Was laut den Corona-Regeln möglich ist und was nicht, scheint gerade unübersichtlich. Wie wir uns innerhalb der Vorgaben verhalten und ob wir uns daran halten, entscheidet jede und jeder selbst. Doch woran sollen wir uns orientieren? Sich mit anderen zu vergleichen bringt schon mal nichts, sagt die Psychologin Laura Klimecki.

Seit Monaten werden wir mit ständig veränderten Corona-Regeln konfrontiert. Je länger die Pandemie andauert, desto öfter stehen wir vor der Frage, wie wir uns verhalten sollen. Ein Urlaub in der Lüneburger Heide ist zum Beispiel momentan nicht möglich, auf Mallorca aber schon. Machen wir jetzt das, was aus Sicht des Infektionsschutzes richtig erscheint oder orientieren wir uns an dem Verhalten anderer?

Unzufriedenheit mit dem Verhalten anderer wächst

Jan Delhey, Soziologe an der Universität Magdeburg, untersucht die Moral in der Coronavirus-Pandemie. Dafür hat er und sein Team Menschen gefragt, wie sie das Verhalten anderer unter Corona-Bedingungen einschätzen. Dabei hat sich gezeigt, dass zu Beginn der Pandemie etwa 50 Prozent der Befragten mit dem Verhalten der Mitbürger und -bürgerinnen zufrieden waren. Aktuell liege der Wert nur noch bei einem Drittel.

Vergleichen führt zu nichts

Immer mit einem moralischen Blick auf das Verhalten anderer zu schauen, sorgt nur dafür, dass wir uns mit ihnen vergleichen. Meinen wir etwa, einen besseren Standard zu haben als andere, fühlen wir uns für einen kurzen Moment überlegen, sagt Psychologin Laura Klimecki. Das mache uns aber nicht glücklicher.

"Ich bin der Maßstab, ich vergleiche mich mit mir, ich überlege, ob das für mich in Ordnung ist, ob ich mit den Konsequenzen meiner Entscheidungen, meiner Handlungsweisen leben kann: ja oder nein."
Laura Klimecki, Psychologin

Deshalb sollte das Ziel des Einzelnen eher sein, eigene Standards zu bilden, statt die anderer zu hinterfragen.

Svenja Schnepel, wegen ihrer Doktorarbeit in Geschichte sowieso gerade in einer Art Quarantäne, kann sich hineindenken, wie ärgerlich es sein kann, wenn sich andere kaum bis gar nicht an die Corona-Regeln halten. "Das eigene Verhalten, die eigene Selbstbeschränkung, die man gelebt hat, wird damit wertlos", sagt sie.

Eigene Standards bilden

Svenja Schnepel erklärt, wie sie ihre Standards defininiert und nennt das, ihren eigenen Kompass justieren. Möchte sie sich zum Beispiel mit jemanden treffen, erzählt sie davon, was sie gemacht hat, wen sie getroffen hat, ob sie etwa gerade Halsschmerzen hat. So kann die andere Person und sie selbst einschätzen, wie risikoreich ein Treffen sein könnte. Für Svenja Schnepel ist das ein Weg der Orientierung und der gemeinsamen Entscheidung.