Es ist eine Ankündigung, die in den USA für Aufregung sorgt: Amazon, JP Morgan und Warren Buffet wollen das US-Gesundheitssystem aufmischen und so etwas wie eine Krankenkasse gründen. Das alles zunächst nur für die eigenen Mitarbeiter, später vielleicht auch für alle US-Bürger.

In einer Ankündigung der drei Big Player Amazon, JP Morgan und Warren Buffet gaben die Unternehmen diese Woche bekannt, sie wollen eine "independent health care company", also eine unabhängige Gesundheitswesensfirma gründen, ohne die Absicht, damit Gewinne zu erzielen, so unser Reporter Michael Gessat. Für die Kooperation hätten alle drei Firmen Spitzenpersonal abgestellt.

Das US-Gesundheitssystem – wenig effektiv und teuer

JP Morgan sei als größte US-Bank nicht weit vom Versicherungsgeschäft entfernt. Auch Warren Buffet habe viele Versicherer in seinen Fonds, sagt Michael Gessat. Aber auch Amazon ist schon im US-Gesundheitsmarkt involviert - nämlich als Anbieter beziehungsweise Zwischenhändler von Pharmazeutika. Wie das Blog Stratechery analysiert, könnte das Lager- Liefer- und Abrechnungssystem genutzt werden, um einen Teil des US-Gesundheitsmarktes unter die Fittiche zu nehmen und Kosten- und Effizienzvorteile rauszuschlagen, so  Michael Gessat.

"Die Aussage der Firmenchefs war: Das US-Gesundheitssystem sei nach wie vor eine Katastrophe, man wolle da für die eigenen Mitarbeiter etwas Besseres auf die Beine stellen."
Michael Gessat, Deutschlandfunk Nova

Kostenersparnis und Mitarbeiterbindung

Mit ihren vielen Tausend Beschäftigten wären die drei Unternehmen eine relevante Größe im Markt. Kostenersparnis durch eine Art Rabatt ist die eine Seite:

"Eine Rolle spielt sicher auch die Mitarbeiterbindung. Eine Krankenversicherung zu organisieren, ist eben ein ganz wichtiges Argument als Arbeitgeber."
Michael Gessat, Deutschlandfunk Nova

Chinesische IT-Konzerne wie Alibaba und Tencent hätten das schon lange erkannt. "Zugleich preschen diese beiden Firmen dann auch in Technologien vor, die im chinesischen Gesundheitssystem insgesamt vielleicht noch sehr fortschrittlich sind: Ferndiagnose oder Diagnose per künstlicher Intelligenz", so Gessat.

Krankenakte auf dem Smartphone

In der Ankündigung der Unternehmen war auch von neuen Technologien die Rede. "Möglicherweise sind damit Ideen gemeint, die so etwa in Richtung unserer Gesundheitskarte gehen", so Gessat. Die drei Unternehmen könnten die Daten ihrer Kunden nutzen, um beispielsweise per App Patienten und Ärzte schneller und passender zueinander bringen. "Übrigens kommt etwas in die Richtung, die Krankenakte auf dem Smartphone, ja auch mit der nächsten iOS-Version auch von Apple", sagt unser Reporter.