Michael Bloomberg hat zum ersten Mal am TV-Duell der US-Demokraten teilgenommen. Das zeigt: Er fährt eine andere Strategie als seine Mitstreiterinnen und Mitstreiter. Denn der Milliardär hat so viel Geld, er kann damit fast alles richten, meint unser USA-Korrespondent.

Er löse Probleme, schaffe neue Jobs, und sei ein Anführertyp – so inszeniert sich Michael Bloomberg in Werbespots und Internetkampagnen als Kandidat der Demokraten im US-Wahlkampf, sagt unser Korrespondent in Whashington Thilo Kößler.

Michael Bloomberg ist präsent – egal über welchen medialen Ausspielweg. Das hat auch etwas mit seinem Reichtum zu tun. Das Privatvermögen des ehemalige Bürgermeisters von New York betrage 60 Milliarden US-Dollar, heißt es. 400 Millionen US-Dollar soll er schon in seine Werbekampagne investiert haben, was doppelt so viel Budget ist, wie das von den übrigen demokratischen Kandidaten zusammen.

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Bloomberg bezahlt Leute, die Meinung beeinflussen

Michael Bloomberg fährt einen anderen Kurs als seine Mitstreiterinnen und Mitstreiter: Die ersten vier Vorwahlen im Februar lässt er zum Beispiel aus. Er konzentriert sich stattdessen auf den Super Tuesday am 3. März, an dem 14 Staaten gleichzeitig abstimmen. Wahlkampfbeobachter halten das für eine ungewöhnliche Strategie und sind skeptisch, ob der Plan von Michael Bloomberg tatsächlich aufgehen kann.

Für gewöhnlich nutzen die Präsidentschaftskandidaten die vier ersten Vorwahlen vor dem Super Tuesday, um sich von Runde zu Runde immer mehr ins Gespräch zu bringen. Das ist eine mediale Strategie, die den Kandidaten ausreichend Rückenwind verschaffen soll – eigentlich. "Michael Bloomberg hat so viel Geld: Er bezahlt viele Anzeigen, er bezahlt Leute, die die Meinung beeinflussen. Mit seinem Geld kann er eben alles richten", erklärt Deutschlandfunk-Korrespondent Thilo Kößler aus Las Vegas.

Angst vor einer Herrschaft der Milliardäre

Die Wahlkampfstrategie von Michael Bloomberg sorgt in den USA für sehr starke Kritik hinsichtlich der Rolle des Gelds, sagt Thilo Kößler. Die Gegner des ehemaligen Bürgermeisters von New York werfen ihm vor, sich neben seiner Kandidatur auch eine mögliche Normierung als Vertreter der Demokraten und letztendlich die Präsidentschaft zu kaufen. Für viele der Demokraten ist klar: Michael Bloomberg soll nicht ihre Leitfigur sein, berichtet der Deutschlandfunk-Korrespondent.

"Die Demokraten sind sich einig: Michael Bloomberg soll nicht unsere Leitfigur sein."
Thilo Kößler, Deutschlandfunk-Korrespondent in Washington

Das wurde auch bei seiner ersten Teilnahme am TV-Duell der Demokraten am Mittwochabend (19.02.2020) deutlich. Neben seiner Wahlkampffinanzierung durch Privatvermögen haben ihn die anderen Kandidaten auf vielen weiteren Ebenen angegriffen.

"Elizabeth Warren hat gleich zu Beginn aufgezeigt, dass Michael Bloomberg ein Kandidat sei, der Frauen als 'fette Tussis' und 'pferdegesichtige Lesben' bezeichnet", erzählt Thilo Kößler. Und tatsächlich werden immer mehr frauenfeindliche und sexistische Vorfälle um Michael Bloomberg bekannt.

"Elizabeth Warren wollte gleich in ihrer ersten Äußerung klarmachen, gegen wen die anderen Kandidaten da antreten, nämlich einen Milliardär, der Frauen als 'fette Tussis' und 'pferdegesichtige Lesben' bezeichnet."
Thilo Kößler, Deutschlandfunk-Korrespondent in Washington

Trotz alledem mischt er das Feld der demokratischen Kandidaten auf. Pete Buttigieg, Amy Klobuchar und Joe Biden müssen sich jetzt das moderate Lager der Demokraten mit ihm teilen. Ihnen stehen Bernie Sanders und Elizabeth Warren im linken Lager gegenüber. Thilo Kößler sieht Bernie Sanders aktuell weit vorne. Das würden auch Umfrage zeigen.