Essen beeinflusst nicht nur unsere Gesundheit, sondern auch direkt unser Handeln. Das ist das Ergebnis einer "Frühstücks-Studie".

Soyoung Park, Psychologin und Hirnforscherin an der Uni Lübeck, hat 24 Männer zum Frühstück eingeladen. Zwölf bekamen Brötchen und Marmelade, also Kohlenhydrate, die anderen zwölf wurden mit Schinken, Käse, Joghurt und Milch, also mit Proteinen gefüttert.

Anschließend mussten die Männer an einem Ultimatum-Spiel teilnehmen, bei dem sie unfaire Geldangebote annehmen oder ausschlagen konnten. Vier Wochen später wurde das Frühstückstreffen wiederholt und die Gruppen getauscht. Ergebnis: Wer Proteine gegessen hatte, verhielt sich nachgiebiger. Kohlenhydrate und Zucker machten dagegen eher rechthaberisch und aggressiv.

Eine Erklärung für das Verhalten der Kohlenhydratgruppe ist die Aminosäure Tyrosin, die in fast allen Eiweißen vorkommt. Wer also Proteine gegessen hatte, hatte verhältnismäßig viel Tyrosin im Körper. Das wiederum könnte für die Verhaltensänderung in Richtung Nachgiebigkeit verantwortlich sein.

Keine Sorge: Marmeladen-Frühstücker zetteln nicht täglich eine Schlägerei an. Die Erkenntnisse können aber bei der Erforschung der Folgen helfen, die Essen für unser Hirn haben könnte.

Essen und Straftäter

Ein Experiment der Uni Oxford geht in die gleiche Richtung: Dort haben sich Forscher angeschaut, welche Folgen Essen auf das Verhalten jugendlicher Straftäter hat. Im Gefängnis bekommen die Insassen aus Sicht der Experten eher schlechtes Essen: viel Fett, Zucker, Kohlenhydrate. 231 Häftlinge wurden in zwei Gruppen aufgeteilt. Die eine Hälfte bekam Nahrungsergänzungsmittel mit Vitaminen von A bis E, Mineralstoffen wie Zink, Selen, Magnesium und ungesättigte Fettsäuren – die andere Gruppe nur Placebos.

Nach ein paar Monaten kam dann das Ergebnis: Bei der Gruppe, die mit Nahrungsergänzungsmitteln versorgt worden war, sank die Zahl der Regelverstöße wie Schlägereien oder Angriffe auf Wachen um 25 Prozent. Das lag maßgeblich an der Ernährung, sagt Bernhard Gesch von der Universität Oxford, der das Experiment entwickelt und wissenschaftlich begleitet hat.

"Unsere Ernährung beeinflusst die Funktionalität unseres Hirns. Und das Gehirn steuert unser Verhalten."

Das gleiche Experiment wurde in den Niederlanden noch einmal durchgeführt. Die Ergebnisse waren ähnlich.

Einfach nur gesund ernähren allein reicht aber leider auch nicht. Bei Depressionen helfen können Nahrungsergänzungsmittel nämlich zum Beispiel nicht. Das ist das Ergebnis einer Studie, an der Forschende von 13 europäischen Wissenschaftseinrichtungen beteiligt waren.