Sie sind ökologisch, engagiert und rechtsextrem. In manchen Bundesländern ziehen sogenannte "völkische Siedler" gezielt aufs Land. Sie sind für Naturschutz und gegen Gentechnik. Sie engagieren sich in der Feuerwehr und im Kindergarten. Immer mit dabei: das rassistische Weltbild.

Wem es in der Stadt zu laut, zu voll und zu teuer ist, der kann in den eher dünn besiedelten Ecken von Mecklenburg-Vorpommern oder Niedersachsen glücklich werden. Hier ist es meistens eher still und leer - und günstige Resthöfe gibt es auch. Nur: Immer öfter begeistern sich nicht nur stadtmüde Öko-Spießer für das Leben auf dem Land, sondern auch Öko-Nazis, sogenannte "völkische Siedler".

"Sie ziehen aufs Land, weil sie glauben, dass sie dort nicht so vielen unterschiedlichen Lebensweisen ausgesetzt sind. Weil sie denken, dass sie ungestörter ihre extrem rechte Weltanschauung leben können."
Anna Schmidt, Amadeu-Antonio-Stiftung (AAS)

Rassistischer Schnack über den Gartenzaun

Meistens, so Schmidt, zeigen sich die rechten Bauern nicht offensiv als Mitglieder einer bestimmten Partei oder Gruppierung. Meistens würden sie hilfsbereit und freundlich auftreten. Da sie sehr motiviert seien, glaubten die Leute, dass sie engagierte neue Nachbarn haben, die auch mal anpacken und Leben ins Dorf bringen.

"Sie engagieren sich in der Freiwilligen Feuerwehr oder im Sportverein. Aber beim Schnack über den Gartenzaun erwähnen sie beiläufig Volk, Rasse und Kameraden."
Anna Schmidt, Amadeu-Antonio-Stiftung (AAS)

Rechte Avantgarde

Die Rechten engagieren sich auch für den Umweltschutz. Sie sind gegen Gentechnik, gegen Braunkohleabbau, gegen Massentierhaltung. Allerdings: "Sie nutzen den Bezug zum Naturschutz nur als Rechtfertigung ihrer eigenen Ideologie", sagt Anna Schmidt.

Innerhalb der rechten Szene betrachten sich die "völkischen Siedler" als Avantgarde. Schon Anfang des 20. Jahrhunderts gab es eine völkische Bewegung. In einer Broschüre definiert es die Amadeu-Antonio-Stiftung so: "Sie halten es für ein Naturgesetz, dass nur eine 'rein' deutsche Abstammung den Erhalt des 'Volkes' sichern könne und die deutsche 'Volksgemeinschaft' allen anderen Menschengruppen überlegen sei."