350 Euro für einen Tuberkulosekranken spenden oder 100 Euro Bargeld bekommen? Langfristig sind wohl Egoisten glücklicher – so das Ergebnis eines ökonomischen Versuchs mit 300 Probanden.

Prosoziales Verhalten – also Spenden beispielsweise – ruft nur kurzfristig Glücksgefühle hervor. Zu diesem Ergebnis kommt ein Team von Wissenschaftlern. Ihr Verfahren und die Auswertung hat die Zeitschrift PNAS unter dem Titel "Delayed negative effects of prosocial spending on happiness" veröffentlicht.

Für ihre Untersuchung haben die Ökonomen Armin Falk und Thomas Graeber Probanden vor die Wahl gestellt 350 Euro für Tuberkulosekranke zu spenden, oder 100 Euro zu behalten. Danach wurde gelost. Die Probanden wurden dann gefragt, wie glücklich sie sich fühlen.

Behalten - nachhaltiges Glück

Es hat sich gezeigt, dass direkt nach der Verlosung diejenigen, in deren Namen gespendet wurde und die damit potenziell Leben retten konnten, glücklicher waren als diejenigen, die Geld gewonnen hatten.

Mit einigem Abstand zu der Verlosung fühlten sich allerdings diejenigen glücklicher, die das Geld gewonnen und nicht gespendet hatten. Armin Falk, Wirtschaftswissenschaftler an der Universität Bonn, hat dieses Ergebnis nicht erwartet.

"Wir waren ehrlich gesagt auch überrascht. Nur auf das Glück zu hoffen, nur auf die Zufriedenheit, scheint eben nicht ausreichend zu sein."

Dem Wissenschafts-Team zufolge ist der Zusammenhang zwischen prosozialem Verhalten - also dem Spenden - und unserem Glücksempfinden weniger eindeutig als bisher angenommen.

Gewinnchance verpasst

Kurzfristig führen Spenden dazu, dass wir ein positiveres Selbstbild haben. Langfristig scheint die negative Erfahrung zu überwiegen, einen Geldgewinn verpasst zu haben.

"Die Frage im Experiment war eigentlich: Will ich 100 Euro für mich, oder will ich ein Menschenleben retten? Also hier geht es wirklich um eine fundamental altruistische Entscheidung."

Die Probanden konnten vor der Verlosung wählen, ob sie das Geld mit 60-prozentiger Wahrscheinlichkeit spenden und mit 40-prozentiger selbst erhalten, oder mit umgekehrter Wahrscheinlichkeit. Sie konnten entscheiden, an der selfish lottery teilzunehmen oder an der prosocial lottery. Dann wurde die Lotterie per Zufallsgenerator auf dem Computer ausgespielt, das Ergebnis bekannt gegeben und das Geld ausgezahlt – und die Probanden wurden danach gefragt, wie sie sich fühlen. Unmittelbar nach dem Ergebnis fühlten sich die Spender glücklicher.

"In der kurzen Frist finden wir das, was man erwarten würde, dass nämlich prosoziale Ergebnisse mit einer positiven Glücks-Empfindungs-Veränderung verbunden sind."

Einige Wochen später machten die Probanden ganz andere Angaben. Jetzt fühlten sich eher diejenigen glücklich, die Geld gewonnen hatten. Am glücklichsten waren ausgerechnet jene Probanden, die bei der social lottery mit geringerer Wahrscheinlichkeit das Bargeld gewonnen hatten.

"Vier Wochen später finden wir hier ein komplett anderes Bild. Leute die spenden, sind unglücklicher, als die, die das Geld behalten."