Witze über LGBTIQ, Verharmlosung der Sklaverei, Dominanz weißer Regisseurinnen und Schauspieler: Die Filmbranche steht schon lange wegen Diskriminierung in der Kritik. Jetzt stellen amerikanische Sender und Streamingportale ihr Angebot auf den Prüfstand.

"Vom Winde verweht" – über diesen Film wird seit den Protesten gegen Rassismus zum Beispiel diskutiert. Die Streaming-Plattform HBO hat den Film aus dem Jahr 1939 vorerst aus ihrem Angebot genommen, um ihn zu kontextualisieren. Denn die Kritik ist groß: Der Film reproduziere Rassismus und Vorurteile gegen BPoC. Der Film ist allerdings nur einer von vielen. In der Branche wird deshalb immer öfter die Frage gestellt: Was soll mit rassistischen Filmen und Serien passieren?

Ein Vorschlag lautet: Alle rassistischen Filme sollten entfernt werden. Die Idee stößt aber weitgehend auf Ablehnung, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Ilka Knigge. Die Gefahr wäre dann groß, dass die Geschichte, wie zum Beispiel die der Sklaverei, in Vergessenheit geraten würde. Es ist ein Teil der amerikanischen Vergangenheit, der im Kontext betrachtet werden muss, sagt die Filmproduzentin Stephanie Allain im Interview mit CNN.

"It’s part of our history, it’s part of our film history, it’s part of American history, I don’t think it can be tucked away and forgotten. I think we have to look at it. But I think it hast o be looked at within the context of racism, slavery, the war, where we are today."
Stephanie Allain, Filmproduzentin

Ein Teil der Geschichte

Filme, wie "Vom Winde verweht" gehören laut Stephanie Allain zur Filmgeschichte und zur amerikanischen Geschichte. Deshalb sollten sie nicht einfach weggepackt werden, sondern im Kontext von Rassismus, Sklaverei, dem Krieg und dem Jetzt, gesehen werden.

Die Lösung von HBO: Sie wollen "Vom Winde verweht" wieder hochladen. Dann aber mit einer Einleitung von Jacqueline Stewart. Sie ist Wissenschaftlerin am Department of Cinema and Media Studies an der University of Chicago, Moderatorin und schwarz.

Hollywood Diversity Report

Die University of California in Los Angeles erstellt den "Hollywood Diversity Report". Der zeigt, dass es einen Anstieg des Anteils ethnischer Minderheiten in Filmhauptrollen gibt. PoC machten in den Top-Filmen 2019 etwa 30 Prozent aus. Im Vergleich zum Jahr 2011 immerhin ein Anstieg. Damals waren es nur 10,5 Prozent.

Für viele ist das aber immer noch zu wenig. Schauspieler wie Michael B. Jordan fordern, dass in Hollywood noch mehr passieren muss: eine Quote für die Beschäftigung von Schwarzen müsste eingeführt werden.

"You committed to a 50/50 gender parity in 2020. Where is the challenge to commit to black hiring?"
Michael B. Jordan, US-amerikanischer Schauspieler