Wenn Männer verhüten wollen, ist die Auswahl bisher nicht sehr groß. Das wollen Start-ups ändern und forschen an verschiedenen Verhütungsmethoden – unter anderem auch mit Stromimpulsen oder Kippschaltern. Doch häufig scheitern die Unternehmen an der Finanzierung.

Pille, Hormon- oder Kupferspirale, Verhütungspflaster, Diaphragma, Hormonstäbchen – die Auswahl an Verhütungsmethoden für die Frau ist groß.

Bei Männern sieht das anders aus: Außer Kondome oder Vasektomie, also das Durchtrennen der Samenleiter im Hodensack, gibt es bisher kaum eine klinisch getestete und zugelassene Methode. Zudem kommt Vasektomie in erster Linie nur für Männer in Frage, die keine Kinder wollen oder deren Kinderplanung bereits abgeschlossen ist.

Deshalb gibt es immer wieder Unternehmen, die an Verhütungsmethoden für den Mann arbeiten. So wie das neue Start-up "Ronikja" aus Hessen oder wie der deutsche Erfinder Clemens Bimek, der bereits seit über zehn Jahren dazu forscht.

Doch beide haben eines gemeinsam: Sie finden keine Investoren.

Spermienfluss durch Wärme beeinflussen

"Es ist ein leichtes Kribbeln. Es wird zwar leicht warm, aber das ist keine unangenehme Wärme oder Hitze", so beschreibt Jan Leister das Gefühl, wenn die Klammer, die er und seine Kollegen "ConMaCept" nennen, um den Hodensack gelegt und Strom durchgeleitet wird.

Jan Leister ist Wirtschaftsingenieur. Zusammen mit dem Mediziner Niklas Grohs und dem Elektrotechniker Rolf Tobisch will er die Verhütung für den Mann weiterbringen.

Die Idee: mit Wärme auf die Spermien einwirken. Dabei soll in der Behandlung eine Klammer, die von außen aus Kunststoff besteht, jeweils um einen Hoden gelegt werden. Durch diese Klammer fließt dann Strom. Die dabei entstandene Wärme soll sich dann aber nicht auf die Hoden selbst, sondern auf die Nebenhoden übertragen.

Unbewegliche Spermien

Die Nebenhoden sorgen dafür, dass die Spermien beweglich werden – eine wichtige Vorrausetzung dafür, dass der Mann fruchtbar ist. Die drei Gründer schätzen, dass sich bei der Behandlung die Nebenhoden auf ungefähr 40 Grad erwärmen und somit unbeweglich werden. Einmal im Monat soll diese Behandlung dann stattfinden.

"Es wird dafür gesorgt, dass Spermien einen Monat lang unbeweglich sind."
Jan Leister, Mitbegründer von "Ronikja"

Fünf Minuten lang soll die Behandlung dauern. Die drei Gründer haben sie bereits selbst an sich getestet und konnten unter dem Mikroskop die unbeweglichen Spermien nachprüfen. Angenehm sei es nicht, sagt Jan Leister, aber ihre Klammer sei so konzipiert, dass kein Druck auf den Hoden und Nebenhoden entstehe. Zudem sei die Hodensack-Haut an sich sehr schmerzunempfindlich.

Keine klinischen Studien ohne Investoren

Damit ihr Produkt auf den Markt kommen kann, muss es aber erstmal einige klinische Studien und andere Sicherheitsprüfungen durchlaufen. Dazu fehlt dem Start-up derzeit noch circa eine Million Euro. So geht es vielen Gründungen, die an der Verhütung für den Mann arbeiten.

Seit zehn Jahren auf der Suche

Clemens Bimek hat bereits vor über zehn Jahren ein Samenleiter-Ventil entwickelt, dass er sich selbst hat implantieren lassen. Das Ventil sitzt dabei auf dem Samenleiter im Hodensack und hat einen Kippschalter. Mit diesem kann Clemens Bimek seinen Samenleiter öffnen und schließen. So lange er verhüten will, bleibt das Ventil geschlossen und es gelangen keine Spermien bis ins Ejakulat.

Seine Erfindung hat auf der ganzen Welt für Aufmerksamkeit gesorgt, über 6000 Freiwillige haben sich nach eigenen Angaben bei ihm gemeldet. Auch Clemens Bimek fehlt aber immer noch das Geld für klinische Studien. Die Gründer von "Ronikja" wollen es nun selbst in die Hand nehmen und planen als nächsten Schritt eine Crowdfunding-Kampagne.