Ein kaputter Schrank oder ungenutzte Plastikrohre – kann man wegschmeißen oder man baut daraus einfach Musikinstrumente, wie das Kollektiv "Selbstgebaute Musik" aus Berlin.

Umgeben von Clubs, alten Villen und einer Menge Graffitis befindet sich die kleine Werkstatt das Künstlerkollektivs "Selbstgebaute Musik". Hier auf dem RAW-Gelände in Berlin lagern sie Blechdosen, Fahrradreifen oder pinke Kloschüsseln, um aus diesen alten Dingen neue Klänge entstehen zu lassen.

Lea Grönholdt und Hajo Toppius sind Teil des Künstlerkollektivs, das vor allem mit Schulklassen zusammenarbeitet oder große Klanginstallationen im öffentlichen Raum präsentiert. Bei ihrer Arbeit geht es ihnen in erster Linie darum, Musik für alle Menschen zugänglich werden soll, erzählen die beiden.

Eine Skateorgel aus einem alten Schrank

Auf einer Jordanienreise für ein Kunstfestival hat das Künstler- und Künstlerinnenkollektiv beispielsweise zusammen mit Jugendlichen eine sogenannte Skateorgel gebaut. Dafür haben sie Bretter, die sie auf den Straßen von Amman gefunden haben, zusammengeschraubt und darunter Mikrofone befestigt.

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Diese haben sie dann an einen Computer und eine Loop-Station angeschlossen. Sind die Skater und Skaterinnen über das Bretterkeyboard gefahren, kamen unterschiedliche Töne heraus, berichtet Lea.

"Wir haben dann noch so einen alten Schrank gefunden auf der Straße und auch aus Teilen daraus das Skatekeyboard gebaut und das sah dann am Ende richtig, richtig cool aus."
Lea Grönholdt, Künstlerin des Kollektivs "Selbstgebaute Musik" aus Berlin

Ballontröte zum Nachbauen

Auch unser Deutschlandfunk-Nova-Reporter Maximilian Brose hat zusammen mit Hajo ein Instrument gebaut: eine Ballontröte aus einem grauen Plastikrohr, Klebeband, Luftballons und einem Gartenschlauch.

Zwei Männer mit Masken und einem Rohr in der Hand
© Deutschlandfunk Nova | Maximilian Brose
Reporter Maximilian Brose (links) mit Hajo Toppius (rechts), Mitglied des Künstlerkollektivs "Selbstgebaute Musik"

Dabei haben sich Hajo und Maximilian am Aufbau von Holzblasinstrumenten wie Oboen oder Klarinetten orientiert. Der Gartenschlauch dient als Mundstück, aus den Luftballons werden dünne Gummihäute, die beim Reinblasen vibrieren wie die Stimmblätter einer Oboe.

Zwischen zwei Rohrteilen hat Maximilian noch eine Rohrweiche mit zwei Öffnungen befestigt. An die untere der beiden Öffnungen ist eine Pappklappe aus einem alten Pizzakarton gekommen. Durch das Öffnen und Schließen der Pappklappe entstehen dann beim Reinpusten unterschiedliche Töne. Ganz so überzeugt ist Maximilian Brose nicht von der Musikalität seines selbstgebauten Instruments. Aber darum geht es primär auch gar nicht, findet Hajo.

Musizieren für alle

Für Hajo Toppius müssen die Instrumente oder die produzierten Klänge meist gar nicht so hochklassig klingen, es gehe eher um das Wow-Gefühl, wenn man plötzlich selbst Gegenstände zum Klingen gebracht hat.

"Uns geht es dann oft auch um den Moment und dieses kleine Wow, wenn man selber einen Ton erzeugt hat."
Hajo Toppius, Künstler des Kollektivs "Selbstgebaute Musik" aus Berlin

Auf den Instrumenten, die das Kollektiv auf Festivals ausstellt, sollen deshalb alle Menschen spielen können, ganz gleich, wie viel oder wenig musikalische Erfahrung sie haben. Auf einem Festival am 5. September (2021) werden sie beispielsweise ein Rieseninstrument, das aus mehreren Modulen besteht, aufbauen. Eines davon ist der "Tropfer".

Dabei hängen ein einem zwei Meter hohen Holzgestell mehrere Wasserflaschen. Mit Ventilen von Infusionsgeräten können die Menschen dann steuern, wie viele Wassertropfen in welcher Geschwindigkeit auf Mikrofone tropfen. Die Tropfsignale landen dann über ein Mischpult in einem Drumcomputer – fertig ist ein elektronisches Schlagzeug aus Wassertropfen und ein DIY-Instrument, mit dem alle Musik machen können.