Wer noch raus kann, sollte am besten im Wald spazieren gehen. Weil viele Umgebungsgeräusche gerade fehlen, können wir andere Signale viel besser wahrnehmen: zum Beispiel die Rufe von Vögeln. Und mehr mitbekommen als sonst.

"Die Kommunikation von Tieren und Pflanzen läuft häufig außerhalb unserer Wahrnehmung ab", sagt die Verhaltensbiologin Madlen Ziege. Wenn Pilze im Boden zum Beispiel mit Pflanzen eine besondere Form der Symbiose eingehen. Oder wenn Tiere ihre Territorien markieren.

Was Madlen Ziege interessieren dabei besonders die Extreme: "Mich fasziniert, wenn Natur oder Lebewesen sich etwas einfallen lassen müssen, weil der Lebensraum besonders stressig ist. Wie kommuniziert zum Beispiel Leben, wenn ein wichtiger Kanal fehlt?" Das kann etwa in der Tiefsee der Fall sein, in der kein Licht zur Verfügung steht. Oder in der Innenstadt von Frankfurt am Main.

Dort hat sich Madlen Ziege lange Zeit für ihre Doktorarbeit aufgehalten und das Verhalten von Wildkaninchen analysiert. Sie hat unter anderem untersucht, ob sich mittlerweile mehr Kaninchen in der Stadt als auf dem Land aufhalten. Tatsächlich leben inzwischen wohl mehr in den Städten.

"Der Immobilienmarkt in Frankfurt ist umkämpft - auch bei Kaninchen!"
Verhaltensbiologin Madlen Ziege

Offenbar passen sich die Kaninchen dabei in ihrer Lebens- und Kommunikationsweise an die neue Umwelt an. Während die Tiere auf dem Land eher in einem großen Bau und Gruppen von bis 15 Tieren zusammenleben, ändern sie in der Stadt ihre Überlebensstrategie. Der Bau wird kleiner und auch die Zahl der Tiere, die darin zusammenleben.

Die Kommunikation untereinander läuft übrigens über die Orte, an denen die Kaninchen ihr Geschäft verrichten: Latrinen. Dabei legen die Tiere zum einen Latrinen in der Nähe ihres Baus an, für die interne Kommunikation innerhalb der Gruppe. Und zum anderen Latrinen, mit denen sie stärker die Außengrenze ihres Territoriums markieren. "Das ist eine Art Duftzaun. Ein bisschen wie bei uns Menschen, wenn wir einen Zaun um unser Haus ziehen", sagt Ziege. Die Analysen der Forscherin helfen unter anderem, um das Zusammenleben von Wildtieren und Menschen in der Stadt zu verstehen.

In Eine Stunde Talk erzählt die promovierte Verhaltensbiologin Madlen Ziege, wie Tiere und Pflanzen kommunizieren, warum sie selbst ein Winterkind ist und warum man die Hand nicht in einen Wombat-Bau stecken sollte.