Kurz vor Jahresende veröffentlicht der ADAC eine Prognose zur Zahl der Unfälle 2016. Demnach hat es wahrscheinlich weniger Verkehrstote gegeben. Ein Grund könnte das schlechte Wetter Anfang des Jahres sein.

Nach der Prognose des ADAC würde die Zahl der Verkehrstoten in diesem Jahr bei insgesamt bei 3280 Toten liegen. Das wären 179 weniger als 2015. Und der niedrigste Stand seit dem Beginn der Unfallstatistik 1950.

Bei seiner Rechnung beruft sich der ADAC auf die Zahlen des Statistischen Bundesamts von Januar bis September 2016 und ergänzt diese durch eine prognostische Zahl für die verbleibenden Monate. Hier fließen dann weitere Faktoren wie beispielsweise Witterungsbedingungen mit ein. Ganz ähnlich lautet die eigene Prognose des Statistischen Bundesamts: Sie kommt auf 3300 Todesopfer.

Schwierige Ursachenforschung

Noch stecken in dieser Zahl viele Unwägbarkeiten - schließlich ist das Jahr noch nicht ganz zu Ende. Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Versicherer, ist skeptisch, ob die positive Zahl uns tatsächlich erhalten bleibt. Denn es hängt auch vom Wetter ab, wie viele Verkehrsteilnehmer auf den Straßen und Bürgersteigen in Deutschland unterwegs sind. Mehr Verkehrsteilnehmer bedeutet potenziell mehr Unfälle.

Gutes Winterwetter ist, so kurios es zunächst klingt, eher schlecht für die Unfallstatistik. Da der Dezember bisher verhältnismäßig warm war, waren daher beispielsweise mehr Radfahrer unterwegs. Und die sind potenziell unfallgefährdet.

"Das bedeutet, dass wir möglicherweise einen sehr viel schlechteren Dezember haben als in der Vergangenheit. Daher bin noch nicht so sicher, ob wir wirklich so ein gutes Jahr haben werden."
Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Versicherer

Besonders wirkt sich das Wetter auf die Gruppe der Motorradfahrer aus, erklärt Siegfried Brockmann, der sich im Auftrag der Versicherungen sehr viel mit Unfallstatistiken und Ursachen von Unfällen befasst. Durch das schlechte Wetter im Frühjahr wurden viele Motorradfahrer vom Fahren abgehalten. Das macht sich besonders in der Statistik bemerkbar, wenn man davon ausgeht, dass pro Jahr etwa 500 Motorradfahrer ums Leben kommen.

Selbst wenn die Zahl der Unfalltoten in der Langzeitbetrachtung relativ konstant sinkt, könne man diesen aktuellen Tiefststand nicht allein durch die die größeren Sicherheit auf den Straßen erklären.

"Die Probleme sind genauso da wie vorher. Wenn wir wieder ein warmes nächstes Jahr haben, dann haben wir auch wieder mehr Verkehrstote und darauf dürfen wir uns nicht ausruhen."
Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Versicherer

Noch gebe es viele Unfälle auf Landstraßen. Auch der Verkehr in den Städten werde dichter: Es gibt mehr Radfahrer, was zunächst positiv erscheint. Nur seien viele Städte verkehrsmäßig noch nicht darauf eingestellt, sagt Siegfried Brockmann. Die Folge: Konflikte zwischen Autofahrern und Radfahrern, Gefahrenzonen in der Stadt.

Und dann ist da auch noch der Unfallverursacher Handy am Steuer. Das Problem, dass Fahrer durch Smartphones abgelenkt werden, wird größer. Wie groß - dazu gibt es aber zumindest in Deutschland keine verlässliche Auswertung. Eine Studie aus den USA zeigt jedoch, erklärt Siegfried Brockmann, dass die Technikfummelei am Steuer das Auffahrunfallrisiko um das Dreieinhalbfache erhöhen könne.

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