Salafistische Organisationen, die in Flüchtlingsunterkünften Essen verteilen - aber nur an Muslime. Der Verfassungsschutz warnt davor, dass besonders junge Flüchtlinge in Deutschland von Islamisten umworben werden könnten.

Sehr viele der Flüchtlinge, die derzeit in Deutschland ankommen, sind gerade erst vor Islamisten geflohen - etwa vor der Terrormiliz IS in Syrien oder im Irak. Trotzdem befürchtet der Verfassungsschutz laut ARD-Terrorismusexperte Michael Götschenberg, "dass die Not bei einigen so groß ist, dass sie nach jedem Strohhalm greifen". Und dass dann die Gefahr besteht, dass sie sich von Islamisten anwerben lassen, die ihnen vorgeblich nur helfen wollen.

"Gegen Hilfsangebote von salafistischen Organisationen ist ja zunächst mal nichts einzuwenden - die Frage ist nur: mit welcher Absicht?"
ARD-Terrorismusexperte Michael Götschenberg

Bis jetzt habe der Verfassungsschutz allerdings nur in Einzelfällen entsprechende Beobachtungen gemacht, berichtet Michael Götschenberg. So sei etwa in Berlin eine Flüchtlingsunterkunft von Mitarbeitern eines salafistischen Moscheevereins besucht worden, die Essen verteilt haben - allerdings nur an Muslime. Die Betreiber der Unterkunft hätten den Helfern daraufhin einen Platzverweis erteilt. Götschenberg sagt: "In Flüchtlingsheimen werden Missionierungsversuche aller religiöser Gruppen unterbunden - das trifft auch christliche Organisationen."

Islamisten zuvorkommen

Auch im Netz kursierende Aufrufe lassen den Verfassungsschutz nervös werden - wie etwa der des bekannten deutschen Salafisten Pierre Vogel. Der habe seine Anhänger bereits dazu aufgerufen, in Flüchtlingsheime zu gehen, Muslime dort zum beten aufzufordern und zu verhindern, dass sie von anderen missioniert werden. "Da merkt man schon, wo die Reise hingehen soll", meint Michael Götschenberg.

Um solchen möglichen Rekrutierungsversuchen von Islamisten entgegenzuwirken, müsse die Bevölkerung sensibilisiert werden, denn: "Die, die zuerst Hilfe leisten, können radikalen Salafisten zuvorkommen", sagte Michael Götschenberg im Gespräch mit DRadio Wissen und "je schneller sich Flüchtlinge in der Mitte der Gesellschaft fühlen, umso besser".