist Jörg Brunsmann ein. Auch Events und Werbung werden eine Rolle spielen. 

Die Fitness-Kette McFit sagt bislang nicht, wie sie das machen wollen. In einer Pressemitteilung heißt es: "Wir können hierzu keine weiteren Informationen herausgeben. Grundsätzlich werden wir eng mit Datenschutzbeauftragten zusammenarbeiten, um alle Bestimmungen einzuhalten."

"Marketing-Blabla, heißt übersetzt: Sie dürfen deine persönlichen Daten nicht verkaufen, aber sie dürfen sie während des Trainings sammeln, auswerten und die Ergebnisse dann verkaufen."
Jörg Brunsmann, Deutschlandfunk Nova

Das kann zum Beispiel interessant sein für Werbung im Fitnessstudio, die dich über verschiedene Geräte verfolgt und individuell auf dich zugeschnitten wird. Über deinem Fitness-Gerät hängt dann vielleicht ein Monitor: "Du läufst nicht gut, du brauchst neue Schuhe, Größe 43, jetzt nebenan im Sportgeschäft für dich im Angebot."

So würden wir dann tatsächlich mal wissen, wieviel unsere Daten überhaupt wert sind: Der Standard-Vertrag bei McFit kostet nämlich knapp 20 Euro im Monat.

Auf unsere Gesundheitsdaten sind viele scharf, vor allem Krankenkassen und Arbeitgeber. Zum Beispiel ist es verboten, im Bewerbungsgespräch eine Frau zu fragen, ob sie schwanger ist. Da darf man also auch lügen. Wenn der Arbeitgeber dafür aber nur in die Daten gucken muss, wird er sich freuen. 

"In den Gesundheitsdaten stecken viele Informationen über uns, die dem Arbeitgeber nutzen: Wie fit ich bin, welche Allergien ich habe, wie viele Tage ich krank war."
Jörg Brunsmann, Deutschlandfunk Nova

Auch wenn die Fitnesskette die persönlichen Daten nicht weiterverkaufen darf, kann sie sie erfassen und auswerten. Damit haben auch schon die ersten Versicherungsunternehmen angefangen. 

Versicherungen machen schon ähnliche Angebote

Die Generali-Versicherung zum Beispiel bietet erste so genannte "Telematik-Tarife" an. Die bekommen deine Daten, du bekommst Rabatt – wenn du dich richtig verhältst. Dafür lässt du dich mit einer Fitness-App überwachen. Wenn du Sport machst, gibt es "Vitality"-Punkte. Und für die bekommst du dann irgendwann Rabatt. Scheinbar lohnt sich das erstmal für beide Seiten. Vor allem nutzen die Daten aber den Unternehmen, und deshalb sind sie ihnen auch echtes Geld wert.

Jedes moderne Smartphone kann inzwischen unsere Gesundheitsdaten erfassen und speichern. Viele tragen Fitness-Tracker am Arm. Noch können wir halbwegs kontrollieren, wer unsere Daten bekommt und wer sie auswerten darf, sagt Jörg Brunsmann. 

"Bevor ich im Kostenlos-Fitnessstudio unterschreibe, würde ich mir ganz genau angucken, welche Daten erfasst werden, was sie damit machen und wer auf die Auswertungen Zugriff hat."
Jörg Brunsmann, Deutschlandfunk Nova