Die Rede des Thüringer AfD-Chefs Björn Höcke zum Berliner Holocaust-Mahnmal und der deutschen Erinnerungskultur hat für großen Wirbel gesorgt. Ist Höcke für die AfD haltbar? Wir haben mit Christer Cremer gesprochen, Mitglied der Jungen Alternative und Vorstandsmitglied der AfD Köln.

"Wir Deutschen - und ich rede jetzt nicht von Euch Patrioten, die sich hier und heute versammelt haben - wir Deutschen, also unser Volk, sind das einzige Volk der Welt, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat."
Björn Höcke am 17.01.2017

AfD-Bundessprecherin Frauke Petry hatte nach der Rede gesagt, Höcke sei mit seinen Alleingängen und ständigen Querschüssen zu einer Belastung für die Partei geworden. Marcus Pretzell ergänzte, zum wiederholten Male rühre Höcke mit "größter Ignoranz an einer 12-jährigen Geschichtsepoche, deren Revision wahrlich nicht Aufgabe der AfD ist". Alexander Gauland hingegen distanzierte sich nicht vom Thüringer AfD-Chef. Höcke selbst sagt, er sei missverstanden worden.

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, bezeichnete Höckes Aussagen als "zutiefst empörend und völlig inakzeptabel". "Höcke ist ein Nazi", sagte der Vorsitzende der SPD-Fraktion im Bundestag, Thomas Oppermann.

Christer Cremer, Mitglied der Jungen Alternative und Vorstandsmitglied bei der AfD Köln, der für die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen kandidiert, widerspricht im Interview bei DRadio Wissen.

"Björn Höcke ist kein Nazi. Er ist eine kontroverse Person."
Christer Cremer, Mitglied der Jungen Alternative und Vorstandsmitglied bei der AfD Köln

"Denkmal der Schande" habe sich darauf bezogen, dass der Holocaust eine Schande sei. Und das sei er auch. Am Inhalt der Rede sei also "eigentlich nicht so viel auszusetzen".

"Allerdings ist die Tonalität, und wie das medial rübergekommen ist, sicherlich sehr schlecht."
Christer Cremer, AfD

Die Rede sei missverstanden worden und Höcke habe versucht, das in einer persönlichen Erklärung geradezuziehen. Von der Art und Tonalität sei es aber "nicht ganz ideal" gelaufen, das finde er "schade", so Cremer. Ob die Aussagen Höckes seine Partei Stimmen koste, wisse er nicht - das entscheide am Ende der Wähler.

"Wir müssen - alle AfD-Politiker - für uns in Anspruch nehmen, dass wir möglichst klar kommunizieren und dass dabei keine Missverständnisse aufkommen - gerade bei so einem heiklen Thema."
Christer Cremer, AfD

Als junge Partei müsse die AfD aus solchen Vorkommnissen lernen, sagt Cremer. Solche "Medienstürme" wie der aktuelle habe die AfD ja schon einige Male erlebt - und natürlich sei das auch immer eine Belastung für die junge Partei.

Hat Höcke nur eine Parteivorgabe umgesetzt?

Im Dezember wurde ein vertrauliches Papier des AfD-Bundesvorstandes öffentlich.

AfD-Strategiepapier im ZDF, Screenshot DRadio Wissen
© ZDF | Screenshot DRadio Wissen

Das Papier stelle zunächst einmal klar, das alles, was die AfD und ihre Mitglieder tun, nur im Rahmen der demokratisch-freiheitlichen Grundordnung passieren dürfe, sagt Cremer, Dass man Dinge auch mal sehr plakativ anspreche und klar auf den Punkt bringe, sei nichts Schlimmes und müsse in einer Demokratie möglich sein.

"Es gibt keinen Guru in Berlin, der alle Aussagen der Spitzenkräfte koordiniert."
Christer Cremer, AfD

Bestimmte Themen offen anzusprechen sei nicht allein Sache der AfD, sondern das würden auch Politiker anderer Parteien machen - zum Beispiel Thilo Sarrazin von der SPD. (Anm. d. Red.: Thilo Sarrazin ist allerdings nicht Fraktionsvorsitzender seiner Partei in einem Landtag.)

Die AfD müsse sich auf die Probleme der Gegenwart fokussieren und versuchen, diese zu lösen - gerade im Blick auf die anstehenden Landtags- und Bundestagswahlen. Seine Partei, so Cremer, werde sich vor allem mit den Themen Innere Sicherheit, Qualität der Schulen, Euro und Migrationskrise auseinandersetzen und sie platzieren.

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