Die Europäische Union möchte Unternehmen dazu bringen, Produkte so herzustellen, dass wir sie leichter reparieren und wiederverwenden können. Mit einer derartigen Kreislaufwirtschaft schonen wir die Umwelt und unser eigenes Portemonnaie. Der Abfallexperte der Deutschen Umwelthilfe, Philipp Sommer, findet das nicht nur sinnvoll, sondern hat auch Spaß dabei.

Grundsätzlich ist Upcycling eine sehr sinnvolle Sache, sagt Philipp Sommer. Er ist Experte für Kreislaufwirtschaft, Abfall und Recycling bei der Deutschen Umwelthilfe. Eine rechtliche Definition für Upcycling gebe es nicht.

Zwischen Wiederverwendung und Recycling

Der Experte nimmt daher seine eigene vor: Upcycling liege irgendwo zwischen Wiederverwendung und Recycling, konkret sei es die Wiederverwendung eines Gegenstands für einen anderen Zweck.

Beispiel: Die alte Jeans hat ein Loch. Wird das repariert, kann sie für den gleichen Zweck wiederverwendet werden. Wenn das nicht mehr möglich ist, weil schon zu viele Löcher in der Hose sind, könnte man daraus beispielsweise eine Einkaufstasche nähen. Dadurch wird die Jeans einem neuen Zweck zugeführt.

Wenn dann auch die Lebenszeit der Jeans-Tasche zu Ende geht, kann immerhin der Stoff noch so recycelt werden wie eine normale Jeans. Durch dieses Vorgehen werde ein hoher Wert an Umweltnutzung geschaffen, sagt Philipp Sommer.

Rohstoffmarkt fürs Upcycling

Wer stärker ins Upcycling einsteigen will, aber die eigenen "Rohstoffe" zu Hause schon aufgebraucht hat, findet auf Flohmärkten oder Portalen Nachschub. Eigentlich sei auch der Sperrmüll eine gute Quelle. Doch aus rechtlichen Gründen - obwohl ökologisch sinnvoll - dürfen wir uns nicht am Sperrmüll bedienen.

Philipp Sommer schlägt stattdessen vor, dass wir uns an die örtlichen Entsorgungsunternehmen wenden. "Die sind berechtigt, Müll wieder auszuhändigen." Oft sei es rechtlich sogar vorgeschrieben, dass geprüft werden muss, ob der Müll sich für eine Wiederverwendung oder ein Upcycling eignet. Alte Elektrogeräte etwa gingen oft direkt ins Recycling, obwohl vorher geprüft werden müsste, ob sie nicht doch noch repariert und wieder verwendet werden könnten.

"Reparieren macht mir Spaß."
Philipp Sommer, Experte für Kreislaufwirtschaft, Abfall und Recycling bei der Deutschen Umwelthilfe

Von sich selbst sagt der Abfall-Experte, dass er Upcycling manchmal ganz gerne macht. Er versuche aber grundsätzlich, gebrauchte Dinge zu kaufen und sie zu reparieren. Wenn das nicht möglich sei, würde er Hochwertiges mit Zertifikat kaufen.

EU gegen Wegwerfobjekte

Die Europa-Abgeordneten haben einem Aktionsplan der EU-Kommission am 10. Februar zugestimmt. Darin fordern sie die Mitgliedstaaten unter anderem auf, die Kreislaufwirtschaft in ihre jeweiligen Corona-Aufbaupläne mit einzubeziehen. EU-Umweltkommissar Virginijus Sinkevicius hatte eine Kreislaufwirtschaft vor den Abgeordneten als "Dreifachsieg für Menschen, Planeten und Wohlstand" bezeichnet.

Konkret wollen die Abgeordneten etwa verbindliche Ziele sehen, um den Materialverbrauch bis 2030 entscheidend zu senken. Innerhalb der nächsten 30 Jahre soll zudem der Übergang von einer linearen zu einer vollständigen Kreislaufwirtschaft geschafft werden. Dabei sollen Abfälle auf ein Minimum reduziert und weniger Primärressourcen genutzt werden.

Neben dem Abfallmanagement wollen die EU-Abgeordneten vor allem auch den Designprozess in den Blick nehmen, damit kaputte Einzelteile einfacher ausgetauscht werden können und Produkte gar nicht erst zu Wegwerfobjekten werden. Jetzt fehlt noch einen Gesetzesvorschlag mit verpflichtenden Vorgaben zur Langlebigkeit und Reparierbarkeit für alle Produktgruppen auf dem Binnenmarkt.