Die US-Regierung möchte internationalen Studierenden die Einreise ab Herbst 2020 verweigern, wenn sie dort nur an Onlinekursen teilnehmen können. Student Moritz Gillmair ist einer von ihnen und findet die Situation absurd.

Die USA sind für Studierende weltweit ein beliebter Studienort. Etwa 1,1 Millionen ausländische Studierende kamen 2018/2019 für ihr Studium in die USA, so das Institut für Internationale Bildung (IIE). Rund 9.200 von ihnen waren deutsche Studentinnen und Studenten.

Die Corona-Pandemie betrifft sie gleich doppelt. Denn: Nachdem die US-Regierung erst die Ausreise für ausländische Studierende ohne Präsenzveranstaltungen Anfang Juli angekündigt hatte – um sie dann eine Woche später wieder zurückziehen – teilte die US-Einwanderungsbehörde am 24. Juli mit: Allen internationalen Studierenden, deren Studium in den USA nur online stattfinden wird, werde die Einreise verweigert. Sie sollen für das nächste Semester im Herbst kein Visum für die USA erhalten.

250.000 Gaststudierende müssten Zuhause bleiben

Dieses Verhalten der US-Regierung findet Student Moritz Gillmair absurd. Der 23-Jährige studiert an der London School of Economics (LSE) und hat ab Januar 2021 ein Austauschsemester an der Yale University geplant.

Damit ist Moritz einer von rund 250.000 internationalen Studierenden, die eigentlich im Wintersemester 2020/2021 in den USA sein würden. Das zumindest schätzt die US-amerikanische Hochschulvereinigung American Council on Education.

Moritz beschreibt die aktuelle Regelung der US-Regierung als Lose-Lose-Situation. Nicht nur, dass er nicht wie geplant in Yale studieren kann, auch das Austauschprogramm seiner Uni in London würde wegbrechen. Das bedeutet: Auch das Studium der US-Studierenden, die nach London kommen sollen, würde anders verlaufen, als von den Unis vorgesehen.

"Es ist ein typisches Beispiel für die destruktive Kraft einer restriktiven Politik und Verboten, die eine Win-Win-Situation zu einer Lose-Lose-Situation machen."
Moritz Gillmair, Student an der London School of Economics

Für die US-amerikanischen Unis wiederum fällt ein Teil ihrer Einnahmen durch die Studiengebühren der ausländischen Studierenden weg. Das dürfte ein Grund sein, warum mehrere US-Universitäten und Bundesstaaten Klage gegen das erste Vorhaben der US-Regierung Anfang Juli eingereicht haben.

Und auch Moritz bekommt aktuell mit, dass sowohl seine Uni in London als auch die Yale University versuchen, die letzte Entscheidung der US-Regierung anzufechten. Im Fall von Moritz hätte die Yale Universtity ohnehin kein Geld eingenommen, weil es sich um ein Austauschprogramm handelt, aber sie verliert einen wichtigen Werbeeffekt, sagt er. Gaststudierende würden den Unis eben auch Prestige einbringen.

US-Regierung schafft Unsicherheiten

Für Planungssicherheit sorgt das Hin und Her bei ihm auf jeden Fall nicht. Für seine Wohnung in London hat er den Mietvertrag verlängert. Sollte er doch in die USA gehen, steht er vor dem Problem, einen Untervermieter für seine Wohnung finden zu müssen. Das sei aufgrund der Coronavirus-Pandemie allerdings schwierig, erklärt er. "Die Planungssicherheit ist also an allen Ecken und Enden nicht gegeben", so Moritz.

"Donald Trump hält mich nicht auf und verdirbt mir auch nicht die Lust."
Moritz Gillmair, Student an der London School of Economics

Trotzdem: Moritz hat noch Hoffnung, dass er sein Austauschprogramm wie geplant durchziehen kann. Und Lust hat er auch weiterhin – am Studium und einem Leben in den USA. Das kann Donald Trump ihm nicht verderben, sagt er.