Die USA sind vorsichtig bei der Auswahl, wer ins Land darf und wer nicht. Eine Software analysiert dafür auch die Social-Media-Profile der Einreisenden - und ermittelt, ob der "Ton" stimmt.

Wer ein Visum für einen USA-Aufenthalt beantragt, oder wer in die USA einreisen möchte, der muss vorab seine Social-Media-Accounts angeben. Im Zweifelsfall will die Einreisebehörde auch die Passwörter haben. Die USA wollen nämlich wissen, wer was bei Facebook postet, twittert und so weiter.

Nun kann kein Beamter manuell die Timelines prüfen, das würde viel zu lange dauern. Eine Software übernimmt das. Und neue Erkenntnisse geben jetzt weitere Hinweise darauf, wie diese Software arbeitet: Sie identifiziert den "Ton" des Veröffentlichten - also Ton im Sinne von Stimmung, inhaltliche Ausrichtung. Das berichtet die US-Wochenzeitung "The Nation".

"Wenn jemand in seinem Social-Media-Account die ganze Zeit von 'Ungläubigen die Hälse durchschneiden' schwafelt oder Bombenbau-Diskussionen führt, wird er eher kein Visum bekommen."
Michael Gessat, Deutschlandfunk Nova

Solche sogenannten Sentiment-Analysen sind nichts Exotisches mehr - auch Unternehmen nutzen sie, um zu analysieren, wie in sozialen Medien über sie gesprochen wird. Wie gut sie tatsächlich funktionieren, ist fraglich.

"Die Wort- beziehungsweise Satzanalyse gibt schon eine bestimmte Tendenz wieder, sowohl was die emotionale Grundstimmung angeht als auch die inhaltliche", sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Michael Gessat. Für die Sicherheitsbehörden sei ein solches Tool auch in erster Linie zur automatischen Vorab-Sichtung gedacht.

"Letztlich sind die Behörden schmerzfrei gegenüber einem Fehl-Ergebnis. Vielleicht wird auch jemand zu Unrecht nicht ins Land gelassen."
Michael Gessat, Deutschlandfunk Nova

Wer demnächst in die USA einreisen will, sollte sich tatsächlich zweimal überlegen, was er in den sozialen Medien veröffentlicht, sagt unser Netzreporter: "Das Problem ist, dass intransparent ist, wie ein Sentiment-Algorithmus zu seiner Einschätzung des Tons kommt, und ob die Einschätzung auch wirklich stimmt."