Laura wurde von ihrem alten Chef ständig unterschätzt. Damit ist sie nicht alleine. Wenn eine Frau so kompetent ist und wirkt wie ein Mann, kommt das nicht immer gut an. Wie wir selbstsicher für uns einstehen können, erklärt eine Expertin.
Laura ist Fotografin und Videografin. Ihr ist klar: Sie ist sehr gut in ihrem Job. Sie weiß, was sie kann. Aber als sie noch in einer Werbeagentur gearbeitet hat, wurde das nicht gesehen. Ihr Chef und ihre Kollegen haben sie nicht ernst genommen.
Wenn es darum ging, die Projekte zu vergeben, ist Laura oft leer ausgegangen. "Ich war von allen am längsten im Team. Ich habe gesagt, dass ich den Kunden kenne und Projekt XY sehr gerne übernehmen kann. Die Projekte wurden dann immer an meine männlichen Kollegen abgegeben. Ich bin im Büro geblieben und hab Assistenzarbeiten gemacht", erzählt sie.
"Es ist nicht schön, sich beweisen zu müssen oder das Gefühl zu haben, ich muss jetzt besonders stark auftreten."
Als diese Situation wiederholt auftritt, kommt Laura zu dem Schluss: Ihr Chef unterschätzt sie. Und damit ist er nicht alleine. "Leute haben einfach plump gefragt, ob jemand seine Freundin zum Schnuppern mitgebracht hat", erinnert sie sich.
Sie beobachtet auch, dass bei ihren männlichen Kollegen alles okay ist. Wenn sie etwas sagen, wird ihnen zugehört. Laura aber nicht. Das frustriert sie. Laura hat das Gefühl, sich auf der Arbeit ständig beweisen zu müssen, damit andere sie als kompetent wahrnehmen.
Ein strukturelles Problem
Die Erfahrungen, die sie gemacht hat, sind kein Einzelfall. Dahinter liegt ein strukturelles Problem. Auch heute noch wirken Vorurteile gegenüber Frauen im Job. "Es hat sich anders schlecht verändert. Auch mit der Bildungsexpansion, mit einer Zunahme von Frauen in eigentlich allen Disziplinen", sagt Soziologin und Genderforscherin Jutta Allmendinger.
"Man hat heute, glaube ich, mehr Angst vor Frauen als früher."
Frauen würden heute mehr auf ihre Rechte beharren und dagegenhalten. Sie arbeiten auch mehr in Berufsfeldern, die eher von Männern dominiert sind. Das könne zu Problemen führen. "Sie wird schwanger, sie fällt aus und so weiter. Da kommen dann die Vorbehaltereien in männerdominierten Jobs, dass sie sich oft bedroht fühlen."
Diese Willkommenskultur, dieses ist doch cool, dass wir nicht unter uns sind, sondern dass wir auch mal eine andere Stimme haben, das fehlt uns in Deutschland nach wie vor", erklärt sie. Das zeige sich auch in Forschungsergebnissen. Wenn sich eine Frau so gibt und redet wie ein Mann, komme das nicht immer gut an. Es werde eher negativ beurteilt.
Damit sich das ändert, brauche es eine andere Kultur in der Arbeitswelt hin zu einem System in Unternehmen und Betrieben, das Frauen unterstützt und ihre Leistungen nach vorne stellt. Das sollte zudem so ernst genommen werden, dass es Chefsache ist. Oft passiere das aber nicht. "Dann haben wir schlichtweg nichts anderes als verlorene Potenziale", so die Soziologin und Genderforscherin.
Empowert auf der Arbeit sein
So einen Support hätte sich auch Laura damals gewünscht. Ihr hätte es schon geholfen, sich mit einer anderen Frau darüber auszutauschen und eine Person zu haben, die ihr zuhört und sie ermutigt, dagegen vorzugehen, sagt sie.
Also zum Beispiel jemanden wie Britta Cornelißen. Sie ist Wirtschaftspsychologin, Expertin für Gleichstellung und Coachin. Die Erfahrungen, von denen Laura berichtet, kennt sie von ihren Klientinnen.
Damit wir selbstsicher für uns einstehen können, ist es wichtig, dass wir unsere Stärken und Reaktionen kennen, sagt sie. Das bedeutet: Lachen wir oder werden wir still, wenn wir uns unwohl fühlen? Was sind unsere Erfolge? Das können wir auch Freund*innen über uns fragen.
Die Erkenntnisse sollten wir anschließend festhalten. Auf sie können wir in Situationen zurückgreifen, wenn wir uns nicht ernst genommen fühlen, um uns dann gedanklich in unseren Stärken und Erfolgen zu baden.
"Weil Dominanz mit Männern in Verbindung gebracht wird, werden wir Frauen da abgestraft. Es passt nicht in unser gesellschaftliches Bild, dass wir auch als Frauen sagen, wer wir sind und was wir können."
Wir können uns bestimmte Sätze zurechtlegen. Wenn uns zum Beispiel jemand in einem Meeting unterschätzt, können wir unsere Position klar machen. "Ich könnte zum Beispiel sagen wie: 'Das ist aber freundlich, dass Sie mich für so jung halten. Danke für das Kompliment. Ich bin Ihre Expertin für … oder ich bin hier die Projektleitung und ich leite jetzt hier gerne weiter durch dieses Meeting.", so Britta Cornelißen.
Sie rät dazu, diese Haltung zu trainieren, beispielsweise in einem Gespräch mit einer Freundin. Wenn wir von unserem Job erzählen, können wir auch hier von unseren Stärken berichten und sagen: "Ich habe letztens eine Fortbildung in XY gemacht und bin jetzt Expertin für".
Selbstsicherheit üben und ausstrahlen
In solchen Gesprächen können wir auch ausprobieren, ob wir uns eher mit einer direkten Haltung wohlfühlen oder mit einer humorvollen. Was das Gesagte unterstreicht, ist die Körperhaltung. Hier gibt es sogenannte Power-Posen, erklärt die Coachin. Die baut auf der Erkenntnis auf, dass unsere Körperhaltung auch unsere Gefühle beeinflusst. Unser Gehirn kann zum Beispiel nicht unterscheiden, ob das Lächeln, das wir uns im Spiegel geben, echt oder gestellt ist. Beides verbessert die Stimmung.
Das funktioniert auch mit Körperhaltungen wie der Wonder-Woman-Pose. Dafür steht man etwas breitbeiniger und hat die Hände in den Hüften. Wenn wir das ungefähr eine halbe Stunde vor einem Meeting machen, zum Beispiel alleine auf der Bürotoilette, gehen wir mit einer anderen Ausstrahlung in den Termin. "Allein durch so eine Körperhaltung kann ich Präsenz zeigen, ich kann Selbstvertrauen zeigen und mich eben auch so fühlen", sagt Britta Cornelißen.
Auch bei Laura hat sich seit ihrer Zeit in der Werbeagentur einiges verändert. Sie arbeite inzwischen nicht mehr dort, sondern als freie Fotografin und Videografin. Mit wem sie zusammenarbeitet, kann sie sich also selbst aussuchen. Mit ihren Shootings macht sie jetzt das, was sie damals vermisst hat: Frauen empowern.
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