US-Gamer werden immer wieder Opfer von "Swatting"-Attacken. Unbekannte melden bei der Polizei einen vorgetäuschten Notfall, in der Absicht, einen Einsatz der Polizei-Spezialeinheit auszulösen. Passiert ist das zuletzt bei Gaming-Star Kyle "Bugha" Giersdorf, während er eines seiner Spiele online streamte.

Erst vor zwei Wochen gewann Kyle Giersdorf alias "Bugha" die Fortnite World Cups 2019 und damit ein Preisgeld in Höhe von drei Millionen US-Dollar. Als der 16-Jährige zu Hause in Pennsylvania wieder eines seiner Spiele vor über 38.000 Zuschauern online spielte, wurde er "geswattet".

"Swatting" ist ein Problem in der US-Gamerszene

Das bedeutet: Jemand rief bei der Polizei an und täuschte einen Notfall vor. Oft denken sich die Anrufer schlimme Gewalttaten aus, zum Beispiel Geiselnahmen oder mögliche Bombenanschläge, damit die "Special Weapons And Tactics Unit" (SWAT) ausrückt. Als Folge stürmen schwerbewaffnete Polizisten binnen kurzer Zeit das angegebene Gebäude.

In den USA ist "Swatting" seit mehreren Jahren ein Problem. Das FBI schrieb 2008 schon einen Bericht über die ersten dieser Attacken. "Swatting" sei in den USA auch wegen der vergleichsweise liberalen Waffengesetze besonders beunruhigend, meint Deutschlandfunk-Nova-Reporter Michael Gessat.

"Bei dem ganzen Wahnsinn spielt natürlich auch noch der lockere Finger von US-Polizisten eine Rolle."
Michael Gessat, Deutschlandfunk Nova

Zum Beispiel erschoss ein SWAT-Polizist versehentlich einen 28-jährigen Familienvater bei einem "Swatting"-Fall Ende 2017. Verantwortlich dafür ist ein Anruf eines Gamers, der bei der Polizei von einer Geiselnahme in dem Haus des Opfers berichtete. Im April wurde der Gamer deswegen zu 20 Jahren Haft verurteilt.

Der Fall von Kyle Giersdorf

Auch bei Kyle Giersdorf rückte ein SWAT-Team zum Einsatz an. Die BBC berichtet, dass Kyle zum Zeitpunkt der "Swatting"-Attacke sein Spiel seit über sieben Stunden online streamte, als im Hintergrund die Stimme seinen Vaters zu hören war. Nachdem Kyle ihm erst zurief, dass er gerade nicht mit ihm reden könne, hörten die Gamer Kyle mit "I got swatted?" antworten.

Daraufhin verschwand der Gamer für zehn Minuten aus dem Sichtfeld der Webcam. Im Fall von Kyle Giersdorf ist jedoch nichts passiert. Der Einsatz konnte schnell aufgelöst werden, weil einer der SWAT-Polizisten ein Nachbar von Kyle Giersdorf war, der den Gamer erkannte. Wer hinter dieser Aktion steckt, ist bisher nicht bekannt.