Paulina, eine Berliner Schülerin, hat ein Auslandsschuljahr in den USA verbracht. Sie konnte erst nicht verstehen, warum in Minnesota alle Trump-Anhänger sind.

Paulina Unfried in der ZDF-Talkshow "Mybrit Illner" am 03.11.2016
© imago | Müller-Stauffenberg
""Es war für mich unvorstellbar. Ich kam dort an in diesem kleinen Dorf und auf einmal waren alle Trump-Fans," erzählt Paulina.

Minnesota hat eine mittlere US-Bundesstaatengröße und liegt im Norden an der Grenze zu Kanada. Historisch ist Minnesota von Land- und Forstwirtschaft geprägt. Große Industrien haben sich seit der Industrialisierung angesiedelt. Knapp zwei Drittel der Bevölkerung leben in der Metropolregion Minneapolis-Saint Paul. Paulina Unfried hat aber nicht dort ihr Auslandsschuljahr verbracht, sondern auf dem Dorf.

Die Trump-Wähler

Das ist schon Kulturschock genug: Raus aus dem bunten Berlin, rein in ein hinterwäldlerisches US-Dorf. Der größere Schock für Paulina war aber die Einstellung der Menschen, auf die sie in dem Dorf traf. Sie, eher linksliberal, offen und tolerant, trifft auf Trump-Fans.

"Ich war praktisch kaum aus dem Flugzeug raus, da wurde ich schon auf die Jagd geschickt."
Paulina Unfried

Für viele Wähler in Minnesota ist die Jagd sehr wichtig, sagt Paulina. Sie werden Trump wählen, weil er ihnen nicht die Waffen wegnehmen wird, resümiert die Schülerin. In ihrer Gastfamilie seien alle leidenschaftliche Jäger, erzählt sie. Weil sie aber nach Aussagen von Hillary Clinton befürchten, dass sie ihre Waffen abgeben müssen, "können sie auf keinen Fall Hillary wählen".

"Alle Freunde, die ich dort hatte, waren knallharte Trump-Fans."
Paulina Unfried

Außerdem sei Abtreibung ein großes Thema in Minnesota, sagt Paulina. "Sie nennen das immer so schön "pro-life" - gegen Abtreibung, für das Leben," erklärt die Schülerin. Deswegen würden sie nie Hillary Clinton wählen, weil sie "pro-choice" - für die Entscheidungsfreiheit - ist.

Religiosität hat einen besonderen Stellenwert in Minnesota, sagt Paulina. Hillary Clinton ist alles andere als religiös, ein weitere Punkt für die Menschen in Minnesota, sie nicht zu wählen. Aber egal, ob religiös, für oder gegen Abtreibung, Waffenbesitz oder nicht, viele der Erst- und Jungwähler fühlten sich von Donald Trump verstanden, beschreibt Paulina die Situation vor Ort.

Populist Trump kommt bei Erstwählern an

"Was meine Freunde gut an Trump finden, ist, dass sie ihn gut verstehen. Er redet nicht in Hieroglyphen, wie die Erwachsenenwelt das manchmal tut," erklärt die 17-Jährige. Viele ihrer Generation in den USA hätten Angst vor den Kulturen der Migranten, weil sie deren Welt nicht kennen würden. Trump greift genau diese Ängste auf, äußert sich ähnlich, "da fühlen sie sich halt verstanden", sagt Paulina.

"Es hat dann irgendwann klick gemacht, dass ich gesagt habe: Okay, ich verstehe, wie ihr denkt und ich respektiere es, auch wenn ich nicht so denke."
Paulina Unfried, Austauschschülerin

Für Paulina war es ein schwieriger Prozess, von ihrer liberalen und toleranten Einstellung ausgehend, ihrer Gastfamilie einfach zuzuhören, wenn sie gegen Schwule oder Ausländer hetzten. Reflexartig hätte sie sofort dagegen argumentiert.

"Wäre ich dort unter den gleichen Voraussetzungen aufgewachsen, würde ich wahrscheinlich auch finden, dass Trump meine Meinung besser vertritt."
Paulina Unfried, Austauschschülerin

Mit der Zeit hat die Schülerin festgestellt, dass diese Einstellung sie nicht weitergebrachte. Ganz im Gegenteil: Die direkte Konfrontation bedeutete für sie Ausgrenzung. So wollte sie aber die zehn Monate Auslandsschuljahr nicht verbringen. Deshalb hätte sie angefangen, den Menschen erst einmal zuzuhören. Bei ihr hätte es dann irgendwann im Kopf klick gemacht. Von da an hätte sie verstanden, wie die Menschen in Minnesota denken.

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