Deutschland ist eines der reichsten Länder der Welt – trotzdem geht es nicht jedem Kind gut. Die Unicef-Studie über Lebenszufriedenheit von Kindern und Jugendlichen in Industrieländern zeigt: Vor allem die mentale Gesundheit ist in Gefahr.

Die Höhe des Bruttoinlandsprodukts eines Landes entscheidet nicht automatisch über die Zufriedenheit der Bürgerinnen und Bürger. Im Gegenteil: Die neue Studie von Unicef hat nun die Lebenszufriedenheit von Kindern und Jugendlichen in Industrieländern ausgewertet. Deutschland liegt gerade einmal im Mittelfeld. Nachbarländer wie die Schweiz, die Niederlande und Frankreich schneiden deutlich besser ab. Laut Unicef zeichnet sich ab, dass Deutschland bei der Lebenszufriedenheit schlecht abschneidet.

"In den Umfragen zur Studie haben nur drei Viertel der Kinder in Deutschland angegeben, zufrieden mit ihrem Leben zu sein. In den Niederlanden sind es dagegen 90 Prozent, in der Schweiz 82 Prozent und in Frankreich noch 80 Prozent."
Raphael Krämer, Deutschlandfunk Nova Wissensnachrichten

Es gibt allerdings auch Länder, in denen die Werte noch deutlich niedriger sind, sagt Raphael Krämer von den Deutschlandfunk-Nova-Wissensnachrichten. Laut der Studie gibt die Hälfte der Kinder in der Türkei etwa an, nicht zufrieden mit ihrem Leben zu sein.

Vor allem mentale Gesundheit gefährdet

Die Studie nimmt vor allem die mentale Gesundheit in den Blick, sagt Raphael Krämer. Denn die Probleme seien natürlich andere als in Entwicklungsländern.

Dabei geht es vor allem um Mobbing oder die Frage, ob Kinder von ihren Familien genug unterstützt werden – oder sogar vernachlässigt. Auch andere psychische Erkrankungen spielen mit rein und führen im schlimmsten Fall zur Selbsttötung bei Kindern. Das ist laut Unicef eine der Haupt-Todesursachen bei den 15- bis 19-Jährigen.

Übergewicht und Einsamkeit sind ebenfalls Hauptfaktoren

Auch Übergewicht und Einsamkeit spielen eine große Rolle. Immer mehr Kinder und Jugendliche leiden an Adipositas und Fettleibigkeit. Im Schnitt ist eins von drei Kindern in den untersuchten Ländern zu schwer.

Außerdem hat die Studie auch soziale Kompetenzen untersucht, also beispielsweise, wie schnell Kinder neue Freunde finden. Da kommen die schlechtesten Wert aus Chile, Japan und Island, berichtet Raphael Krämer. Aber auch in Deutschland beschreiben fast 30 Prozent der Kinder in der Studie, dass ihnen in diesem Bereich etwas fehlt.

"Es gibt eine Liste von Forderungen, was für mehr Kindeswohl getan werden müsste. Da ist zum einen grundsätzlich, dass Kinderarmut beseitigt werden muss – und ungleiche Einkommen sich nicht mehr auf Kinder auswirken."
Raphael Krämer, Deutschlandfunk Nova Wissensnachrichten

Die Liste der Probleme ist lang – und die der Forderungen ebenso. Unicef fordert zum einen, dass ungleiche Einkommen sich nicht mehr auf die Kinder auswirken. Um sozialen und mentalen Problemen entgegen zu wirken, muss das Hilfs- und Beratungsangebot ausgeweitet werden. Familien sollten außerdem durch bessere Betreuungsangebote unterstützt werden.

Corona-Pandemie verschlechtert Lage

Unicef zeigt sich aber für die Zukunft wenig optimistisch: Angesichts der Corona-Pandemie dürfte die Lage für viele Kinder und Jugendliche eher schlechter werden. Die Folgen der Pandemie auf die Wirtschaft, Bildung und das Zusammenleben wird sie vor allem treffen, sagt Raphael Krämer. Und der Druck auf die Familien durch Jobverlust und weniger Betreuungsangebote verschärfe die negativen Auswirkungen noch.