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Freibäder und Badeseen werden nur im Sommer genutzt. Ansonsten sind sie verschenktes Flächenpotential, findet die Berliner Initiative "Pool Potentials". Sie sucht nach Ideen, wie sich die Flächen auch im Rest des Jahres sinnvoll nutzen lassen.

Hinter dem Projekt "Pool Potentials" steckt ein Team aus zwei Architekten und einer Architektin. Sie haben sich schon in ihrer Masterarbeit damit auseinandergesetzt, wie ungenutzte Flächen in der Stadt besser genutzt werden können.

Jetzt geht es ihnen ums Schwimmen. In Berlin haben sie zehn Freibäder und Badeseen identifiziert. Diese machen zusammen eine Fläche von rund 450.000 Quadratmetern aus – im Herbst, Winter und Frühling bleiben sie ungenutzt.

Die Flächen der Freibäder werden im Schnitt kaum genutzt

Deshalb sucht das Team auf der Webseite des Projektes nach Vorschlägen, wie sich die Potentiale nutzen lassen.

Lösungen kommen aus verschiedenen Richtungen, so unser Reporter Sebastian Sonntag.

  • Aus der Kultur kommt der Vorschlag, die Flächen für Open-Air-Events zu nutzen. "Gerade die älteren Bäder in Berlin haben riesige Freiflächen", sagt Sebastian Sonntag.
  • Zu den Freibädern gehören oft Gebäude für die Umkleiden, für einen Imbiss und so weiter. Dort könnten temporär Ateliers für Künstlerinnen und Künstler entstehen, wenn nicht gerade Badesaison ist.
  • Eine andere Idee ist der "Palmen Parkplatz Kreuzberg". Das leere Becken des Freibads soll als Gewächshaus dienen. Menschen können ihre kälteempfindlichen Pflanzen dort zum Überwintern parken. In dem so entstehenden Dschungel aus Topfpflanzen soll es dann Kaffee geben.

"Die Palmenidee klingt erst einmal ein wenig abwegig, aber ist gar nicht so doof", findet Sebastian Sonntag. Das sieht auch Matthias Wilkens vom Prinzessinnengarten Kollektiv Berlin so. Auf der Webseite von Pool Potentials erklärt er im Video-Statement, dass Schwimmbecken im Winter temporär zu überdachen, eine traditionelle Art und Weise sei, ein Gewächshaus zu bauen. "Das ist günstiger als eine freistehende Gewächshausstruktur", sagt Matthias Wilkens.

Schöne Ideen, aber es fehlt das Geld

Auch aus der Politik und Verwaltung kommt positives Feedback zu den Ideen. Jedoch verbunden mit einem großen Aber, so Sebastian. Die Schwimmbäder das ganze Jahr zu nutzen, koste mehr Geld. "Das nicht da ist", sagt Sebastian Sonntag. Die Nutzung der Innenräume könnte daran scheitern, dass diese zum Teil nicht beheizbar sind. Im Winter ist es dann zu kalt. Auch die Idee mit dem Gewächshaus geht nicht auf: Denn das Wasser bleibt auch im Winter im Becken, um Frostschäden zu verhindern.

"Ein Schwimmbecken als Gewächshaus zu nutzen, scheitert daran, dass im Winter das Wasser nicht abgelassen werden darf, um Frostschäden zu verhindern."
Sebastian Sonntag, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Auch Veranstaltungen werden schwierig. Denn die Außengelände müssten dann das ganze Jahr gesichert und gepflegt werden, um die Verkehrssicherungspflicht umzusetzen. Dafür braucht es finanzielle Mittel, die fehlen.

Unterstützung kommt aber aus der Wissenschaft. Ebenfalls in einem Video-Statement auf der Webseite unterstützt die Stadtforscherin Anna Steigemann die Pool Potentials. Sie ist Professorin für die soziologische Dimension des Raumes an der Uni Regensburg. Wenn es der Stadt ernst sei, ihre Bewohnerinnen und Bewohner mit Infrastruktur zu versorgen, dann gehörten die Berliner Bäderbetriebe dazu. "Es hat nur Vorteile. Für alle", sagt Anna Steigemann. Für die Stadt, die Bäderbetriebe und die Berlinerinnen und Berliner.