Am 3. November wird in den USA gewählt. Herausforderer Joe Biden liegt in den Umfragen vorne, aber das Mehrheitswahlsystem ist für Überraschungen gut. Der Wahlausgang ist entscheidend – für die USA und auch für Europa.

Die Schlammschlacht ist geschlagen, nervige TV-Debatten sind ebenso vorbei wie die verstörend wirkenden Wahlkampfauftritte eines US-Präsidenten, der die Gefahr der Coronavirus-Pandemie ausblendet.

Während Donald Trump wie ein Lautsprecher durchs Land gezogen ist, hat sich sein Herausforderer Joe Biden eher zurückhaltend und moderat mit Videobotschaften aus dem Keller seines Hauses an die Wählerinnen und Wähler gewandt. Die Umfragen kurz vor dem Wahltag sind eindeutig: Biden führt mit etwa zehn Prozentpunkten vor Amtsinhaber Trump.

In den USA gilt das Mehrheitswahlsystem

Aber das US-amerikanische Mehrheitswahlsystem ist für Überraschungen gut: Je nach Einwohnerzahl entsenden die Bundesstaaten Wahlleute ins "Electoral College": Diese Männer und Frauen geben demjenigen Kandidaten ihre Stimme, die den Bundesstaat gewonnen haben, von dem sie entsandt wurden. Es ist also wichtig, die Mehrheit der Wahlleute im "Electoral College" zu bekommen.

Ein Mann trägt auf seinem Hemd einen Aufkleber, auf dem "I voted" steht; er hat gerade seine Stimme abgegeben, in der Stadt Clearwater, im US-Bundesstaat Florida (19.10.2020)
© Imago Images I ZUMA Wire
2020 gibt es in den USA einen Ansturm auf die frühe Stimmabgabe.

2016 wurde Donald Trump zum Präsidenten gewählt, obwohl er landesweit rund drei Millionen Stimmen weniger auf sich vereinen konnte als Hillary Clinton. Trump hatte aber die Bundesstaaten gewonnen, die die meisten Wahlleute stellten, sodass er trotz weniger Stimmen als Sieger aus der Wahl ging.

Der Wahlausgang ist entscheidend für die Innen- und Außenpolitik

Die Wählerinnen und Wähler in den USA entscheiden meist nach innenpolitischen Gesichtspunkten: Welchen Einfluss haben die Proteste der "Black Lives Matter"-Bewegung? Wie geht es mit der gesetzlichen Krankenversicherung weiter? Welchen Weg schlagen die USA bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie ein und wie kann die Spaltung der Gesellschaft überwunden werden?

Außenpolitisch muss die zukünftige Rolle der USA in der Weltpolitik geklärt werden: Zieht sich die größte Militärmacht aus den weltweiten Konflikten zurück? Besinnt sie sich auf eine Politik des "Amerika den Amerikanern" und hinterlässt ein machtpolitisches Vakuum? Welche Rolle werden die USA in der NATO und anderen internationalen Organisationen einnehmen oder ziehen sie sich gar zurück?

Die beiden Kandidaten haben zu diesen und anderen Fragen sehr unterschiedliche Positionen, der Wahlausgang ist also für die USA – aber auch für Europa – von großer Bedeutung.

Ihr hört außerdem in Eine Stunde History:

  • Der Historiker und USA-Experte Bernd Greiner erläutert die Position, die die USA in der internationalen Politik eingenommen haben.
  • Die Historikerin Britta Waldschmidt-Nelson fasst die innenpolitische Lage in der Zeit der Präsidentschaft von Donald Trump zusammen.
  • Der Leiter des ZDF-Studios in Washington, Elmar Theveßen, sieht eine "Zerstörung" der Werte Amerikas durch Donald Trump.
  • Anya Leonhard ist Mitglied bei den Democrats Abroad und setzt ihre Hoffnungen auf einen Wahlsieg von Joe Biden.
  • Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte Matthias von Hellfeld erinnert an die Monroe-Doktrin, mit der die USA 1823 den Anspruch "Amerika den Amerikanern" erhoben hat.
  • Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Grit Eggerichs schildert, wie es nach der Unabhängigkeit zur Monroe-Doktrin am 2. Dezember 1823 kam.