Wenn Donald Trump eine Rede hält, finden das viele gut, viele aber ziemlich schlicht und plump. Dabei ist Donald Trump alles andere als rhetorisch planlos.

Das erste TV-Duell zwischen dem US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump und seinem Herausforderer Joe Biden war nicht schön. Trump beleidigte, ließ Biden nicht aussprechen, sie hörten sich nicht zu. Eine unwürdige Veranstaltung. Die Konsequenz: Beim nächsten TV-Duell gibt es eine Stummschalttaste, einen Maulkorb sozusagen.

Trumps Rhetorik in vier Punkten

Dabei ist Donald Trump rhetorisch eigentlich gar nicht so schlecht, wie er oft beschrieben wird, sagt Moritz Kirchner. Der Politikwissenschaftler schreibt auch selbst Reden für Politikerinnen und Politiker. Trumps Stil lasse sich durch vier Punkte charakterisieren:

  1. Kurze Sätze und einfache Botschaften (er wird verstanden)
  2. Ingroup-Outgroup-Rhetorik (wir, die Amerikaner, die Republikaner, die Anständigen gegen die anderen)
  3. Alliterationen (Zwei Worte mit denselben Anfangsbuchstaben folgen aufeinander, "Nasty Nancy" zum Beispiel. So prägt er Slogans)
  4. Abwertung und Verdrängung (alles, was ihm nicht passt, wird als Hexenjagd oder als sogenannte "Fake News" bezeichnet)

Mit diesen Punkten hat Trump durchaus einen eigenen rhetorischen Stil geprägt, meint Moritz Kirchner.

"Seit Beginn seiner Amtszeit setzt sich Trump über rhetorische Regeln hinweg."
Moritz Kirchner, Politikwissenschaftler und Redenschreiber

In diesem Stil wende sich Trump an seine Stammwählerschaft: weiße, eher schlecht gebildete Männer. "Worauf er sich verlässt, ist, dass diese Leute alle wählen gehen", sagt der Politikwissenschaftler. "Die Republikaner versuchen ja auch, das Wahlrecht für andere Gruppen einzuschränken."

Auch versuche Donald Trump, seine Stammwähler bei ihren konservativen Werten abzuholen: Es gehe um das Verbot von Abtreibungen, das Recht von Waffenbesitz, christlichen Glauben. "Mit dieser wertebasierten Ansprache übertüncht Trump auch, dass er teilweise ihren Interessen zuwiderläuft und nicht gerade als vorbildlicher Christ durchgehen kann", sagt Moritz Kirchner.

"Beim ersten TV-Duell war es Trumps Strategie, die inhaltliche Diskussion zu zerstören."
Moritz Kirchner, Politikwissenschaftler und Redenschreiber

Dem konsequenten und hartnäckigen Stil von Trump sei wenig entgegenzusetzen: "Seit Beginn seiner Amtszeit setzt er sich über rhetorische Regeln hinweg", urteilt Moritz Kirchner. Der Präsident wisse auch, dass er auf der Faktenebene wenig zu bieten habe, darum arbeite er mit Ängsten und mit Ressentiments.

Er präsentiere sich als Anti-Establishment, derjenige, der sich nicht an die politischen Regeln hält, so Kirchner: "Darum ist es aus seiner Sicht auch konsequent, so zu handeln, auch wenn das allen Vorstellungen von Diskurs zuwiderläuft."

Damit könne Trump immer noch Menschen überrumpeln, etwa den Moderator des ersten TV-Duells, Chris Wallace. "Trumps Strategie war es, die inhaltliche Diskussion zu zerstören", sagt Moritz Kirchner. "Manche haben immer noch nicht verstanden, wie ruchlos er dabei vorgeht."