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Einfach mal wieder in den Urlaub fahren - das wird wohl noch ein bisschen dauern. Doch in Schleswig-Holstein werden Urlaubsangebote nun probeweise getestet, um zu sehen was im Sommer vielleicht möglich sein könnte.

In Eckernförde, der Schlei-Region und bald auch in Nordfriesland und der Lübecker Bucht wird in Modellprojekten getestet, ob Tourismus möglich ist, ohne dass die Inzidenzwerte wieder steigen. Der Norden Deutschlands ist damit eine Ausnahme.

"Die Modellversuche sind auf vier Wochen angelegt - unter der Bedingung, dass die Sieben-Tage-Inzidenz stabil unter 100 liegt. Sonst wird abgebrochen."
Martin Schütz, Deutschlandfunk Nova

Wer mal wieder in Urlaubsstimmung kommen möchte, muss in den Regionen eine Unterkunft finden, die am Modellprojekt teilnimmt, erklärt Deutschlandfunk Nova Reporter Martin Schütz. Bei Anreise muss dann ein negativer Antigen-Schnelltest vorliegen, der nicht älter als 48 Stunden ist. Je nach Region muss der Test vor Ort dann nach unterschiedlichen Zeitintervallen wiederholt werden.

Sind all diese Voraussetzungen erfüllt, dann können die Gäste sogar ins Restaurant - vorausgesetzt, sie hinterlegen ihre Daten per Luca-App oder in einem Formular.

Nur noch wenig Unterkünfte zu haben

Wie groß die Sehnsucht nach ein wenig Urlaub ist, lässt sich an der Auslastung erkennen: Nach zwei Wochen sind fast 80 Prozent der Unterkünfte in Eckernförde belegt. Die Überraschung: Die Inzidenzwerte sind in dieser Zeit nicht gestiegen, sondern stark gesunken.

"Am Anfang des Projekts lag die Inzidenz vor Ort zwischen 40 und 50. Aktuell liegt sie seit drei Tagen bei 18,4. Die Annahme, dass Tourismus zusätzliche Infektionen einschleppt, können wir derzeit nicht bestätigen."
Stefan Borgmann, Geschäftsführer der Eckernförde Touristik & Marketing GmbH

Obwohl Menschen aus der gesamten Republik anreisen, um ein wenig Nordseeluft zu schnuppern, ist die Inzidenz auf einem stabilen niedrigen Niveau. Das freut die Tourismusbranche. Stefan Bergmann ist Geschäftsführer der Eckernförde Touristik GmbH und hofft, dass die Inzidenz auch dann nicht steigt, wenn noch mehr Gäste anreisen - damit das Modellprojekt verlängert wird.

Erfolgreiche Konzepte

Die Modellprojekte im Norden Deutschlands sind vielversprechend. Markus Pillmayer ist Professor für Tourismuspolitik und lobt die Konzepte, weil sie sich nicht nur auf eine Facette des touristischen Geschehens fokussieren, sondern insgesamt darauf angelegt sind, das Infektionsrisiko niedrig zu halten.

"Ich kann nur hoffen, dass sich insbesondere die Reisenden ihrer Verantwortung bewusst sind. Denn eins muss uns klar sein: Wenn das nicht funktioniert, dann war es das bis auf absehbare Zeit erst mal wieder."
Markus Pillmayer, Professor für Tourismuspolitik der Hochschule München

Sollen die Modellprojekte auch weiterhin erfolgreich sein, müssen aus seiner Sicht vor allem die Gäste mitspielen und sich an die Regelungen halten. Dann gibt es auch die Chance, dass weitere Regionen nachziehen.

Denn obwohl die Inzidenzwerte in Niedersachsen auf den Ostfriesischen Inseln zum Beispiel niedrig sind, zögern diese Regionen noch damit, die Tore für den Tourismus zu öffnen.