Fressen und gefressen werden, groß gegen klein - so läuft das üblicherweise in der Tierwelt. Am Ende gewinnt der Größere. Aber das ist nicht immer so: Manchmal gewinnt auch ein kleiner Vogel gegen einen größeren. Also David gegen Goliath.

Paul Martin und sein Team von der Queen's University in Ontario haben Geier, Kolibris und mehrere Sperlingsvogelarten untersucht. Sie werteten rund 23.000 Kämpfe zwischen knapp 250 Vogelarten aus. Die einfache Frage war: Wer hat am Ende gewonnen? Wer hat erfolgreicher gepickt, gehackt, gedrängelt oder den Gegner verjagt?

"Bei gut 17 Prozent der Kämpfe war der Sieger am Ende David, also der jeweils kleinere Vogel."
Anna Beerlink

Die Ergebnisse hat das Team im Fachmagazin Plos One veröffentlicht. In der Mehrzahl der Kämpfe hatte der größere Vogel die Oberhand. Aber bei gut 17 Prozent war der Sieger am Ende David, also der jeweils kleinere Vogel.

Ein echter Siegertyp: der Braunweiße Ameisenvogel

Ausgewertet wurden Kämpfe innerhalb einer Vogelfamilie: ganz fair Geier gegen Geier, Kolibri gegen Kolibri. Bei den Geiern war zum Beispiel der Schopfkarakara recht erfolgreich, der zwei größere Arten besiegen konnte. Der stärkste David war ein Sperling, der Braunweiße Ameisenvogel. Er konnte sich gegen vier Arten aus seiner Familie behaupten.

Die kleinen Sieger-Vögel hatten einige Vorteile. Zum Beispiel eine starke Beinmuskulatur und starke Krallen. Außerdem konnten sie im Flug schnell beschleunigen und waren besonders wendig.

Interessant war in der Untersuchung die Erkenntnis, dass der Vorteil des größeren Vogels abnimmt, je weiter die beiden kämpfenden Vogelarten entwicklungsgeschichtlich auseinander liegen. Die Forscher gehen davon aus, dass sich die größeren Vögel im Laufe der Entwicklung auf andere Eigenschaften fokussiert haben und ihre Kampfbereitschaft gegen kleinere Gegner der eigenen Art gewissermaßen vernachlässigt wurde.